Zukunft der Traditionsbühne: Drei Bewerber fürs Kleine Theater in Bad Godesberg

Zukunft der Traditionsbühne : Drei Bewerber fürs Kleine Theater in Bad Godesberg

Ex-Generalintendant Klaus Weise, Schauspieler Frank Oppermann und ein weiterer Interessent wollen das Haus 2019 übernehmen. Die Stadt wird jetzt eine Bewertung vornehmen.

Drei Bewerber sind für die Weiterführung des Kleinen Theaters nach Juni 2019 noch im Rennen nach Ablauf des Interessenbekundungsverfahrens. Wie berichtet, will Leiter Walter Ullrich nach einer 60-jährigen erfolgreichen Theaterarbeit in den Ruhestand gehen.

„Es gab drei Angebote, die fristgemäß bis Ende Juni eingereicht wurden“, erklärt Stefanie Zießnitz vom städtischen Presseamt. Davon sei jedoch eines am 5. Juli wieder zurückgezogen worden. Ein weiteres Angebot sei erst am 3. Juli und damit verspätet eingegangen. „Die Verwaltung wird die politischen Gremien über alle eingegangenen Angebote informieren und anhand der Kriterien des Ratsbeschlusses eine Bewertung vornehmen“, so Zießnitz auf Nachfrage.

Wie berichtet, war im Februar ein kaufinteressierter Godesberger ausgestiegen, weil er mit den vom Rat beschlossenen Zahlungsmodalitäten der vereinbarten Kaufsumme von 410.000 Euro nicht einverstanden war. Damit platzte das künstlerische Nachfolgeprojekt der Kölner Theatermacherin Bettina Montazem und des Vereins Kleines Theater, auf das viele Godesberger gehofft hatten.

Ende einer Ära

Unter den verbliebenen Bewerbern ist auf jeden Fall Klaus Weise. „Ich habe die Bewerbung fristgerecht beim Kulturamt eingereicht und hoffe, die Sache geht gut voran“, antwortet der frühere Bonner Generalintendant. Was er genau plant, darüber gibt der 66-Jährige, der von 2003 bis 2013 die Geschicke von Theater und Oper bestimmte, nur so viel preis: Es wäre ihm Herausforderung und Freude, „mich um Unverwechselbarkeit, Publikum und Qualität zu bemühen“ und damit die Arbeit von Ullrich fortzusetzen.

Mit Ullrichs Abtreten gehe eine Ära zu Ende. „Es gibt sie in der bundesrepublikanischen Theatergeschichte kein zweites Mal.“ Freilich bedeute Fortsetzung auch Veränderung, „und das Theater als ästhetisches Movens der Wahrnehmung unserer Welt und Wirklichkeit hat Zukunft nur, wenn es seine Wichtigkeit für jede Generation immer wieder neu unter Beweis stellt“, so Weise. Er wolle zum vorhandenen Publikum ein neues, jüngeres hinzuzugewinnen. Programm und Anspruch hießen unter seiner Leitung weiterhin: gute Unterhaltung.

Der Zweite im Rennen ist der 52-jährige Schauspieler Frank Oppermann, der schon eine Unternehmensgruppe leitete. „Ich bleibe bei meinem Angebot, das Theater in Pacht weiterzuführen“, sagt er. Wie berichtet, ist es Ziel der Stadt, für das stark renovierungsbedürftige Haus eine kulturelle Nutzung bis zu 30 Jahren sicherzustellen. Und das vorzugsweise mit Hilfe des Erbbaurechts. Eine Alternative dazu wäre der Verkauf. Als zweite Variante wird die Verpachtung vorgeschlagen. Oppermann erläutert, sein Wirtschaftsplan biete der Stadt, „sich nicht vom Tafelsilber trennen zu müssen und dennoch Einnahmen zu generieren, die nach 30 Jahren den Kaufpreis als auch die Sanierungskosten decken“.

Der Pachtvertrag müsse jedoch zeitnah nach der Sommerpause unterschrieben sein, damit er die Spielzeit 2019/20 planen könne. „Jede Verzögerung bedeutet ein höheres Risiko, einen lückenlosen Spielplan umsetzen zu können. Und dann wird es mit der Wirtschaftlichkeit auch schon wieder schwierig.“ Offenbar ist der dritte Interessent, ein Bonner Theaterliebhaber, der dem GA seine Kaufabsicht geschildert hatte, wieder ausgestiegen, wohl weil zwei Tage zuvor ein neues, aber ähnliches Angebot bei der Stadt einging. Theaterchef Walter Ullrich jedenfalls wünscht sich eine schnelle Klärung darüber, was mit seiner Traditionsbühne geschehen wird.

Er selbst habe jedenfalls auch aktuell seine Verpflichtungen erfüllt und im Juni die Bühne geschlossen, um gemäß den Auflagen der Stadt Renovierungen vornehmen lassen. „Ich möchte natürlich, dass der Theaterbetrieb nahtlos weitergeht“, sagt der 86-Jährige über sein Lebenswerk.