Barrierefreiheit in Bonn: Gleis 3 am Bahnhof Mehlem ist ein Problemfall

Barrierefreiheit in Bonn : Gleis 3 am Bahnhof Mehlem ist ein Problemfall

Die Deutsche Bahn stellt am Bahnhof in Mehlem Arbeiten in den nächsten zehn Jahren in Aussicht. Bei einer Ortsbegehung schauen sich die SPD und die Behindertengemeinschaft Bonn die Missstände an.

Für Rollstuhlfahrer, Geh- oder Sehbehinderte, Mütter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren oder auch Reisende, die mit schwerem Gepäck unterwegs sind, ist der Mehlemer Bahnhof kaum nutzbar. Wer aus Bonn kommend in Richtung Süden unterwegs ist und an Gleis 3 aussteigt, kann den Bahnsteig auf legalem Weg nur über eine Treppe verlassen – falls er überhaupt aussteigen kann. Denn weil die Bahnsteigkante zu niedrig ist, ist der Abstand zu den Trittsteigen der Züge zu weit. Doch das ist noch nicht alles: Auch taktile Elemente für Sehbehinderte als Abgrenzung zum Gleis fehlen an Gleis 1 und 3 komplett.

Außerdem gestaltet sich der Weg zu den Bahnsteigen schwierig, wie Daniela Werdin von der Arbeitsgemeinschaft Selbst Aktiv, der AG der Menschen mit Behinderung in der SPD, feststellen musste. Sie war mit Krücken unterwegs und kam nur im Schneckentempo vorwärts. Schuld daran waren kleine Unebenheiten und auch größere Schlaglöcher. „Mit Rollstühlen oder Rollatoren bleibt man hier ständig hängen“, kritisierte Werdin und erntete zustimmendes Kopfnicken.

Die Finanzierung der Baumaßnahme ist laut Bahn sichergestellt

Gemeinsam mit anderen SPD-Politikern und der Behindertengemeinschaft Bonn waren die Mitglieder der AG rund um den Bahnhof unterwegs, um auf Missstände in Sachen Barrierefreiheit aufmerksam zu machen. Dabei wurden sie mehr als fündig: Zahlreiche Treppen, fehlende Aufzüge, zu niedrige Bahnsteigkanten, eine steile Rampe, die nur mit elektrisch betriebenen Rollstühlen befahren werden konnten – die Liste ließ sich beliebig erweitern. So fiel das Fazit der Gruppe wenig positiv aus: „Eigentlich fehlt hier alles“, hieß es unisono.

Ein Zustand, den die Deutsche Bahn (DB) ändern möchte – wenn auch eher lang- als mittelfristig. „Der Mehlemer Bahnhof wird barrierefrei ausgebaut werden“, sagte ein Unternehmenssprecher auf GA-Anfrage. Dann werde das Gelände komplett überarbeitet, unter anderem sollen auch die Bahnsteige angehoben werden. Dies habe man gemeinsam mit dem Nahverkehr Rheinland (NVR) beschlossen. Die Finanzierung sei sichergestellt, wann es losgehe, könne man aber noch nicht sagen. Nur so viel: „Es wird in den 2020er Jahren sein.“

Reisende mit Behinderung können den Mobilitätsservice anrufen

Doch warum so spät? Nach Auskunft des DB-Sprechers ist der Mehlemer Bahnhof Teil der dritten Modernisierungsoffensive der Bahn – mit 33 weiteren Bahnhöfen im Rheinland. Im ersten und zweiten Schritt wurden und werden weitere Haltepunkte erneuert. Wer Priorität hat, legen DB und NVR gemeinsam fest. Ein Kriterium ist zum Beispiel die Frequentierung. „Barrierefreiheit ist sehr wichtig“, betonte der Sprecher. Leider können man aber nur einen nach dem anderen modernisieren. Im Zuge der DB-Offensive seien bisher rund 75 Prozent der Bahnhöfe im Rheinland umgebaut worden.

Doch das hilft denjenigen wenig, die den Mehlemer Bahnhof aktuell nutzen und die Treppen nicht überwinden können. Sie sollten sich vor Fahrtantritt an die Mobilitätsservice-Zentrale der DB wenden, und zwar unter 01 80/ 6 51 25 12, so der Tipp des Sprechers. „Dort schauen die Mitarbeiter nach Reisealternativen.“ Wer allerdings spontan in Mehlem aussteigt, hat das Nachsehen. Falls keine Hilfe in Sicht ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf den nächsten Zug zu warten.

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