Verkehr am Bahnübergang: Das „Schellenmännchen“ aus Bad Godesberg

Verkehr am Bahnübergang : Das „Schellenmännchen“ aus Bad Godesberg

Mit einer Handglocke regelten Stadtwerkemitarbeiter einst den Verkehr am Bahnübergang. Bei Annäherung eines Zuges an den Bahnübergang sperrte das „Schellenmännchen“ die Straße - mit einer rot-weißen Fahne und der Bimmel. Was ist aus der berühmten Handglocke geworden?

Noch in den letzten Tagen, bevor der Straßenbahnverkehr zwischen Bad Godesberg und Mehlem vor rund 40 Jahren eingestellt wurde, ist Manfred Schaefer die Strecke noch einmal zu Fuß abgelaufen. Viele Erinnerungen im Zusammenhang mit dem Straßenbahnverkehr zwischen Bonn und Mehlem begleiten den Bahnliebhaber deshalb bis heute. Das gilt insbesondere für das legendäre „Schellenmännchen“, an das sich viele ältere Godesberger noch erinnern werden.

Im Nachgang des GA-Artikels vom 22. Dezember 2016 „Abschiedsfahrt vor 40 Jahren“ über die Einstellung des Straßenbahnverkehrs zwischen Rheinallee und Mehlem Ort schrieb Manfred Schaefer, der auch Mitglied im Historischen Verein der Stadtwerke Bonn ist, an die Redaktion und erinnerte noch einmal ausführlich an das „Schellenmännchen“, das seit 1892 den Bahnübergang an der Bürgerstraße gesichert hatte: „Das in dem Artikel erwähnte ,Schellemännche' in Bad Godesberg an der Bürgerstraße hatte nicht die Aufgabe, die Straßenbahn in dem eingleisigen Abschnitt durchzuwinken, also den Begegnungsverkehr der Straßenbahn auf diesem eingleisigen Streckenabschnitt zu regeln, sondern ihm oblag wegen der äußerst beengten Platzverhältnisse vielmehr die Aufgabe, den Straßenverkehr, und zwar sowohl die Fußgänger als auch die Fahrzeugführer vom Pkw bis Fahrrad, von der Querung der eingleisigen, schlecht einsehbaren Straßenbahnstrecke abzuhalten, wenn sich eine Bahn näherte.“

Zwischen Plittersdorfer Straße und Rheinallee

Die eingleisige Strecke zwischen Plittersdorfer Straße und Rheinallee verlief abgesenkt wie in einem Hohlweg zwischen der auf einem Damm verlaufenden Bundesbahnstrecke auf der einen Seite und den unmittelbar an die Straßenbahntrasse heranreichenden Gärten und Häuserrückfronten auf der anderen Seite.

Bei Annäherung eines Zuges an den Bahnübergang sperrte das „Schellenmännchen“ also die Straße, tagsüber mit einer rot-weißen Fahne und der Bimmel, der berühmten Handglocke, nachts mit einer roten Laterne. „Doch wo ist die Glocke abgeblieben?“, fragte sich nun Manfred Schaefer. Claus Lescrinier, zweiter Vorsitzender des Historischen Vereins der Stadtwerke Bonn, vermutete sie spontan „bei alten Stadtwerkekollegen“.

Doch nach ein wenig Recherche und Rücksprache mit seinen Vorstandskollegen stellte sich heraus, dass sich die Bimmel im Stadtwerke-Museum in der Bonner Theaterstraße befindet.

Zumindest in den letzten Jahren wurde der Begegnungsverkehr durch eine elektrische Lichtzeichenanlage geregelt. Wenn an der Haltestelle „Plittersdorfer Straße“ der erste Zug ankam, stieg der Schaffner aus – solange es diesen noch gab und später der Fahrer – und schaltete die Lichtzeichenanlage für die eingleisige Strecke frei. An der Haltestelle „Rheinallee“ wurde gleichzeitig die Strecke für die Züge aus Mehlem beziehungsweise Rüngsdorf gesperrt. Falls ein Zug von dort kam, musste dieser den Gegenzug abwarten. Nach dessen Ankunft konnte das Personal des wartenden Zuges sich die Weiterfahrt in den eingleisigen Streckenabschnitt in Richtung Bonn „schlüsseln“. Gleiches geschah auch in umgekehrter Fahrtrichtung. Nach Aufnahme des Stadtbahnverkehrs bis zur damaligen oberirdischen Stadtbahn-Haltestelle „Rheinallee“ wurde der Verkehr vom Stellwerk aus geregelt“, erinnert sich Schaefer.

Übrigens: Der Dienst des „Schellenmännchens“ wurde von allen Mitarbeitern der BGM (Bonn-Godesberg-Mehlem) beziehungsweise der Stadtwerke Bonn immer sehr gewissenhaft ausgeübt, denn es gab an dieser Stelle nie einen Unfall, wie Autor Thomas Sieredzki in einem Aufsatz über das „Schellenmännchen“ im Köln-Bonner Verkehrsmagazin vor zehn Jahren feststellte.

Der Historische Verein der Stadtwerke Bonn hat seinen Sitz an der Theaterstraße 24 in Bonn. Kontakt zum Verein unter der Rufnummer 0228/2862 8811. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.hvswb.de.