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Kommentar zur Stadthalle in Bad Godesberg: Fragwürdiges Vorgehen

Kommentar zur Stadthalle in Bad Godesberg : Fragwürdiges Vorgehen

Die Politik scheint die Weichen für eine Sanierung der Stadthalle in Bad Godesberg gestellt zu haben. Auf den ersten Blick also ein Grund zur Freude. Auf den zweiten aber sieht das anders aus, meint unsere Autorin.

Es ist stets betont worden, dass die längst überfällige Sanierung der Stadthalle nur dann 2022 starten kann, wenn im März/April eine politische Entscheidung über die künftige Raumaufteilung und die Nutzung des Ensembles fällt. Nun scheinen die Weichen gestellt, die Stadt hat das lang ersehnte Konzept vorgelegt. Auf den ersten Blick also ein Grund zur Freude. Auf den zweiten aber sieht das anders aus.

Der Vorschlag, den Trinkpavillon der Gastronomie zuzuschlagen, ist nicht umsetzbar. Nicht nur, dass der Kurfürstensaal sehr viel kleiner ist als das aktuelle Restaurant. Es besteht außerdem kaum Möglichkeit, Tische unter freiem Himmel aufzustellen. Darüber hinaus ist der Weg zwischen dem Pavillon und der Küche in der Stadthalle lang – und nicht überdacht. Warme Gerichte dürften deutlich abgekühlt sein, bis sie beim Kunden ankommen. Vom Service an Regentagen ganz zu schweigen.

Darüber hinaus wirft das Vorgehen der Stadt Fragen auf. Wieso wurde der Verein Bürger.Bad.Godesberg, der sich seit gut zweieinhalb Jahren um den Trinkpavillon kümmert, nicht über diese Idee informiert? Die Verwaltung mag rechtlich nicht dazu verpflichtet sein, die Mitglieder darüber in Kenntnis zu setzen, dass ihnen der Kurfürstensaal eventuell bald nicht mehr zur Verfügung steht. Moralisch gesehen aber wäre es eine Notwendigkeit gewesen. Die Mitglieder haben den lange brach liegenden Kurfürstensaal in Eigenregie auf Vordermann gebracht. Haben das leer stehende Gebäude wieder zu einem kulturellen Treffpunkt, zu einem Ort der Begegnung gemacht. Sie haben verschüttete Publikumsmagneten wie Musik im Park reaktiviert. Und dafür gesorgt, dass die Bad Godesberger dort wieder das Wasser der  Kurfürstenquelle genießen können. Mit ihrem Vorgehen hat die Stadt das ehrenamtliche Engagement der Bürger mit Füßen getreten. Bleibt zu hoffen, dass sie ihren Fehler sieht und daraus lernt.