FDP und SPD wünschen sich eine Gedenkstätte auf dem Moltkeplatz

Diskussion um mögliche Gedenkstätte : Gerangel um den Moltkeplatz

Der Moltkeplatz soll, so wünschen es sich FDP und SPD, umgewidmet werden – eine Gedenkstätte für Nazi-Gegner inklusive. Eine Mehrheit für den Vorstoß findet sich indes nicht.

In Zeiten, in denen der Nationalpopulismus an Boden gewinnt, sollte man an Zivilcourage erinnern – und sie sich zum Vorbild nehmen. Deshalb, so wünschen es sich FDP und SPD, sollte denjenigen, die sich gegen die Nationalsozialisten auflehnten, an zentraler Stelle gedacht werden. So zum Beispiel am Moltkeplatz. Dieser, so der Vorschlag, sollte künftig Helmuth James Graf von Moltke und seiner Ehefrau Freya gewidmet sein — den führenden Köpfen des Kreisauer Kreises (siehe Artikel „Der Kreisauer Kreis“). Und nicht mehr an den preußischen Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke erinnern. Der Vorteil: Man müsste die Widmung lediglich durch Zusatzschilder kenntlich machen. Der Name des Platzes aber müsste nicht verändert werden, so FDP und SPD, die ihrem Ansinnen mit einem Antrag Ausdruck verliehen.

Darüber hinaus sollte der Brunnen durch eine Skulptur oder Stele ergänzt werden, unter der weitere Widerstandskämpfer wie der Friesdorfer Joseph Roth namentlich verewigt werden. Diese sollten zuvor in einer wissenschaftlichen Studie – deren Durchführung wurde in einem interfraktionellen Antrag gewünscht – ermittelt werden.

Obwohl man sich politisch in der Sache einig war, fand sich in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung keine Mehrheit für den rot-gelben Vorstoß. Mehrheitlich, mit den Stimmen von CDU, Grünen und Bürger Bund Bonn (BBB), sprach sich das Gremium zwar dafür aus, den Widerstand in der Nazizeit wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die Stele allerdings wollte man an einer anderen Stelle sehen. Die Verwaltung solle Vorschläge erarbeiten, wo die Einrichtung einer Gedenkstätte möglich wäre, so die mehrheitliche Meinung.

Das Ehepaar von Moltke sei bedeutsam gewesen, weil es sich „für die Menschenwürde eingesetzt hat“, so Wolfgang Heedt (FDP). Es habe gezeigt, „dass in Deutschland ein Funken Hoffnung bestand“. Die Orientierung an solchen Persönlichkeiten sei wichtig. „Daher sollte die Stelle, wo ihnen gedacht wird, im Mittelpunkt stehen.“ Die Suche nach einem anderen Platz erschließe sich ihm nicht: Das vorgeschlagene Areal „heißt bereits Moltkeplatz und liegt sehr zentral“. Dass es rege genutzt werde, tue der Ernsthaftigkeit des Ansinnen keinen Abbruch. „Der Kölner Dom steht mitten im Karneval und verliert dadurch auch nichts von seiner Würde“, so Heedt.

Es sei eine gute Sache, nicht nur einzelner Personen zu gedenken, sondern seinen Blick auf die Bad Godesberger zu richten, die das Dritte Reich überstanden haben, sagte Marcel Schmitt (BBB). Aber: Man sollte den ursprünglichen Namensgeber des Moltkeplatzes nicht einfach verschwinden lassen. Und daher eine andere Stelle finden, an der die Ehrung vorgenommen werden könnte. „Wir sind uns einig, dass wir in Bad Godesberg ein Mahnmal für Zivilcourage brauchen“, sagte Monika Heinzel (Grüne). Die wissenschaftliche Studie sei unabdingbar, „damit auf diesem möglichst viele Menschen vorkommen“. Man habe andere Plätze im Bezirk, die sich eignen würden, meinte Jürgen Bruder (CDU). Und brachte den Ria-Maternus-Platz ins Spiel. Auch der Severinsbrunnen in Mehlem würde sich anbieten, schloss sich sein Parteikollege Jan Claudius Lechner an.

„Ich halte das Gerangel um den Moltkeplatz für unwürdig“, meinte Heedt. Die Moltkestraße bleibe dem Generalfeldmarschall vorbehalten. Und: Man wolle mit der Gedenkstätte möglichst viele Menschen erreichen. Ein Standort in hinterer Ecke sei daher nicht akzeptabel. Und Ralf Jochen Ehresmann (Linke) fasste am Schluss kopfschüttelnd zusammen: „Ihr wollte keine Umwidmung? Das kann doch nicht euer Ernst sein.“

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