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Sozialberatung in Bad Godesberg: Diese Anlaufstellen kümmern sich um verarmte Senioren

Sozialberatung in Bad Godesberg : Diese Anlaufstellen kümmern sich um verarmte Senioren

In Bonn bieten acht Stützpunkte kostenlose Sozialberatung. An diesen „Spots“ werden Wege aus scheinbar ausweglosen Situationen aufgezeigt. In Bad Godesberg gibt es drei dieser Anlaufstellen

Die alte Dame, die jüngst verschämt in der Begenungsstätte „Offene Tür (OT) Duerenstrasse“ auftauchte, ist Rita Blums aktuell erfreulichster Beratungsfall. „Sie druckste herum, sie könne eine Rechnung nicht bezahlen“, berichtet Blum, die in der OT im Villenviertel eine der acht Bonner „Stützpunkte Offene Türen für Senioren“ (Spots) betreut.

Im Beratungsgespräch sei herausgekommen, dass die Dame seit Längerem verschuldet war und dass ihr akut die Stromsperre drohte, so Blum. Irgendwann habe sie die Mittachtzigerin zu Hause aufsuchen dürfen. „Und da sah ich: Diese alte Frau lebte seit zehn Jahren ohne Möbel.“ Blum schweigt erst einmal.

Kostenloses Angebot: Rita Blum (links) bei einer Beratung in der Begegnungsstätte an der Dürenstraße. Foto: Axel Vogel

Es sei gar nicht selten, dass gerade alleinstehende Frauen mit geringen Bezügen auch im reichen Villenviertel ganz schnell in die Altersarmut abglitten und aus Scham und Verzweiflung sämtliche zwischenmenschliche Kontakte abbrächen, so Blum.

Nachbarn sollen genau hinschauen

„Wichtig ist, dass Nachbarn genau hinschauen und die Bonner Altenhilfe, die Polizei oder uns Sozialberater benachrichtigen, dass da etwas nicht stimmt“, sagt sie. Dann könne wie im Fall der alten Dame sofort gehandelt werden: Eine kirchliche Einrichtung half als Erste, dann die Aktion Weihnachtslicht des General-Anzeigers.

Und inzwischen hat die Seniorin die Spots-Beratung als permanenten Rettungsanker akzeptiert. „Wir haben gemeinsam geschaut, wie Hilfen für sie finanziert werden können, und die nötigen Anträge gestellt“, erzählt Blum, die vor 2010 als examinierte Krankenschwester arbeitete und nach einer Fortbildung in der OT einstieg. Der alten Dame konnte sie schließlich einen Ehrenamtlichen aus dem OT-Begleitdienst an die Seite stellen. Mit dessen Hilfe nimmt die Seniorin nun Schritt für Schritt wieder am Leben teil, berichtet Blum. „Die beiden haben jetzt im Sozialkaufhaus auch wieder Möbel erworben.“

Die qualifizierten Spots-Sozialberatungen an stadtweit acht Stützpunkten sind nach Angaben von Heike Oepen an vorhandene Einrichtungen der Altenhilfe angebunden. Wie die Leiterin des Sachgebiets Seniorendienste und Haus der Bonner Altenhilfe im Sozialamt auf Anfrage erläutert, werden dort kostenlose Beratungsgespräche in vertrauensvoller Atmosphäre angeboten.

Dabei werden den Senioren oder ihren Angehörigen Wege aufgezeigt, wie das Leben in den eigenen vier Wänden leichter möglich gemacht werden kann. „Man erfährt, welche gesetzlichen Ansprüche man hat und welche Unterstützungen es geben kann“, so Oepen. Senioren könnten zudem Vorsorge für den Fall treffen, dass sie ihre Angelegenheiten irgendwann nicht mehr selbst regeln könnten.

Es geht auch darum, der Vereinsamung entgegenzuwirken

Auch Edith Koischwitz, Leiterin der OT Duerenstrasse, unterstreicht die Bedeutung der Stützpunkte. „Als 2003 das Sozialamt ein dichtes Netz dieser Beratung über die Stadt legte und sie auch bei uns einrichtete, hatte sie das Wohlergehen der Senioren im Auge: keine weiten Wege mehr zur Sozialberatung, sondern wohnortnahe Versorgung.“ Das ermögliche den Einrichtungen, immer den ganzen Menschen in den Blick zu nehmen, weiß Koischwitz. „Bei der Beratung offenbaren sich mitunter Einblicke in den Alltag, und Frau Blum erkennt, dass hier ganz andere Probleme den Alltag der Ratsuchenden bestimmen.“ So könne sie auch auf das vielfältige OT-Angebot in den Bereichen Gesundheit, Prävention, Rehabilitation, Bildung und Begegnung hinweisen und der Vereinsamung entgegenwirken.

Rita Blum ist inzwischen schon mit neuen Fällen beschäftigt. Ein Anruf kam herein, dass ein alter Herr vor seinem Haus steht und nicht mehr weiß, wie er hineinkommt. Ihn wird Blum ebenso aufsuchen wie die Seniorin, die die Raten für einen neuen Kühlschrank nicht mehr zahlen kann. Was sie in ihrer Sprechstunde oder auf Hausbesuchen erlebe, beschäftige sie natürlich auch persönlich, gibt Blum zu. „Und dann bin ich froh, wenn ich hier in der OT die Lasten etwas verteilen kann.“ Zudem habe sie zuvor lange in der Pflege gearbeitet. „Da habe ich schon manches Leid gesehen.“