Godesberger Traditionsgeschäfte: Elisenlebkuchen und Schwarzwälder Kirsch

Godesberger Traditionsgeschäfte : Elisenlebkuchen und Schwarzwälder Kirsch

Schon Konrad Adenauer und Helmut Kohl aßen Kuchen von Café Schöner. Der heutige Chef setzt auf Innovationen: Torten mit Fotos drauf – oder auf Wunsch einen Baumkuchen, der aussieht wie ein Arterien-Querschnitt.

Es ist ein normaler Tintenstrahldrucker, nur dass die Patronen voller Lebensmittelfarbe sind. Statt Papier ist ein millimeterdünnes Blatt aus Zuckermasse eingespannt. Zeile für Zeile druckt das Gerät das Bild, das sich ein Kunde ausgesucht hat. Rudolf Schöner hebt die hauchdünne Folie hoch, die das Zuckerblatt hält, und lässt das Bild einen Moment trocknen: Ein Baby, daneben ein Mann von 40 Jahren. Ein Motiv für eine Geburtstagstorte. „Früher hat man das alles mit der Hand abgepaust“, erzählt der Konditor. „Das war richtige Kunst.“ Heute muss er das gedruckte Zuckerfoto nur noch mit Kakaobutter bestreichen und es dann auf eine Marzipanschicht kleben.

Fotos auf Torten drucken – das wäre im Jahr 1953, als Rudolf Schöner Senior das Café an der Koblenzer Straße eröffnete, undenkbar gewesen. Zu Zeiten, als Bonn noch Hauptstadt war, ließen sich Konrad Adenauer und Helmut Kohl traditionelle Backwaren liefern. Besonders gern erzählt Rudolf Schöner Junior eine Geschichte über den ehemaligen Justizminister Hans Engelhard. Der soll sonntagmorgens mit seinen Bodyguards zum Frühstück ins Café gekommen sein, weil nur dort die Frühstückseier so schmeckten wie bei seiner Mutter.

Schwarzwälder Kirschtorte nach Originalrezept

Nach 13 Jahren in der Koblenzer Straße zog das Café Schöner in die Brunnenallee. In der Backstube dort werden die Torten und Pralinen hergestellt. Laden und Café haben ihren Sitz seit 1977 am Fronhof.

Kanzler und Justizminister gehören mittlerweile nicht mehr zu den Kunden des Cafés Schöner – aber immerhin Schauspieler Martin Semmelrogge soll regelmäßig dort einkaufen. Auf der Facebook-Seite des Cafés präsentiert der Konditor ein Bild, auf dem er und Semmelrogge vor Schöners berühmter Schwarzwälder Kirschtorte sitzen. Die soll der schwäbische Konditor Josef Keller 1915 in Bad Godesberg erfunden haben. Schöner berichtet voller Stolz, dass sein Vater Anfang der 1950er Kollege von jenem Keller gewesen sei, und zwar im Café Agner. Sein Vater habe sich das Originalrezept aufgeschrieben und nach genau diesem werde die Schwarzwälder Kirschtorte bis heute gebacken. Noch älter, nämlich von 1848, und von seinem Ur-Urgroßvater ist Schöners Rezeptur für Elisenlebkuchen.

An manchem Wochenende im Herbst oder Winter werden bis zu 70 Torten gebacken. Drei Leute arbeiten jeweils an einem Exemplar: Einer macht den Boden, einer die Füllung und der Dritte garniert. Noch nie haben Schöner und seine fünf Mitarbeiter in der Backstube einen Auftrag abgelehnt, betont er. „Das ist alles eine Frage der Zeit und des Geldes“, sagt er und lacht. Für einen Arzt haben sie einmal einen Querschnitt durch eine Arterie als Baumkuchen gebacken, für einen anderen Kunden eine Torte, die mit einem Meter Durchmesser so groß war, dass sie nur über die Oberlichter raustransportiert werden konnte.

Schichtbeginn um 6 Uhr morgens

Seit Herbst 2015 veröffentlicht Schöner Bilder von Torten oder anderem Gebäck bei Facebook und will sich nun auch verstärkt um die Homepage kümmern. „Früher hatte ich Probleme, mit der Schreibmaschine zu schreiben, heute bin ich fit am Computer“, sagt der Konditor. Die Technik ist nicht das Einzige, was sich in seinem Beruf verändert hat. Heute bestellen die meisten Kunden Latte Macchiato oder Espresso. „Früher haben sie zu 95 Prozent Filterkaffee getrunken“, sagt Schöner. Nur noch die Hälfte seiner Produkte verkauft er, weil Kunden sich ins Café setzen und etwas bestellen. Die andere Hälfte geht über die Theke – zum Mitnehmen.

Ganz traditionell sind die Arbeitszeiten geblieben. Unter der Woche fängt der Chef um sechs Uhr in der Backstube an, am Wochenende um sieben. Nur am Donnerstag hat er frei. Mitarbeiter für den Verkauf zu finden, sei schwierig. „Die jungen Leute wollen lieber studieren“, klagt Schöner. Für die Backstube finde man leichter jemanden. Dort arbeiten derzeit zwei Auszubildende. Wenn Schöner gegen halb vier Uhr nachmittags in der Backstube fertig ist, stellt er sich hinter die Theke und verkauft selbst. Fast jeden Tag setzt er sich dann irgendwann mit seiner Frau auf einen der grün gepolsterten Stühle im Café und gönnt sich etwas Süßes, sagt er. „Das Gerücht, dass ein Konditor keinen Kuchen mehr mag, stimmt bei mir jedenfalls nicht.“