Premiere: Ein belebter Markt der schönen Dinge

Premiere : Ein belebter Markt der schönen Dinge

Mehr als 1000 Besucher sind zur ersten Bad Godesberger Kunsthandwerkermesse in die Stadthalle gekommen. Mitten in der Stadthalle malt Simone Geßner an "Draskoline". Die trabt derweil real in einem Gestüt bei Erftstadt.

Und weil sich Draskolines Besitzer bald ein großformatiges Porträt ihrer Prachtstute wünschen, bringt die Malerin das Ölbild auf dem ersten Bonner "Markt der schönen Dinge" zu Ende.

Nicht ohne bei dieser regionalen Kunst- und Handwerkermesse, zu der am Sonntag nach Angaben der Veranstalter 1100 Besucher kamen., gleich neue Kunden anzuheuern. Sie habe sich seit zwei Jahren auf diese Marktlücke spezialisiert, erzählt die Künstlerin. Womit sie sicher mit dem Gros der 70 Aussteller in einem Boot sitzen dürfte.

Denn es haben offensichtlich nicht die Großen der Kunsthandwerker-Szene angeheuert, sondern eher die Kleineren, die Idealisten. Gabriele Schrader aus Düsseldorf etwa ist an ihrem Stand mit lauter Unikaten an geschmackvollen Damentaschen aus Tuch präsent. "Alle handgemacht. An manchen sitze ich acht Stunden", erzählt die Schneiderin.

Der Messebesucher könne sicher oft nicht einschätzen, wie viel Arbeit in diesen Nähprodukten steckt, und sei über den Preis erschrocken. Auch die Aufsehen erregenden Taschen von Jan Hartmann aus Frankfurt dürften ihren Preis kosten. Der Enkel eines Schneidermeisters hat Opas Liebe für die Nähkunst mit kreativer Skurrilität gekreuzt. Herausgekommen sind Handtaschen - aus alten Schallackplatten. "Links sitzt die singende klingende Weihnachtszeit, rechts Louis Armstrong. Im Zweifelsfall ist Letzterer ein Verlust", kommentiert Hartmann seine Technik, zwischen die Platten dicken Samtstoff zu nähen.

Einen Locher für die bruchfesten Schellacks hat er erst finden müssen. Und dann ging das Kreieren los. Gudrun Nitz trägt gerade ein fertiges Stück Probe. Helga Korbmacher daneben ist noch skeptisch. "Ob das nicht besser zu jungen Frauen passt?" Drüben bietet der Bonner Steinmetz Klaus Schillalis seine lustigen Steinfrösche feil. Vorne backt die Kölnerin Marika Mojsovski ihr köstliches Parmesan-Walnussbrot.

Und vis-à-vis bieten Häklerinnen von "Maschenkult" Mützenmode. Marmeladen sind ebenso im Angebot wie Fantasieknöpfe aller Formen und Farben. "Ein Paradies für Liebhaber, diese Messe", schwärmt Petra Tismer. Die Inhaberin des Godesberger "Perlaments" ist mit dem US-Perlenkünstler Huib Petersen zwecks Inspiration vor Ort.

Ein paar Meter weiter ist Kundigunde Najasek bei Diana Amzil stehen geblieben. "Schokoladen Laune" heißt der kleine Stand. Und die edlen Köstlichkeiten mit Aprikose und Pistazien, Ingwer und Cranberries machen zweifellos Laune. Amzil hat in einer Chocolaterie in Kanada gelernt. Und träumt davon, einmal wie Juliette Binoche im Film "Chocolat" einen eigenen Laden nur mit süßen Verführungen zu eröffnen.