Bonner Kultur: Drama um das Kleine Theater in Bad Godesberg

Bonner Kultur : Drama um das Kleine Theater in Bad Godesberg

Ein Teil der entzweiten Käufergruppe des Kleinen Theaters in Bad Godesberg hat sich endgültig zurückgezogen. Bonns Ex-Generalintendant Klaus Weise hält dagegen an seinem Angebot fest und will das Haus retten.

Die Lage im Kleinen Theater wird immer dramatischer: Eva Sewing und Stefan Heinze haben als Teil der ehemaligen vierköpfigen Käufergruppe um den ehemaligen Bonner Generalintendanten Klaus Weise ihren Komplettausstieg angekündigt. Ihr Angebot, das Haus auch ohne Weise und dessen Partner Pitt Hoffmann kaufen zu wollen, haben sie am Freitag nach einem Gespräch mit dem Kulturamt endgültig zurückgezogen, berichtete Sewing. Weise hält dagegen sein Angebot aufrecht, das Kleine Theater zunächst zu mieten – mit einer zeitnahen Kaufoption, um den Betrieb nach dem Sommer nahtlos fortsetzen zu können.

Sewing begründete ihren Rückzug auf GA-Nachfrage damit, dass am Freitagvormittag im „sehr konstruktiven“ Gespräch mit Vertretern des Kulturamtes deutlich geworden sei, dass ihr Vorschlag zum Kauf des Gebäudes auf jeden Fall dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden müsse. Das wäre im Februar möglich gewesen. Dann hätte auch der Spielplan für die Spielzeit 2019/2020 stehen müssen. Das stelle ein Problem dar. Schließlich wolle man ein Konzept vorlegen, „das Hand und Fuß hat, dafür hätten wir mehr Zeit benötigt“, sagte sie. „Die Zeit ist uns einfach weggelaufen. Wir bedauern sehr, dass wir keine Lösung finden konnten. “

Die Käufergruppe um Weise hatte sich, wie berichtet, vor wenigen Tagen entzweit. Als Grund nannten die Parteien eine Gehaltsforderung Weises als Künstlerischer Leiter des Theaters in Höhe von 4000 Euro im Monat. Dies sei nicht abgesprochen gewesen, sagten Sewing und Heinze. Laut Weise aber sei das Entgelt im Wirtschaftsplan berücksichtigt worden. Der Rat hatte im Dezember nach langem Hin und Her der Käufergruppe den Zuschlag zum Erwerb des Hauses für 410.000 Euro erteilt.

Ob das Kleine Theater, dessen Intendant Walter Ullrich im Sommer nach 60 Jahren in den Ruhestand geht, eine Zukunft hat, wird sich zeigen. Weise erklärte auf GA-Nachfrage, er stehe mit Pitt Hoffmann nach wie vor zur Verfügung. Er brenne für das Theater und hoffe, dass sein Konzept beim Rat auf Zustimmung stoße. In einem Schreiben an alle Ratsfraktionen bittet Weise die Politiker um Vertrauen. „Als vorübergehende Mieter werden wir selbstverständlich die geplanten Investitionen in die Neugestaltung des Eingangsbereichs und die Erweiterung der Bühne durchführen“, verspricht er. Hoffmann und er wollten das Kleine Theater retten und die Spielzeit mit einer Premiere am 5. September beginnen. Sieben weitere Premieren würden folgen sowie viele Gastspiele. Wichtig sei ihnen auch die Vernetzung mit der Bonner Kultur – mit den Theatern, zum Beispiel mit dem Euro Theater Central für fremdsprachige Produktionen, der Musikszene, den Museen, den privaten Galerien und Beethoven 2020.

„Wir wollen dieser traditionsreichen Bad Godesberger Institution eine Zukunft geben, indem wir sie unverwechselbar und ergänzend im Bonner Kulturleben positionieren.“ Doch die Zeit drängt: Der in mehr als sechs Monaten ausgearbeitete Spielplan müsse im Februar bekanntgegeben, Verträge müssten unterschrieben werden, um Einnahmen zu erzielen. Weise: „Nicht nur mit Enthusiasmus und Talent wird die Zukunft eines Theaters gesichert, das einem großen Publikum aus Bad Godesberg, Bonn und dem Umland am Herzen liegt. Sondern auch mit Geld.“

Mit großer Bitterkeit reagierte Walter Ullrich auf die Querelen rund um seine Nachfolge. Seinem Theater drohe nun nach seinem Abschied im Sommer das Aus. Das entspreche „wahrscheinlich auch den Wünschen einiger Personen“, vermutete der 87-Jährige, der nach eigenen Angaben seit vielen Jahren die Missachtung der Stadt für seine künstlerische Arbeit in Bad Godesberg spürt. Schon frühzeitig sei das Projekt „Fortführung des Kleinen Theaters“ zum Scheitern verurteilt gewesen, meint Ullrich.

Das sei bereits Anfang 2018 geschehen, als sich der Stadtrat nicht mit der vom damaligen Kaufinteressenten gewünschten Ratenzahlung zufriedengeben wollte. Deshalb sei die Einigung misslungen, der Bieter abgesprungen. Dabei habe das Kölner Ensemble Phönix unter der Leitung von Bettina Montazem bereitgestanden, das den Betrieb nahtlos fortgesetzt hätte. „Als ich diese unbegreifliche Entscheidung hörte, war mir klar, dass man damit dem Kleinen Theater den Todesstoß versetzt hatte“, sagte Ullrich.

Alles danach – Ausschreibung, Verhandlungen, Sitzungen – habe sich zu lange hingezogen. Jedem neuen Bewerber sei folgerichtig nicht mehr genügend Zeit geblieben, die Spielzeit rechtzeitig anzukündigen und die Gastspiele zu verkaufen. Diese sind seit Jahren ein Standbein des Theaters, man biete die Aufführungen in mehr als 100 Städten an, so Ullrich. „Diese Verträge werden aber mehr als ein Jahr vorher abgeschlossen.“ Für die kommende Spielzeit werde ein Nachfolger keine Gastspiele mehr durchführen können. „Durch die zeitliche Verzögerung fällt also das wichtigste finanzielle Standbein weg“, macht Ullrich klar.

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