Fahad-Akademie und Frauenmuseum: Emanzipation kontra Stockhiebe

Fahad-Akademie und Frauenmuseum : Emanzipation kontra Stockhiebe

Egal ob Auto fahren, arbeiten oder Sport machen - ohne Zustimmung ihrer Männer dürfen Frauen in Saudi-Arabien so gut wie nichts. Dass gestern ausgerechnet das für Frauenrechte und Emanzipation sensibilisierte Bonner Frauenmuseum eine Ausstellung in der saudischen König-Fahad-Akademie eröffnet hat, ließ im Vorfeld manche Beobachter schon Subversion und Provokation, andere hingegen unbedarfte Kritiklosigkeit wittern.

Heraus kam am Ende eine in ihrem Ablauf gewöhnliche Ausstellungseröffnung, bei der gleichwohl das offene Wort gepflegt wurde. So erwähnte Bad Godesbergs Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke die teilweise drakonischen Strafen, welche Dissidenten im saudischen Recht zu befürchten hätten und nannte als Beispiel den zu 1000 Stockhieben verurteilten Blogger Raif Badawi, für den vor den Toren der Akademie ein einsamer Demonstrant mit einem Plakat ("Je suis Badawi") Flagge zeigte. "So eng die Beziehungen zwischen unseren Ländern und die Achtung vor der deutschen Kultur und Wirtschaft in Saudi-Arabien sind, so sehr gibt es von dort immer wieder Nachrichten, die erschrecken und abstoßen", sagte Stein-Lücke.

Diese Nachrichten stünden aber ebenfalls im Widerspruch zu den hiesigen Aktivitäten der König-Fahad-Akademie, welche sich gegenüber den Bonnern erkennbar öffne. "Gerade die Schülerinnen und Schüler vermitteln das Bewusstsein, wie wichtig gegenseitige Achtung ist", so Stein-Lücke. Auch würdigte sie die Bedeutung des Medizintourismus für Bad Godesberg; gleichwohl, so Stein-Lücke, "wäre es wichtig, wenn sie sich noch mehr mit der Kultur und den Gewohnheiten ihres deutschen Gastgeberlandes auseinandersetzen". Der König-Fahad-Akademie dankte sie für deren bisherige Arbeit und forderte dazu auf, den "kritisch-konstruktiven Dialog" fortzusetzen.

Im Namen der Akademie begrüßte Schulleiter Megren Ibrahim Almegren alle Anwesenden. Die Ausstellung solle ein Zeichen für die enge Verbindung zwischen Akademie und Bonner Gesellschaft sein, sagte Almegren, der weitere öffentliche Veranstaltungen dieser Art in Aussicht stellte. Eine Einführung in die Werke der insgesamt neun Künstlerinnen gab Marianne Pitzen, die Leiterin des Frauenmuseums. Sie gehört neben Dagmar von Beschwitz-Both, Erika Beyhl, Anne Ruth Kieschnick, Sandra Ney, Lene Pampolha, Ulrike Reutlinger, Mariola und Joumana Al-Kallas zu den neun Künstlerinnen, die sich auf ihre jeweilige Weise und mit ihren Werkstoffen mit dem Thema "Vorbilder" auseinandergesetzt haben.

Zu sehen ist die Ausstellung an der Mallwitzstraße 2-4 bis zum 25. April (außer an den Ostertagen) samstags von 14 bis 17 und sonntags von 12 bis 17 Uhr.

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