Französische Lieder der Jahrhundertwende: Geleit durchs Dickicht der Gefühle

Französische Lieder der Jahrhundertwende : Geleit durchs Dickicht der Gefühle

Bereits mit 15 Jahren hatten Elena Harsányi und Toni Ming Geiger im Ludwig van B.-Rahmenprogramm des Beethovenfestes auf sich aufmerksam gemacht. Am späten Samstagnachmittag begeisterten die jungen Musiker auf Einladung des "Musikalischen Netzwerkes Jugendarbeit in Bonn Ludwig van B." das Publikum in der Stella Rheni auf dem Gelände des Aloisiuskollegs.

Das Konzert war sozusagen das Happy End mehrerer Versuche, die Liedzyklen von Maurice Ravel und Klavierstücke von Claude Debussy vorzutragen. Zweimal musste das Konzert in den vergangenen sechs Monaten abgesagt beziehungsweise wegen Krankheit abgebrochen werden.

Am Samstag freute sich vor allem Solveig Palm, Vorsitzende des Netzwerkes, "dass es nun im dritten Anlauf endlich geklappt hat". Unter dem Titel "Geheime Gärten" präsentierten die Nachwuchsmusiker eine abwechslungsreiche Kombination französischer Schmuckstücke der Jahrhundertwende. Kurze, eindringliche Liedzyklen von Ravel, Francis Poulence und anderen wechselten sich mit farbenreichen Klavierstücken von Debussy ab.

Wider Erwarten begann das Konzert nicht auf Französisch, sondern mit Ravels Vertonung eines jüdischen Gebets, "Kaddisch": "Eines uralten jüdischen Gebets, deshalb singe ich es auf Hebräisch", erklärte Elena Harsányi, die ihre Gesangsausbildung bereits mit zwölf Jahren bei Barbara Hebborn in Bonn begonnen hatte. In den letzten Jahren erarbeitete sie sich auch geistliches Repertoire bei zahlreichen Konzerten im Bonner Raum.

Die Grenzen klassischer Musik in "respektvoller Unverfrorenheit" immer wieder auszuloten und neue Hörer zu begeistern - das ist eines der wichtigsten Anliegen des jungen Pianisten Toni Ming Geiger. Für ihn ist das Musikersein nicht nur Klavierspiel, sondern zugleich auch Experiment. So zum Beispiel bei den "Préludes", Erstes Buch, von Claude Debussy. "Für mich ist die 'La sérenade interrompue' ein romantisches Lied", erläuterte er dem Publikum, "das absurd und wüst unterbrochen wird."

Das Duo Harsányi/Geiger führte mit lockerer Moderation durch ein Dickicht innerer Gefühlswelten, die sich von religiöser Ekstase über Fernweh und rauschhaft-erotische Elegie bis hin zu einem ironisch-herausfordernden Augenzwinkern erstreckten. Ein gelungener französischer Liederabend im stilvollen Ambiente der Jahrundertwende-Villa Stella Rheni.