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Draitschquelle in Bad Godesberg: Es gibt doch keinen Zuschuss

Draitschquelle in Bad Godesberg : Es gibt doch keinen Zuschuss

Die Jamaika-Koalition in Bad Godesberg muss sich heftige Kritik gefallen lassen. Diese will dem Heimatverein kein Geld für die Draitschquelle geben.

Mit ihrem widersprüchlichen Lob für das bürgerschaftliche Engagement bei der Sanierung der Draitschquelle hat die CDU im Stadtrat den Zorn von SPD und Bürger Bund Bonn (BBB) auf sich gezogen. Es geht um 20 000 Euro, die der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg aus dem Stadtsäckel erhalten sollte. Wie berichtet, waren CDU und BBB in der Bezirksvertretung (BV) wie die anderen Fraktionen noch für diesen Zuschuss. Doch während der BBB sich im Rat treu blieb, waren die anderen Fraktionen zum Teil schon vorher umgeschwenkt. So setzte die Koalition von CDU, Grünen und FDP am Donnerstag im Rat durch, dass der Heimatverein keinen Zuschuss erhalten, wohl aber von der Verwaltung bei der Suche nach Sponsoren unterstützt werden soll. Der Grund: In der Stadtkasse gebe es nicht genügend Geld, so der CDU-Stadtverordnete Christoph Jansen.

Die CDU habe in der BV der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut, ärgerte sich SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Richter. "Das ist populistisch und unfair gegenüber Ehrenamtlern." Sie hielt den Antrag von Bernhard Wimmer (BBB) für "deutlich besser", der der CDU vorwarf, "in anderer Leute Taschen zu nesteln". 20 000 Euro seien doch wohl in dem "milliardenstarken" Haushalt zu finden, so Wimmer, dessen Antrag mehrheitlich aber abgelehnt wurde. Die Godesberger Grüne Monika Heinzel hatte am Donnerstagabend "aus Koalitionsgründen mit nein" gestimmt: "Die ganze Sache ist dumm gelaufen, ich habe mich total geärgert", gestand sie gestern. "Ich bin davon ausgegangen, dass die CDU-Kollegen aus Godesberg sich Rückendeckung von ihren Bonner Kollegen holen."

Auch die anderen Godesberger Kommunalpolitiker fanden gestern klare Worte. "Ich bin entsetzt", kommentierte BBB-Ratsherr Marcel Schmitt. Man solle mal schauen, wofür die Stadt "mal eben Tausende von Euro zur Verfügung stellt. Und da soll für die Draitschquelle kein Geld da sein? Das ist nicht nachvollziehbar". Dass die CDU in BV und Rat nicht an einem Strang ziehe, sei "ein Täuschungsversuch. Das ist ein Verlust an Glaubwürdigkeit".

Die SPD bedauere die Ablehnung des Zuschusses sehr, sagte Hillevi Burmester. "Es ist ein Problem, wenn man vor Ort Anträge einbringt und unterstützt und sie dann nicht durchbekommt." Die SPD hätte es sinnvoll gefunden, den Verein an dieser Stelle zu unterstützen. Es sei immer dasselbe, sagte Juppi Schaefer von Wir Godesberger: "Die Bezirksvertretung beschließt etwas, und die gleichen Leute kippen das dann im Rat. Es ist absolut lächerlich." Dieses Abstimmungsverhalten habe man ja auch kürzlich in Sachen Bürgeramt erlebt.

Sehr bedauerlich sei es, kommentierte Ulli Hauschild (FDP). "Da sieht man wieder, wie weit Bad Godesberg mental von Bonn weg ist." Der Stadtrat mache mit einem Federstrich das Engagement des Heimatvereins zunichte. "Dass sich da ein Verein krumm gelegt hat, um den Schandfleck an der Brunnenallee zu beseitigen, wird einfach nicht goutiert." Was auch Ralf Jochen Ehresmann (Linke) so sieht: "Es ist die typische Arroganz gegenüber Godesberger Anliegen." Der Heimatverein habe die Wertschätzung verdient.

Auch Philipp Lerch (CDU) zeigte sich "enttäuscht, dass die Verwaltung keine Möglichkeit sieht, den Heimatverein zeitnah für sein großartiges Engagement zu entlasten. Ehrenamtlicher Einsatz, ob in diesem Falle oder im Fall des Vereins “Tolle Spielplätze für Bad Godesberg„, muss viel deutlicher wertgeschätzt und gefördert werden und darf auf keinen Fall zu einem finanziellen Risiko werden". Wenn das Geld bei der Wirtschaftsförderung nicht zur Verfügung stehe, hätte die Verwaltung doch wenigstens alternative Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigen können. Man hoffe, dass die Verwaltung "jetzt wenigstens das vom Stadtrat beschlossene Sponsoring schnell in Angriff nimmt, damit der Verein zügig entlastet werden kann", sagte Lerch und brachte unter anderem die Stadtwerke ins Spiel.

Auch ohne den Zuschuss sei man dank der Mitglieder und Bürger handlungsfähig, sagte Heimatvereinsvorsitzender Martin Ammermüller. Eine Sammlung habe die erforderlichen 20 000 Euro eingebracht. "Ich bin sehr dankbar, was insgesamt zusammengekommen ist." Das Echo von den Bürgern sei ungebrochen stark., es herrsche große Freude. Weitere 500 Euro bekommt der Verein schon. Pitt Hoffmann, Vorsitzender von Haus und Grund Bad Godesberg, zeigte sich gestern "empört" über den Beschluss des Rates und will diese Summe spenden.