Bad Godesberg: Der Vorsitzende des Kunstvereins im Interview

Bad Godesberg : Der Vorsitzende des Kunstvereins im Interview

Der Kunstverein Bad Godesberg ist seit 2000 eine Initiative von Künstlern und Kunstliebhabern, die früher Teilnehmer der Malschule Sokolov waren. Besonders erfolgreich ist die Schreibwerkstatt.

Der Kunstverein Bad Godesberg: Wer ist das eigentlich?

Jürgen Laue: Wir haben aktuell 110 Mitglieder. Die meisten sind bildende Künstler, aber auch Leute, die schreiben. Unter den Malenden sind mehr Frauen als Männer. Und dann haben wir auch Kulturinteressierte und Kulturliebhaber im Verein. Wir sind also eine bunte Mischung.

Welche Art von Kunst entsteht im Verein?

Laue: Unsere Mitglieder sind hauptsächlich in der Malerei, aber auch in der Druckgrafik, der Fotografie, der Bildhauerei und eben auch schriftstellerisch tätig.

Wie hat es eigentlich mit dem Kunstverein angefangen?

Laue: Er gründete sich im Jahr 2000 aus Teilnehmern der damaligen Malschule Sokolov. Ein ehemaliger Gemüseladen in der Paul-Kemp-Straße wurde in viel Eigenleistung zur ersten Galerie gestaltet. Nach regelmäßigen Ausstellungen, anfangs nur für Mitglieder, bezog man 2004 den heutigen Standort in der Burgstraße 85, der damals nur aus einem Teil der heutigen Galerie bestand.

Das heißt, es wurde dann erweitert?

Laue: Ja. Der zunehmende Erfolg, wachsende Mitgliederzahlen und monatliche Ausstellungen nun auch für sogenannte Fremdkünstler machten das notwendig. Zum Glück ergab es sich, dass auch das nebenan liegende Ladenlokal angemietet werden konnte. Die Zusammenführung der beiden Geschäfte zum heutigen offen und großzügig gestalteten Glaskarree erfolgte dann fast ausschließlich in Eigenleistung.

Welche Künstler dürfen denn heute im Glaskarree ausstellen?

Laue: Durch zahlreiche Bewerbungen haben wir natürlich Mitglieder, aber auch renommierte Künstler aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland im Karree. Es ergeben sich inzwischen Wartezeiten von zwei bis drei Jahren. Unser Vorstandsmitglied Gitta Büsch übernimmt die Auswahl und dann auch die Kuratierung der Werke.

Dabei werden fast immer zwei Künstler einander gegenübergestellt, ja?

Laue: Dieses Konzept hat sich bewährt. Im monatlichen Wechsel bieten wir dadurch immer neue Perspektiven. Und am Jahresende steht immer die Werkschau der Vereinsmitglieder an, der Gitta Büsch jeweils ein Thema stellt. Dieses Jahr ist es ein bestimmtes Format.

Es geht im Verein aber nicht nur um bildende Kunst?

Laue: Richtig. Wesentlich zum Erfolg beigetragen hat unsere Schreibwerkstatt, die 2015 ihr zehnjähriges Jubiläum feierte. Monatliche Arbeitstreffen, regelmäßige Lesungen im Glaskarree und extern sowie Veröffentlichungen zeigen, dass auch dieses „Standbein“ fester Bestandteil des kulturellen Lebens von Bad Godesberg geworden ist.

Was sind eigentlich die wöchentlich stattfindenden Montagstreffs?

Laue: Das ist einerseits ein geselliges Beisammensein von Mitgliedern, Freunden und Interessierten. Oder unser Vorstandsmitglied Ingrid Gahl gestaltet die Treffs als Themenabende etwa mit Vorträgen, Künstlergesprächen, Lesungen und Musikdarbietungen bis hin zur Weinprobe. Bei freiem Eintritt sind übrigens auch Nicht-Mitglieder willkommen.

Geht der Kunstverein denn auch „nach draußen“?

Laue: Ja, Mitglieder des Kunstvereins werden gerne berufen, an externen Ausstellungen teilzunehmen, so im Spätsommer 2017 in der Godesberger Partnerstadt Berlin-Steglitz, im dortigen Gutshaus. Ein Höhepunkt ist, neben zweimal im Jahr stattfindenden Kunstmärkten, auch die Teilnahme an der Godesberger Nacht der Galerien.

Und was tut der Verein für den künstlerischen Nachwuchs?

Laue: Der wird nicht vergessen. Neben der jährlichen Kalendervorstellung junger Künstler und Künstlerinnen vom CJG Hermann-Josef-Haus findet im Glaskarree monatlich ein Workshop „Comiczeichnen für Kinder“ statt.