Irrfahrten nur Einzelfälle: Disponenten schulen die Bonner Busfahrer

Irrfahrten nur Einzelfälle : Disponenten schulen die Bonner Busfahrer

Disponenten bereiten die Bonner Busfahrer täglich auf die Besonderheiten ihrer Fahrstrecken vor. Auch die Technik hilft: Der Monitor im Bus zeigt Haltestellenverlauf mit Soll-Fahrplan und aktueller Fahrzeit.

Ein Gelenkbus, festgefahren in der Bonner Altstadt: Hier hatte vor drei Wochen eine Absprache bei der Ablösung der Fahrer nicht geklappt. Das erinnerte eine Muffendorferin daran, dass sie einem Fahrer der Linie 638 den Weg von der Hopmannstraße zum Godesberger Bahnhof erklären musste. „Er wusste überhaupt nicht, wo und wie er halten musste“, berichtete sie dem GA. Der Fahrer habe gesagt, dass er sonst ganz woanders eingesetzt werde und in Bad Godesberg eingesprungen sei. Beides sind nach Einschätzung der Bonner Stadtwerke (SWB) Einzelfälle. „Da sind Menschen am Steuer“, sagt Frank Fritzsche, stellvertretender Betriebsleiter und Fachbereichsleiter für das Fahrpersonal Bus und Bahn. Im eingangs geschilderten Fall waren es mehrere unglückliche Umstände und ein unkonzentrierter Moment, der einen seit 15 Jahren routinierten Fahrer seinen Gelenkbus in die Falle geraten ließ.

Auf dem Betriebshof an der Godesberger Allee beginnt der Tag um 3 Uhr: Die Disponenten in der Zentrale nehmen Krankmeldungen entgegen, organisieren Ersatzbusse, wenn die Linie 66 wegen Hochwassers nicht bis nach Bad Honnef fahren kann, und sorgen für Ablösung, wenn ein Fahrer es im Stau nicht rechtzeitig zur verabredeten Haltestelle schafft. Es gibt Änderungen im Minutentakt. Auch die aktuellen Informationen der SWB-Leitstelle laufen hier ein, sodass jeder Mitarbeiter, der sich zum Dienstantritt im Büro meldet, die Besonderheiten auf seiner Strecke mit auf den Weg bekommt.

Fahrer müssen alle Strecken kennen

„Wir umrunden jeden Tag die Welt“, verdeutlicht Mehmet Ünal, Betriebshofleiter Bus bei den SWB. Alleine in seiner Flotte gibt es 194 Fahrzeuge, davon 80 Gelenkbusse, mit einer Leistung von werktags rund 37 400 Kilometern. Hinzu kommen 75 Stadtbahnen und 24 Straßenbahnen, die insgesamt rund 23 000 Kilometer pro Tag zurücklegen. Von den knapp 700 Fahrerinnen und Fahrern der Stadtwerke sind knapp 500 Busfahrer, die sich auf 30 regulären Linien und zehn Nachtbuslinien auskennen müssen. „Jeder Fahrer kann auf jeder Strecke fahren“, sagt Fritzsche.

Sechs Wochen lang zeigen erfahrene Kollegen den Lehrfahrern, wie die Strecken verlaufen und wo sie zum Beispiel auf Begegnungsverkehr achten müssen. Der Dienstplan ist später so angelegt, dass die Mitarbeiter turnusmäßig immer wieder von einer Linie zur nächsten wechseln. Wenn es doch mal zu einer Panne kommt, liegt das laut Fritzsche nicht an mangelnder Streckenkunde, sondern an fehlenden Absprachen. „Jeder Fahrer muss normalerweise ein Ablösegespräch führen. Die sind sehr effektiv“, sagt Fritzsche.

Die Busse selbst haben kein Navigationsgerät mit Straßenkarte – das ist erst für die nächste Generation der Displays vorgesehen. Der aktuelle Monitor zeigt den Haltestellenverlauf mit Soll-Fahrplan und aktueller Fahrzeit. Weicht der Fahrer um mehr als eine Minute ab, weist der Bordrechner ihn an: „Fahrzeit bitte einhalten.“

Daten dokumentieren die Fahrtwege

Die Technik ist auch an anderer Stelle hilfreich. „Im Hintergrund laufen Systeme, mit denen wir den Betrieb bis ins Detail steuern können“, erklärt Fritzsche. Die Echtzeitdaten der Stadtwerke zeigen zum Beispiel, dass die Bonner Straßen seit zwei Wochen besonders voll sind. „Wir haben fünf zusätzliche Dienste gebildet, um eingreifen zu können“, berichtet Ünal. Die Disponenten wissen immer, wo sich jedes Fahrzeug gerade aufhält.

Wenn etwas aus Sicht eines der jährlich 92 Millionen Fahrgäste nicht klappt, gehen die Stadtwerke laut Sprecher Werner Schui jeder Beschwerde nach. Anhand der Daten aus den Bussen können die Mitarbeiter überprüfen, ob ein Fahrer tatsächlich den Linienweg verlassen hat, zu früh abgefahren ist oder an einer Haltestelle die Tür nicht aufgemacht hat, wie von einem Kunden bemängelt. „Die Digitalisierung hilft auch den Fahrern. In den meisten Fällen sind die Beschwerden unbegründet“, sagt Fritzsche.

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