Jugendliche und Medien: Erstes Digi-Camp in Bad Godesberg

Jugendliche und Medien : Erstes Digi-Camp in Bad Godesberg

Ständige Erreichbarkeit und Hasskommentare - wie gehen Jugendliche am besten mit digitalem Stress um? Im bundesweit ersten Digi-Camp trainieren Schüler des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums ihr Nutzungsverhalten.

Auf der Leinwand über der Tafel ist eine zähneputzende Frau zu sehen. Die Klasse stöhnt gelangweilt. „Na, wer von euch hätte hier schon ausgeschaltet?“, fragt Youtube-Star Julez alias Julian Weissbach in die Runde. Einstimmiges Rufen ist die Antwort. Es geht um die Frage, wie Youtuber mittels gezielter Produktplatzierungen auf der Videoplattform Geld verdienen. Als im Bild deutlich drei Kosmetikprodukte auftauchen, schnellt Alex' Finger in die Höhe: „Da! Damit verdient sie Geld.“ Weissbach grinst zufrieden.

„Immer online – nie mehr allein?“ Unter diesem Motto fand das deutschlandweit erste Digi-Camp für digitale Gesundheit und Prävention unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Hermann Gröhe diese Woche in Bad Godesberg statt. Egal ob Youtube, das Fotonetzwerk Instagram, das Thema Bloggen oder digitaler Journalismus – in verschiedenen Workshops stellten Siebtklässler des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums ihre Internetkenntnisse unter Beweis. Von Weissbach lernten die Jugendlichen etwa, wie sich mit der Plattform passiv Geld verdienen lässt und worauf man beim Videodreh so alles achten muss.

Ein Schwerpunktthema war außerdem der Umgang mit digitalem Stress. Dieser entstehe zum Beispiel durch den Anspruch, immer erreichbar sein zu wollen, erklärte Social-Media-Trainer Akeem van Flodrop. Digitalen Stress, sagte Justin, habe er jedes Mal, wenn unter seinen Instagram-Bildern Hasskommentare erscheinen würden. „Das macht einen schon fertig. Ich melde die Kommentare dann meistens und blockiere den Absender“, so der Zwölfjährige. Eine Mitschülerin gab zu, manchmal rund fünf Stunden am Tag am Handy zu sitzen. „Ich nehme von diesen Tagen auch mit, das Handy mal zur Seite zu legen und rauszugehen.“

Den Leitern des Projekts gehe es nicht darum, den Schülern mit erhobenen Zeigefinger den Umgang mit dem Smartphone zu verbieten, erklärte Heiner Beckmann, NRW-Geschäftsführer der Barmer-Krankenkasse: „Im Gegenteil, wir sehen in der Digitalisierung eine Chance und wollen den Jugendlichen zeigen, wie sie souverän und sicher damit umgehen können.“

Schulleiterin Nicole Auen zeigte sich zufrieden mit dem Kooperationsprojekt von BG3000, Barmer und TÜV: „Es ist tatsächliche gelungen, die Schülerinnen und Schüler zu begeistern. In meinem Matheunterricht haben sie nie so glänzende Augen“, so Auen. Nun soll das Pilotprojekt auch noch an zwei weiteren Schulen in den Klassen sieben bis neun getestet werden. Danach könnte das Camp schon bald deutschlandweit in verschiedenen Schulformen angeboten werden.

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