Dorftratsch am Ziegendenkmal: Friesdorfer diskutieren Ideen für Klufterplatz

Dorftratsch am Ziegendenkmal : Friesdorfer diskutieren Ideen für Klufterplatz

Friesdorfer diskutieren bei der Herzenssprechstunde auch über Verkehrsanbindungen und einen Stolperstein am Haus des von den Nazis verfolgten Professors Hans Karl Rosenberg.

Ziegen meckern. Nur nicht die auf dem Klufterplatz, denn die sind als Denkmal aus Stein. So kam bei der Herzenssprechstunde im Nachbarschaftszentrum der Arbeiterwohlfahrt am Donnerstagabend die Idee auf, in die sonst eher unbeachtete Ecke ein wenig mehr Leben zu bringen, indem dort vielleicht eine Speakers' Corner nach dem Vorbild des Londoner Hyde Parks eingerichtet wird. Ein paar Wochen nach den Abschluss der Sanierungsarbeiten in der Dorfmitte zogen die 22 Teilnehmer der Diskussionsrunde, die das Generationennetzwerk Bad Godesberg anbot, erste Bilanz: Sie ärgern sich über Graffiti-Schmierereien an Stromkästen und bemängeln, dass die neuen Fahrradständer bei Weitem nicht reichen. Was fehlende Fahrradständer angeht, sagt die Verwaltung auf GA-Anfrage, dass sie das noch prüfe.

„Bei der Einweihung des Klufterplatzes fiel mir auf, dass die Ziegen sehr am Rande stehen“, sagte Josef Schwalb. Das könnte unter Einbeziehung der Stele mit den Erläuterungen zum Denkmal ein gutes Forum für den Dorfklatsch werden: „Nach dem Motto: Wir treffen uns am Meckerstein“, so der Heimatforscher. Er erklärte, wieso die Friesdorfer die Fahne für diese Nutztiere so hoch halten. Denn vor 200 Jahren seien sie sowas wie „die Kuh des kleinen Mannes“ gewesen. „Es gab sogar einen Ziegenzuchtverein“, erinnerte Schwalb. Er kann sich vorstellen, dass die Vorträge, „wenn sie witzig genug sind, auch Zuschauer haben werden“. Eine Teilnehmerin der Sprechstunde schlug vor, das Denkmal an eine andere, mehr beachteten Stelle zu verrücken. „Das kostet aber einiges“, meinte Holger Liczner, Geschäftsführer des Ortsausschusses. Zudem stehe schon fest, dass die Ziegen nicht ans Votivkreuz rücken dürften, das habe die Stadt zur Auflage gemacht.

Familienkreuz an der Ecke Annaberger- und Prinzenstraße

Bonns früherer Chefstatistiker Klaus Kosack sagte, dass in Friesdorf mehr Jugendliche leben als woanders in Bad Godesberg. Dafür dann weniger Senioren. „Es gibt 1600 bewohnte Häuser und 45 bewohnte Straßen. Die meisten Leute wohnten, was für alle nicht schwer zu erraten war, an der Annaberger Straße. Kosack erwähnte, dass es um die medizinische Versorgung besser stehen könnte, wobei sich das durch eine neue Ärztin im Ort nun bessern werde.

Eine Anwohnerin beklagte, dass die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Rhein schlecht sei: „Die Linie 631 fährt nur bis zum Langen Grabenweg. So muss ich erst nach Godesberg reinfahren. Das finde ich schade.“ So dauere die Fahrt an den Rhein mindestens 40 Minuten. „Da bin ich ja zu Fuß schneller“, meinte einer aus der Runde.

Josef Roth, Enkel des Friesdorfers Joseph Roth, der 2000 für seinen Mut und seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime von der katholischen Kirche zum Märtyrer erklärt wurde und für seine religiöse und politische Überzeugung gestorben war, wünschte eine Neueinweihung des 2016 von der Stadt restaurierten Familienkreuzes an der Ecke Annaberger- und Prinzenstraße. Moderatorin Ebba Hagenberg-Miliu sucht für die Probleme, wo möglich, direkt eine Lösung. So soll für dieses Anliegen nun direkt der Pfarrgemeinderat angesprochen werden. Roth schlug auch vor, am Haus des von den Nazis verfolgten Professors Hans Karl Rosenberg, der durch seinen Vater als Halbjude galt, einen Stolperstein verlegt wird. Diese Erinnerungsarbeit übernimmt an vielen Stellen in Deutschland und Europa als Langzeitprojekt der Künstler Gunter Demnig, indem er Gedenktafeln aus Messing in die Gehwege einlässt. Laut Roth seien dafür rund 200 Euro nötig.

Patenschaft für Beete

Über einen Bürgerantrag wollen einige Friesdorferinnen die Patenschaft für die Beete an den Ahornbäumen übernehmen. Denn die meisten waren sich einig, dass der Klufterplatz noch ein wenig Grün vertragen kann – vielleicht auch mit einem Hochbeet. Nach Angaben der Stadt ist das indes nicht möglich. „Das haben wir schon einmal geprüft“, so eine Sprecherin aus dem Presseamt. Aufgrund der starken Wurzeln der Bäume sei ein Beet mit Blumen nicht umzusetzen.

Stadtjugendpfleger Michael Vieth versprach, dass das Jugendamt eine neue Jugendsozialarbeit Am Weckhasen einrichten will, er wollte dafür das Votum der Runde einholen, und die sagte sofort: ja. Er lobte auch die Arbeit zum Beispiel der Pfadfinder, die – wie berichtet – jüngst mit ihrem Showlager auf sich aufmerksam gemacht hatten. Es gebe in Friesdorf keine jungen Leute, die mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam machen würden, so Vieth. Zu den Angeboten für sie gehören unter anderem auch der offene Jugendtreff und zahlreiche Sportvereine mit Fußball, Tischtennis oder Badminton. Kein Thema für eine Speakers’s Corner, da gibt’s nichts zu meckern.