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Partitur von Friedrich Ullrich entdeckt: Familiengrab erinnert an Godesberger Musikverleger

Partitur von Friedrich Ullrich entdeckt : Familiengrab erinnert an Godesberger Musikverleger

Die Bonner Sopranistin Katja Heydegger hat die Partitur einer Weihnachtskantate des Komponisten August Thielen wiederentdeckt. Das Stück ist seinerzeit im Godesberger Musikverlag von Friedrich Ullrich erschienen. Aufgeführt wird es am Sonntag, 22. Dezember, in der Klosterkirche Heisterbach.

Eigentlich ist die Sopranistin Katja Heydegger seit über einem Jahrzehnt im Köln-Bonner Raum als Gesangssolistin unterwegs. Seit 2017 jedoch entwickelt sie auch detektivische Qualitäten. „Da hatte ich nämlich im Königswinterer Siebengebirgsmuseum den Klavierauszug eines Singspiels entdeckt, das mich sofort unheimlich neugierig machte“, berichtet Heydegger. Das Blatt war in der Vitrine eigentlich nur als Dekoration gedacht. Aber die Musikerin interessierte sich für die sehr anspruchsvollen Notenfolgen, die 1907 im damaligen Godesberger Musikverlag Friedrich Ullrich erschienen waren: Sie stammten aus der Weihnachtskantate „Das Glöckchen von Heisterbach” des Komponisten August Thelen.

Auf Nachfrage habe sie vom Museum eine Kopie des Klavierauszugs erhalten und studiert, erzählt die Sopranistin. Und der Plan sei in ihr gereift, diese Rarität im Raum Bonn wieder zur Aufführung zu bringen. Was Heydegger nun zwei Jahre später gelungen ist: An diesem Sonntag, 22. Dezember, um 17 Uhr wird sie das Singspiel mit dem Kammerchor Oberpleis und dem Männerchor Quirrenbach unter der musikalischen Leitung von Pavel Brochin in der Klosterkirche Heisterbach präsentieren. Katharina Peeck, Mezzosopran, und Frank Hoppe, Klavier, werden ebenfalls dabei sein. Der Weg dahin ist jedoch lang gewesen. Und er führte über Bad Godesberg geführt, wo Heydegger sich nämlich auf die Spur des Musikverlegers gemacht hat.

„Ich konnte eigentlich nur einbringen, dass dieser Friedrich Ullrich im Familiengrab auf dem Burgfriedhof liegt“, berichtet Martin Ammermüller, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Bad Godesberg, über Heydeggers Anfrage. Der 1861 bei Essen geborene Komponist und Verleger war 1924 verstorben. Sein Sohn Martin Ullrich sollte von 1925 bis 1936 Intendant der Rheinischen Schauspielbühne in Godesberg werden. Soviel war vor Ort zu erfahren.

Ammermüller rief aber noch im Vereinsrundbrief dazu auf, es möge sich jeder melden, der etwas über den Verbleib von Noten aus dem ehemaligen Godesberger Verlag wisse. Die Sopranistin war nämlich auf der Suche nach der noch fehlenden Orchesterpartitur. Die Godesberger Bläser Richard Grebert verwies sie an einen Stuttgarter Männerchor. Was letztlich nicht weiterhalf. Grebert wusste immerhin noch von der Verwandtschaft Ullrichs mit dem Schauspieler Rolf Mautz.

Doch dann meldete sich der noch in Godesberg wohnende Verlegerenkel Friedrich Volker Ullrich bei ihr, der kürzlich verstarb. „Er berichtete mir, dass er den Verlag aufgelöst und dabei die Unterlagen außer einer Werkliste vernichtet habe“, sagt Heydegger bedauernd. Immerhin erfuhr sie, dass Friedrich Ullrich neben seiner verlegerischen Arbeit als Komponist vor allem für Chöre tätig war und in seiner Kölner Zeit die Karnevalslieder „Trina, Trina, trallerallala“, „Hä hät ’ne Grümmel en der Trööt“ und „Ritsch, ratsch, riddividibumm, dat wöhr su jett för däm Ahl singe Jung“ geschrieben hatte, bevor er 1900 nach Godesberg übersiedelte. Am Sonntag wird Heydegger also in der „Glocke von Heisterbach“ das Mädchen Marie singen, die nach dramatischen Wendungen schließlich zum Happy End ins Kloster Heisterbach gelangt. Weil die Solistin nicht lockerließ und auch den Oberpleiser Kammerchor für eine in Godesberg erschienene Kantate begeistern konnte.

Die Karten für Sonntag, 22. Dezember, 17 Uhr, Klosterlandschaft Heisterbach, Kirche, Heisterbacher Straße, kosten 15 Euro, ermäßigt zehn Euro, Vorbestellung unter ☎ 02223/26353.