Pläne für Bad Godesberg: Ein Skulpturenweg fürs Rheinufer?

Pläne für Bad Godesberg : Ein Skulpturenweg fürs Rheinufer?

Der Ortsausschuss Mehlem will zwischen Weinhäuschen und Drachensteinpark Werke von Ren Rong zeigen. Die CDU unterstützt das Ansinnen mit einem Antrag zur Bad Godesberger Bezirksvertretung. Doch es gibt auch Schwierigkeiten.

Da ist die Sache mit dem Feng Shui. Als Ren Rong Anfang 2000 erstmals die heruntergekommene Villa Friede an der Mainzer Straße betrat, wusste er: Das passt. Haus (die Villa), Fluss (der Rhein) und Berg (der Drachenfels) vermittelten ihm eine „gute Energie“. Der Künstler ließ in mühevoller Arbeit den Prachtbau von einst auferstehen und schuf den Kunstraum. „Nach über zehn Jahren in Mehlem möchte ich etwas zurückgeben“, sagt Rong, der 1960 in Nangjing/China geboren ist. Das „etwas“ ist durchaus gewichtig, sowohl was Preis als auch Größe angeht. Mehrere Skulpturen á 180 Kilo und jeweils 18 000 Euro Marktwert könnten bald das Rheinufer verschönern.

Die Idee

Der Mehlemer Ortsausschuss-Vorsitzende Walter Omsels und Künstler Ren Rong kennen sich schon seit vielen Jahren. Einst wohnten die beiden Kreativen zusammen auf Schloss Gelsdorf. In Mehlem trafen sie ein zweites Mal aufeinander, wie Omsels erzählt. „Ich habe verschiedenste Ausstellungen im Kunstraum begleitet, irgendwann fiel mir die Parallele auf, dass die Drachen sowohl bei den Chinesen wie auch hier vor Ort eine große Rolle spielen“, sagt Omsels. Warum also nicht das Mehlemer Rheinufer gegenüber von Petersberg, Drachenburg und Drachenfels mit den großen Metallskulpturen seines chinesischen Bekannten interessanter gestalten, dachte sich der begeisterte Nordic Walker.

Die Skulpturen

Ursprünglich hat Ren Rong 90 sogenannter Pflanzenmenschen aus Metall erschaffen. Selbst die größten, bis zu 380 Kilo schweren Exemplare kommen leicht wie ein Scherenschnitt daher. „Ich sehe darin die Würdigung des Kulturerbes der Menschheit“, sagt Rong. So seien in einigen sämtliche Mythologien vertreten, der chinesische Drache genauso wie die römische Wölfin mit ihren Kindern, ägyptische Anlehnungen oder der deutsche Adler.

Das Rheinufer

Der Chinese, der 1986 nach Bonn kam, sieht das Projekt, das die CDU über einen Antrag in die Sitzung der Bad Godesberger Bezirksvertretung am Mittwoch einbringt, als eine Möglichkeit für einen kulturellen Austausch. „Wir können hier den Spaziergängern etwas anbieten, das sie länger verweilen lässt, auch dem internationalen Publikum“, meint der Künstler, der mit seiner Familie einen Teil der Villa Friede bewohnt. Dabei soll der Betrachter durchaus eine aktive Rolle einnehmen.

„Man darf diese Kunst nutzen, kann mit ihr über Steine oder Stöcke Musik machen, soll sie anfassen“, betont der Künstler. Wo könne es einen besseren Ort geben als gewissermaßen am Mutterfluss Rhein und an Beethoven denkend? Während Ortsausschuss-Vorsitzender Omsels maximal fünf Skulpturen vorschweben, denkt der Erschaffer größer: „Ich würde der Stadt und den Bürgern gerne zehn bis 20 Skulpturen für 20 Jahre zur Verfügung stellen.“ Allerdings seien von den 90 nur noch 40 da, bald würden weitere nach Jülich und Koblenz abwandern.

Der Antrag

CDU-Stadtverordneter Jan Claudius Lechner und die Bad Godesberger CDU-Fraktion bitten die Stadtverwaltung nun in einem Antrag zur Bezirksvertretung, die Machbarkeit des Ansinnens zu prüfen. Denn, so die Christdemokraten, die Idee sei parteiübergreifend auf eine positive Resonanz gestoßen.

Schwierigkeiten

Das Kulturamt teilte auf GA-Nachfrage mit, dass der Verwaltung für die Neuaufstellung von Kunstwerken im öffentlichen Raum keine finanziellen Mittel zur Verfügung stünden. „Sofern sich die Kunstkommission und die BV Bad Godesberg für die Aufstellung aussprechen, muss auch die Finanzierung durch Dritte gesichert werden“, so das Amt. Für einen Punkt, nämlich Transport und Sockelbau, gibt Omsels Entwarnung: „Da wir bei der Umgestaltung des Marktplatzes nicht alle Mittel einsetzen, wäre noch Geld da.“

Problematischer sehe es allerdings bei Kosten für mögliche Versicherungen beziehungsweise beim Schutz aus. Rong hat durchblicken lassen, das nicht übernehmen zu wollen. „Panzerglas wäre völlig fehl am Platze“, meint Rong. Ehrlich gesagt könne man an den Skulpturen auch nicht viel zerstören, da sie ja zur Interaktion einladen sollten. „Selbst Graffiti wäre keine Katastrophe, da es auch farbige Installationen von mir gibt“, zeigt sich der Künstler tiefenentspannt.

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