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Start-ups: Diese Pläne haben zwei junge Bonner Gründer

Start-ups : Diese Pläne haben zwei junge Bonner Gründer

Der eine kommt aus Bad Godesberg und hat seine Leidenschaft, das Programmieren, zum Beruf gemacht. Der andere flüchtete aus Aleppo nach Deutschland und fängt ganz von vorne an.

Puya Heidarian (20): Als er seine erste eigene Homepage programmiert hatte, war es um ihn geschehen – da war er gerade zwölf Jahre alt. Jetzt hat er schon sein viertes Unternehmen gegründet: Circollo.de entstand vor einem Jahr und läuft bisher gut an. „Nächstes Jahr ist das wahrscheinlich groß genug, um an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt der junge Bonner.

Sein Start-up ermöglicht es jungen Kreativen, aus ihren Ideen Unternehmen zu machen. Circollo.de ist ein soziales Netzwerk, auf dem Gründer, Investoren und Selbstständige zusammenkommen. Die Idee hat er zusammen mit der Bonner IT- und Managementberatung axxessio GmbH verwirklicht, bei der er als Werkstudent angestellt ist. Gegründet hat er das Start-up parallel zum Wirtschaftsinformatik-Studium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Interesse fürs Programmieren vom Vater geerbt

Schon mit 16 Jahren gründete er ein Medienmarketingunternehmen, das noch auf seine Mutter angemeldet war. Sein zweites Unternehmen, die Eventfirma Beats Nation, gibt es noch heute. Sie war zum Beispiel in diesem Jahr für die Abiturfeier auf der Rigal'schen Wiese verantwortlich. Die Begeisterung fürs Programmieren hat er von seinem Vater geerbt, der bei der Telekom in der IT-Abteilung war.

Circollo.de ist für ihn eine Herzenssache – aber wenn das Geld stimmt, könnte er sich vorstellen, die Plattform zu verkaufen. „Damit könnte man weitere Herzenssachen gründen.“ Er probiert gerne viel aus, will weitere Start-ups gründen und könnte sich auch vorstellen, mal als Geschäftsführer in einem großen Unternehmen zu arbeiten – für eine gewisse Zeit. Aber in der Selbstständigkeit fühlt er sich wohl. „Ich glaube, da komme ich nicht mehr raus“, sagt Heidarian.

Abdullah Reda (28): Er ist vorerst dort angekommen, wo er hinwollte. In diesem Jahr eröffnete der Syrer, der 2015 nach Deutschland kam, die Eisdiele Janny's in der Koblenzer Straße 64 als Franchise-Partner wieder. Es ist die einzige Filiale der deutschlandweiten Kette in NRW. Er erzählt von einer Kundin aus Kiel, die froh war, diese Eisdiele in Bonn gefunden zu haben – und dass Reda sie wieder eröffnet hat, nachdem sie eine ganze Weile zu war. Auch andere Kunden sind zufrieden mit dem Angebot, das ohne künstliche Aromastoffe auskommt und mit kompostierbaren Bechern und Löffeln serviert wird, ebenso wie mit dem freundlichen Betreiber, der sich besonders über leuchtende Kinderaugen freut.

„Ich denke, die Leute kommen her, um Spaß zu haben“, sagt Reda. Und viele kommen wieder, er hat inzwischen eine gute Stammkundschaft aufgebaut. Der junge Mann betreibt den Laden alleine, wird nur gelegentlich von einer Mini-Jobberin vertreten. Seine Vorstellung wie es weitergehen könnte: Mit Angestellten und als Chef weiterer Filialen. Möglich ist das. Seine Aufenthaltserlaubnis wurde um drei Jahre verlängert, danach hat man ihm ein langfristiges Bleiberecht in Aussicht gestellt.

In Aleppo hatte er ein Wirtschaftsstudium begonnen. Parallel arbeitete er als Kaufmann, um Erfahrungen zu sammeln. Dann kam der Krieg dazwischen, und nachdem er mit seinem Vater ein Restaurant betrieben und außerdem eine Cafeteria in einer Schule aufgemacht hatte, entschloss er sich zur Flucht. Über Leipzig kam er nach Bonn. Nach der Einstiegsqualifizierung als Kaufmann für Büromanagement bei der GIZ fand er allerdings keinen Ausbildungsplatz. Über das Jobcenter kam er an einen Kurs zur Existenzgründung inklusive Sprachförderung in Deutsch beim Bonner Standort der Kölner Wirtschaftsfachschule GmbH. Das Ergebnis ist, dass er jetzt sein eigener Chef ist und sich in dem, was er tut, sehr wohlfühlt.