Infrastruktur in Bad Godesberg: Die City Godesberg ist oftmals nur Durchschnitt

Infrastruktur in Bad Godesberg : Die City Godesberg ist oftmals nur Durchschnitt

Die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg stellt die Details einer Befragung vor. Die Besucher fordern mehr Aufenthaltsqualität und Fachhändler, loben aber den ÖPNV.

Trotz Fronhofer Galeria und einer Fußgängerzone kann die Bad Godesberger Innenstadt bei vielen Besuchern nicht punkten. Zu diesem Schluss war, wie jüngst im Wirtschaftsteil berichtet, eine Studie des Instituts für Handelsforschung IFH in Köln gekommen. Mit der Gesamtnote 3,3 hatten die Besucher die Godesberger City deutlich schlechter bewertet als vergleichbar große Orte (Durchschnitt 2,5).

Am Dienstag stellte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg als Partner des Instituts Details der Befragung „Vitale Innenstädte 2018“ vor. Dabei waren erstmals am 27. und 29. September 2018 an fünf Standorten in Bad Godesberg 150 Personen interviewt worden. Auf der Bonner Innenstadt hatte das Augenmerk bereits 2014 und 2016 gelegen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass in Bad Godesberg dringender Handlungsbedarf besteht. Um die Aufenthaltsqualität zu steigern, müssen Gebäude und Fassaden aufgewertet, Plätze, Wege und Grünflächen gepflegt, Sehenswürdigkeiten saniert und sichtbarer werden“, sagte IHK-Geschäftsführer Stephan Wimmers beim Pressegespräch.

Auch Sauberkeit und Sicherheit müssten in der Innenstadt verbessert werden. Bei vielen weiteren Beurteilungskriterien erreiche die Godesberger Innenstadt gerade einmal den Durchschnitt vergleichbarer Orte. Dies betrifft laut Wimmers zum Beispiel die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad, die Ladenöffnungszeiten, das Freizeit- und das Dienstleistungsangebot. „Mit einer 3- als Gesamtnote dürfen wir uns nicht zufriedengeben. Zusätzliche Veranstaltungen und Feste können nur ein Teil zur Lösung sein, wir brauchen aber auch eine bauliche Aufwertung und Begrünung unserer Innenstadt“, sagte Jürgen Bruder, Vorsitzender des Vereins Stadtmarketing Bad Godesberg.

Investitionen in die Innenstadt seien notwendig, um den Abstand zu vergleichbaren Orten zu verkürzen. Und Wimmers ergänzte, die Ergebnisse müssten im weiteren Verlauf des Leitbildprozesses berücksichtigt werden. Beim Einzelhandelsangebot wurden insbesondere die Bereiche Unterhaltungselektronik und Wohnen/Einrichten schlecht bewertet. Nur das Angebot bei Lebensmitteln wird besser beurteilt als in vergleichbaren Orten. Positiv hingegen kam die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV mit einer Durchschnittsnote von 1,9 weg. Ausbaufähig scheint das Parkangebot, das eine 3,2 erhielt. Bonn stand allerdings 2016 noch schlechter da.

Als Anlass für den Citybesuch wurden neben dem Einkauf Behördengänge und das Kulturangebot vergleichsweise häufig genannt. Wegen des gastronomischen Angebots kommen weniger Besucher in die Godesberger Innenstadt. Folgerichtig erhält die Innenstadt mit Blick auf das gastronomische Angebot nur eine 2,7 (Ortsvergleich: 2,3). Das Durchschnittsalter der Besucher betrug 53 Jahre gegenüber 46 Jahren im Ortsgrößendurchschnitt und 39 Jahren in der Bonner City (Zahl von 2016).

Eine Mini-Umfrage des General-Anzeigers am Dienstag bestätigte im Wesentlichen die Ergebnisse des Kölner Instituts IFH. „In Bad Godesberg kaufe ich nicht mehr ein. Hier gibt es keine Fachgeschäfte mehr, so dass ich eh nach Bonn fahren muss“, bemängelte ein Mann. Ein anderer, der ebenfalls anonym bleiben wollte, erinnerte sich an seine Jugend zurück: „Ich bin mit den Botschaften in Bad Godesberg aufgewachsen, das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, aber dieses Multikulti hier ist mir zu viel.“

Eine lebendigere City, die sich viele wünschen, ist für Hedwig Schweeder nur bedingt interessant. „Die Veranstaltungen wie das Stadtfest sind mir zu trubelig geworden. Ich besuche nur noch die Matineekonzerte“, gab die 69-Jährige zu Protokoll. Fast gar nichts mehr anfangen mit ihrer alten Heimat, kann eine andere Frau: „Ich wohne jetzt in Bad Honnef, habe aber fast mein ganzes Leben hier verbracht. Heute komme ich nicht mehr gerne hierhin. Die Entwicklung in den letzten Jahren gefällt mir ganz und gar nicht.“

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