Die Bäckerei Charly von Maria und Karl Sonntag in Pech schließt

Bäckerei Charly in Wachtberg-Pech : Maria und Karl Sonntag schließen ihren Laden

Kunden, Bürger und Vereine bereiten dem beliebten Pecher Bäcker-Ehepaar einen grandiosen Abschied zur Geschäftsaufgabe. Beim Ständchen von Mitgliedern des Ortsfestausschusses und des Heimatvereins fließen sogar Tränen.

Pech stand am Wochenende ganz im Zeichen eines höchst emotionalen Abschieds: Wie lange angekündigt, schloss das Bäckerehepaar Karl „Charly“ und Maria Sonntag am Samstag für immer die Pforten seines Geschäfts „Charly´s Backstube“ an der Pecher Hauptstraße.

Freilich alles andere als still und leise ging das vonstatten. Zahlreiche Bürger und Kunden sowie der Ortsfestausschuss und der Heimatverein bereiteten den Sonntags einen grandiosen und höchst sentimentalen Abschied, bei dem manche Träne floss, aber auch über viele Stunden ein wenig Volksfeststimmung herrschte.

„Hier geht es ja fast zu wie bei Pützchens Mark!“ Der Ausruf eines Gratulanten, der sich gegen 14 Uhr zu der Abschiedsparty eingefunden hatte, war nicht ganz aus der Luft gegriffen: In den leergeräumten Geschäftsräumen der Bäckerei gab es praktisch kein Durchkommen mehr, und draußen vor der Tür entlang der Pecher Hauptstraße waren Parkplätze rasch Mangelware geworden.

Kein Wunder, Bäckermeister Karl „Charly“ Sonntag und seine Frau Maria, die den kompletten Verkauf betreute, haben das Geschäft auf den Tag genau seit 25 Jahren geführt: Am 1. Dezember 1994 hatte das Ehepaar, beide über 60 Jahre alt, den Betrieb von Maria Sonntags Vater übernommen; die Bäckerei gibt es noch viel länger, nämlich seit 1914. Doch das „Aus“ für Charly´s Backstube hatte sich schon Mitte vergangenen Jahres abgezeichnet. Wie damals berichtet, musste die Familie Sonntag den Kundenservice herunterfahren, weil es an geeignetem Personal fehlte.

Gesundheit zwang ihn, endgültig zuzumachen

Trotzdem wollte Bäckermeister Sonntag noch ein paar Jahre weitermachen, „vor allem mit Blick auf unsere „Superkundschaft“. Doch die Gesundheit zwang ihn jetzt, die Backstube endgültig zuzumachen, was vor allem viele ältere Pecher „als einen Riesenverlust empfinden“, wie es eine Stammkundin auf den Punkt brachte. Schließlich war die Bäckerei stets auch so etwas wie eine soziale Anlaufstation, so beispielsweise für nächtliche Kneipengäste, die bei Sonntags am frühen Morgen noch einen Absacker bekamen.

Daran erinnerte Oliver Neft, Vorsitzender des Heimatvereins, in einer launigen Rede in Reimform: „Wir wollen Euch nun Danke sagen, für all die Tausende von Tagen, für eine unvergessene Zeit, in die ihr allzeit wart bereit“, so Neft. „Ihr habt geschuftet und geackert, Euch täglich abgerackert, um uns fürstlich zu bedienen, wart fleißig wie die Bienen“, fuhr er fort, „wart sozial und engagiert, immer ehrlich, nie affektiert, ihr wart des Dorfes Mittelpunkt - aus Schluss und Punkt.“

Schluss war dann für die Abschiedsfeier freilich noch lange nicht. Denn nach dem Redebeitrag gab es noch ein gesungenes Tschüss an das Bäckerehepaar, vorgetragen von Mitgliedern des Ortsfestausschusses und des Heimatvereins, musikalisch unterstützt von der Pecher Band Mixed-up 015, die später selbst auch noch etwas vorbereitet hatte.

Bei der Wahl des Songs, den die Pecher Sänger umgetextet hatten, kam praktisch nur ein Lied in Frage: Der Trude Herr Hymne „Niemals geht man so ganz“. Spätestens als der Chor loslegte, brachen dann bei den Sonntags alle Dämme – Taschentücher mussten ad hoc gereicht werden. „Ihr seid der Wahnsinn, mir fehlen die Worte!“, kommentierte ein sichtlich bewegter Bäckermeister Karl Sonntag mit Ehefrau Maria im Arm. Für sie war nach der Darbietung total klar: „Warum  brauchen wir denn Shows wie in Las Vegas? Wir haben doch Pech.“