Der Wachtberger Albert Rüdig hört nach 19 Jahren als St. Martin auf

Brauchtum in Wachtberg : St. Martin tritt nach 19 Jahren ab

Albert Rüdig war 19 Jahre lang als St. Martin auf verschieden Zügen in Wachtberg unterwegs. Nun gehen der 50-Jährige und sein Friese „Murk“ in „Rente“.

Nach 19 Jahren ist Schluss. Albert Rüdig geht als St. Martin diverser Züge in Wachtberg in „Frührente“. Denn 50 ist ja eigentlich noch kein Alter. „Ich hab angefangen, als meine Kinder noch klein waren, aber mittlerweile hat irgendwie das Kribbeln im Bauch gefehlt“, begründet der Pecher seinen Schritt. Auch das stundenlange Reiten bei Wind und Wetter sei nicht mehr seins, lässt er durchblicken.

In den Sattel kam er dereinst über Ehefrau Marika. „Als dann ein neuer Martin gesucht wurde, habe ich einfach zugesagt.“ Damals wohnte er noch in Villip, wie auch sein Vorgänger. Den Tinker „Lucky“ und später dann den Friesen „Murk“ habe man bestens vorbereitet auf ihre Aufgaben: „Sie sind immer ohne Sedierung oder Medikamente mitgelaufen.“ Möglich wurde das, in dem das Ehepaar mit Rasseln, Topfschlagen und Lagerfeuer in Anwesenheit der Pferde „übte“.

Anfangs besaßen die Rüdigs für die ehrenamtlichen Einsätze nicht mal einen Hänger. „Ich bin dann mit Stirnleuchte und Warnausrüstung zum Beispiel anderthalb Stunden nach Oeverich geritten, habe dort den Zug mitgemacht, um dann wieder anderthalb Stunden für den Heimweg zu brauchen“, erzählt der St.-Martin-Darsteller. Seine Frau fuhr im Auto vor. „Viele wissen nicht, wie viel Aufwand das Ganze ist, bis die Tiere wieder im Stall stehen und fressen“, meint er rückblickend. Aber die Sache war es den Rüdigs wert.

In diesem Jahr ritten Rüdig und „Murk“ zwei Mal in Villip sowie in Berkum und Villiprott mit. Dort werden jetzt Nachfolger gesucht. Sein Kostüm komme ins Heimatmuseum nach Villip zu Ulf Hausmanns. „Es gehört der Dorfgemeinschaft und wird dann gegebenenfalls verliehen“, erzählt der Pecher.