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Die andere Perspektive in Bad Godesberg: Das ist die Arbeit eines Kinofilmführers

Die andere Perspektive in Bad Godesberg : Das ist die Arbeit eines Kinofilmführers

Herr über Festplatten: Nikolas Sobtzick ist einer der Filmvorführer im Bad Godesberger Kinopolis. Doch die Zeiten, dass er schwere Filmrollen aus Zelluloid zusammenschneiden muss, sind längst vorbei. Heute heißt die Devise: alles digital.

Filme sieht er eigentlich immer nur in kurzen Ausschnitten – wenn er mal gerade zur Kontrolle in einem der elf Säle des Kinopolis sitzt. Seit circa dreizehn Jahren ist Nikolas Sobtzick Filmvorführer im Bad Godesberger Kino und hat dort in dieser Zeit so einige Wandlungen erlebt.

„Dass Kinofilme über zwei Projektoren abgespielt wurden, war noch vor meiner Zeit. Aber bis 2005 haben wir auch noch mit Telleranlagen und Filmrollen gearbeitet.“ In einem der Abstellräume des Hauses ist eine solche große Filmrolle noch aufzufinden. Die Verleiher hatten damals mehrere davon geliefert, die in einzelnen Akten den ganzen Film ergaben.

So mussten die Vorführer die Rollen in Handarbeit zusammenschneiden „Früher haben der Kollege und ich die Filme zusammengefügt, die Trailer geschnitten sowie die Werbung.“ Sportlich wurde es vor allem dann, wenn die fertigen Filmrollen mit einem Gewicht von 25 bis 30 Kilogramm von Vorführraum zu Vorführraum getragen werden mussten.

Dies fällt nun weg. Doch auch jetzt gibt es ihn noch, den Filmvorführer. 2005 wurde der erste Saal im Kinopolis auf digitalen Betrieb umgestellt, 2008 folgte der nächste. „Avatar“ war einer der ersten Filme, die im Kinopolis in 3D gezeigt werden konnten – dank digitaler Technik. „Die Arbeit selbst ist um einiges leichter geworden“, sagt Sobtzick. „Und auch für die Qualität war die Umstellung ein großer Gewinn.“ Viele der Bereiche, die heute in seinen Tätigkeitsbereich fallen, waren zunächst Neuland für ihn, denn Computer sind jetzt doch wesentlich präsenter als vorher.

Digitalisierung bringt andere Aufgabenbereiche

„Aber Filmvorführer war ja nie ein Lehrberuf. Zu analogen Zeiten gab es einen Chefvorführer, der einen allmählich eingearbeitet und sein Wissen weitergegeben hat. Heute haben wir einen externen Dienstleister, der für die ganze Technik zuständig ist und uns natürlich eingearbeitet hat beziehungsweise bei Fragen immer Hilfestellungen bietet.“

Die Aufgabenbereiche haben sich durch die Digitalisierung sehr verändert: Die Vorführer kümmern sich nicht mehr nur darum, dass die Filme in den Sälen problemlos und pünktlich laufen, sondern unterstützen den Haustechniker und kümmern sich zusätzlich um die Veranstaltungstechnik, die die besonderen Filmreihen oder auch privaten Gäste im Kinopolis zunehmend benötigen.

Da hilft der eigentliche Filmvorführer auch schon mal bei der Bewirtung der Kinobesucher. Musste Sobtzick früher die Rollen durchs Haus tragen und die Telleranlagen hegen und pflegen, so sehen die Vorarbeiten heute anders aus: Nun geht es vielmehr darum, ob alle Sicherheitsschlüssel für die aktuellen Filme vorliegen, die als Kopierschutz eingebaut sind, und ob alle Filme im Haus sind, die in den kommenden Tagen laufen.

Diese kommen heute mal in Form von optischen Datenspeichern und mal als Festplatte und müssen auch jetzt noch in die entsprechenden Vorführräume gebracht werden. Der eigentliche Ablauf eines Filmabends läuft dann weitestgehend automatisch und ferngesteuert: Werbung und Trailer werden von externen Dienstleistern bei den Vorführungen eingebaut, der Hauptfilm startet dann automatisch. Der nächste Schritt könnte die Projektion über Laser sein – so fiele auch die aufwändige Wartung der Projektoren weg.

Nostalgie macht sich aber auch manchmal bei Sobtzick breit: „Es war schon schön, wenn man früher gesehen hat, was man geleistet und geschafft hat, wenn Werbung, Trailer und Hauptfilm reibungslos und ohne jedes Flackern oder Knattern im Ton liefen. Denn die waren ja alle von uns zusammengeschnitten. Das war ein sehr schönes Gefühl. Es war einfach noch eher ein Handwerk als heute.“ Nun muss er los – gleich ist Kinostart von „Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“. Dafür muss er noch alles vorbereiten.