Denkmal im Villenviertel: Ein Glasbau zwischen Gründerzeithäusern

Denkmal im Villenviertel : Ein Glasbau zwischen Gründerzeithäusern

Zwischen Gründerzeithäusern und Stuckfassaden gibt es im Bad Godesberger Villenviertel ein besonderes Baudenkmal zu entdecken, das für eine ganz andere Zeit steht.

Nach dem Verkauf 2005 wurde es in Eigentumswohnungen aufgeteilt und 2006 unter Denkmalschutz gestellt. Die Hausgemeinschaft beteiligt in diesem Jahr zum ersten Mal am Tag des offenen Denkmals. „Wir finden die Architektur so toll und haben deshalb unser Hausfest, das auch immer im September stattfindet, erweitert“, berichtet Karl H. Hergarten, der im Denkmal an der Herderstraße 57 wohnt und arbeitet. Manches, was in der Nachkriegszeit in Bonn entstanden ist, gilt heute als Bausünde. Das Humboldthaus nicht, es war visionär. Vielleicht ein Grund, warum die Bewohner sich immer noch so wohlfühlen, auch wenn der Energieverbrauch etwas höher als bei Neubauten ist.

Die Glasfassaden und die versetzbaren Innenwände stehen für kommunikative Offenheit. Die Bewohner können sich im Waschraum, auf der überdachten Terrasse oder beim Tischtennis treffen, die Gemeinschaftsbereiche im Gartengeschoss gehen fließend ineinander über. Trotzdem gibt es keine langen Gänge, die 20 Wohnungen gruppieren sich familiär um vier Treppenhäuser. Die Fenster sind wie gläserne Wände, die aufgeschoben werden können. Besonders gut sieht man das im Büro von Industriedesigner Hergarten, der in den ehemaligen Kindergarten eingezogen ist. Drinnen und draußen, üppiges Grün und gradlinige Architektur verbinden sich. Nur die Stufen im Garten zur benachbarten Bauhausvilla an der Uhlandstraße sind abgebaut. Das ehemalige Clubhaus der Stiftung wurde separat verkauft.

In einem Artikel über Bauen im Bonner Raum von 1969 wird ein Humboldt-Stipendiat zitiert, wonach das Haus „irgendwie glücklich macht“ und man sich freier, jünger und glücklicher fühle: „Es hat mich auch besonders gefreut zu sehen, wie die Stiftung in jenem doch nicht von offener Modernität sprechenden Viertel ein Haus gebaut hat, das nicht vom Gestern spricht, sondern von Morgen.“

Laut Denkmalliste zeichnet sich das Gebäude auch heute noch als fortschrittliche Architektur mit zeitlosem Nutzwert aus. Außerdem ist es ein „herausragendes Beispiel für das Werk des bedeutenden deutschen Architekten Erich Schneider-Wessling“. Der heute 86-Jährige hatte sein Büro in Köln, war Mitglied im Deutschen Werkbund und Professor in München. In Bonn hat er neben Wohnhäusern auch das Wissenschaftszentrum an der Ahrstraße, die Integrierte Gesamtschule Beuel und die Kaiser-Karl-Klinik gebaut, in Köln 1977 die Musikhochschule.

Wenn der Denkmaltag vorbei ist, feiert die Hausgemeinschaft privat weiter – mit gefüllten Eiern und Käseigel, passend zur 60er-Jahre-Architektur.