Godesberger Eingemeidung vor 50 Jahren: Bürger haben es akzeptiert

GA-Podiumsdiskussion : Godesberger Eingemeindung haben die Bürger akzeptiert

Zur Podiumsdiskussion des GA zu den Folgen der Eingemeindung vonr 50 Jahren im Godesberger Schauspielhaus kamen rund 120 interessierte Besucher. Die anfänglichen Schmerzen in Folge der damaligen Kommunalreform scheinen mittlerweile überwunden.

Wer befürchtet hatte, die Godesberger würden anlässlich des 50-Jährigen der Kommunalreform in ihrem gerne gepflegten Eingemeindungsschmerz verharren, der sah sich bei der vom General-Anzeiger im Schauspielhaus veranstalteten Podiums- und Publikumsdiskussion angenehm überrascht: Die rund 120 Teilnehmer debattierten munter eineinhalb Stunden lang über die aktuell und zukünftig heißen Themen des Stadtbezirks.

Zu Beginn hatten die GA-Redakteurinnen Ayla Jacob und Silke Elbern geschickt die ersten Pflöcke gesetzt - mit Fragen wie: Warum gehört das Schauspielhaus nach Godesberg? oder: Sind die Wunden der Neuordnung verheilt? Auf der Bühne saßen der ehemalige Bezirksvorsteher Peter Bläser, Schauspieldirektor Jens Groß, Ex-Stadtmarketing-Chefin Brigitte Grüll, Ex-Bezirksbürgermeisterin und Ehrenamtsfachfrau Annette Schwolen-Flümann sowie Bezirksbürgermeister Christoph Jansen. Zuvor hatte Historiker Wilfried Rometsch die Godesberger in einem kleinen Vortrag gewarnt, sich nicht ihre "wichtigen Profilelemente", etwa das Schauspielhaus und die Stadthalle, nehmen zu lassen. Nahtlos bezogen die Moderatorinnen dann das Publikum mit ein, sodass folgende Probleme diskutiert wurden.

Stadthalle: Aus dem Publikum kamen Zweifel, ob der aktuelle Zeitplan für die Komplettsanierung der maroden Mehrzweckhalle eingehalten werde und Übergangslösungen gefunden werden könnten. Der Umbau sei eines der drei wichtigsten Projekte für Godesberg und müsse zügig umgesetzt werden, versprach Bezirksbürgermeister Jansen. "Mitte 2022 müssen sich die Kräne drehen, um die Stadthalle endlich zukunftsfähig zu machen." Sie solle in der Kongressstadt Bonn weiterhin das mittlere Preissegment bedienen.

Schauspielhaus: Von den Moderatorinnen befragt, brach Schauspielchef Groß eine Lanze für den Standort am Theaterplatz. "Hier können wir die Türen direkt zu den Bürgern hin öffnen und unsere gesellschaftsrelevante Arbeit im Herzen Bad Godesbergs leisten", betonte Groß. Eine größere Stadt lebe nicht davon, dass alles im Zentrum liege, "das wäre weder wirtschaftlich noch kulturell sinnvoll", führte der Schauspielchef unter Beifall aus. Jede Stadt müsse verschiedene kreative Räume behalten.

Kurfürstliche Zeile: Joachim Schäfer vom Verein Bürger.Bad.Godesberg forderte passend dazu und unter Applaus, alle Bürgerdienste nach Godesberg zurückzuholen. Worauf es jedoch keine Antwort vom Podium gab. Jansen wie auch Wolfgang Heedt, FDP, im Publikum beschworen derweil die Chancen, die die erhoffte Ansiedlung eines Studiengangs der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in der kurfürstlichen Zeile dem Geschäftsstandort Godesberg bescheren könnte. Schwolen-Flümann rief die Bürger auf, sich hinter dieser Idee zu sammeln. "Sie ist dreimal besser als mein damaliges Wunschprojekt einer Hotelansiedlung."

Geschäftsstandort: Fachfrau Grüll erläuterte, der Einzelhandel sei "auf gutem Wege". Es gebe aktuell wenig Leerstand, neue Cafés seien hinzugekommen. Es fehlten eigentlich nur Läden für Unterhaltungselektronik, Haushaltswaren und Spielsachen. Der Nettokaltmietenpreis liege aber mit 20 Euro pro Quadratmeter zu hoch. Aus dem Publikum wurde gekontert, die Lage im Einzelhandel sei ernst, es nicht mit dem Herausstellen einiger Caféstühle getan. "Wir müssen die ins Ländchen abgewanderten Kunden wiedergewinnen."

Schwimmbadfrage: Bezirksbürgermeister Jansen nannte unter Zustimmung aller die Bereitstellung eines neuen Hallenbads für Schulen, Vereine und Freizeitsportler als eines der wichtigsten Zukunftsprojekte im Stadtteil. "Darüber lasse ich nicht mit mir diskutieren. Dafür müssen wir Godesberger Politiker uns parteiübergreifend einsetzen."

Schulstandort: Blumig wurde Bad Godesberg als attraktiver Standort für Schüler aus ganz Bonn geschildert. Daniela Römmler, Rektorin der Gertrud-Bäumer-Realschule, sandte aus dem Publikum jedoch einen SOS-Ruf an die Politik. "Sie müssen uns unter die Arme greifen. Eigentlich wird an unseren vielen Schulen nur noch der Kollaps verhindert", warnte sie.

Toiletten am Bahnhof: Der Godesberger Bahnhof gehöre zwar der Deutschen Bahn, polterte ein Mann, "aber die Stadt muss richtig Rabatz machen, damit wir endlich WCs vor Ort bekommen." Bezirksbürgermeister Jansen konnte langfristig Entwarnung geben: Innerhalb der geplanten Radservicestation am Bahnhof werde zumindest dort eine WC-Anlage installiert.

U-Bahn-Verlängerung: Im Publikum wurde eine Verlängerung der Stadtbahnlinien 63 und 16 bis nach Mehlem gefordert. Ex-Bezirksvorsteher Peter Bläser schloss sich dem an. Schon in den 60ern habe er hinter der Idee gestanden, die frühere Direktverbindung bis nach Mehlem neu zu errichten.

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