Kommentar: Ein Sakrileg

Kommentar : Ein Sakrileg

Wer ausgedehnt und akribisch über Fahrradstraßen und Baumkonzepte zu diskutieren weiß, der wird sich wohl umso sorgfältiger mit der Standortwahl für ein Heim für Flüchtlinge und Asylbewerber beschäftigen. Könnte man meinen, ist offenbar aber nicht so.

Wie der aufgesetzt wirkenden Empörung in den Bänken von CDU, SPD, Grünen und Linken zu entnehmen war, hat der Bürger Bund in ihren Augen ein Sakrileg begangen, indem er einmal mehr die Überlegungen für ein Flüchtlingsheim an der Drachenburgstraße hinterfragt hat.

Die etablierten Parteien selbst indes verweigerten sich der inhaltlichen Debatte und gefielen sich darin, die Fragesteller entrüstet in die politische Schmuddelecke zu verbannen.

Als Bürger hätte man von den Volksparteien gerne mehr über ihren konkreten Standpunkt erfahren: Zur Eignung des Gebäudes, zur Vermeidung von Ghettobildung, zur Stärkung des Ortsteils, zur Lebensqualität der Heimbewohner, zu den Folgen für die Gewerbetreibenden und zu den geschätzten Kosten, die für die Steuerzahler fällig werden - nach jetzigem Stand immerhin mehr als eine halbe Million Euro, wohlgemerkt für eine Zwischennutzung.

Zu alledem aber scheinen die genannten Parteien keine Meinung zu haben. Wer sich mit Spott oder Schweigen seiner Aufgabe als Entscheidungsträger entzieht, der wird dies zu gegebener Zeit gewiss auch gegenüber seinen Wählern verantworten können.

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