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Corona zum Trotz: Markt in Bad Godesberg profitiert von der Krise

Markt in Bad Godesberg : Händler auf dem Moltkeplatz freuen sich über Kundenzuspruch

Die Händler auf dem Moltkeplatz freuen sich über viel Kundenzuspruch – Corona zum Trotz. Ein Grund dürfte sein, dass die Kunden sich zurzeit lieber im Freien als in geschlossenen Räumen aufhalten.

Krisen kommen sicher nie gelegen. Dass sich jedoch zu ihrer Premiere auf dem Godesberger Wochenmarkt in der vergangenen Woche gewissermaßen das Coronavirus hinzugesellte, wurmte Corina Klaas zunächst. An diesem Dienstag beurteilt die Anbieterin von Käsespezialitäten aus Tirol die Lage auf dem Moltkeplatz schon anders. „Es gibt durchaus was zu tun“, freut sich die Frau aus St. Augustin.

Zwar hat sie auch jede Menge Desinfektionsmittel hinter der Ladentheke. „Aber mein großer Vorteil ist, dass ich durch meinen Wagen sowieso vom Kunden getrennt bin“, erzählt Klaas, die in Bonn und der Region mit „Anton’s Käsehütte“ sieben weitere Märkte beschickt. 13 Stunden ist sie pro Tag unterwegs, um ihre Waren – wie gerade aktuell – an die Frau zu bringen. Französischer Brie und Rohmilch-Butter wandern über die Theke. „Hoffen wir, dass wir uns nächste Woche wiedersehen“, meint ihre Kundin, die sich stets von Plittersdorf aus zu Fuß zum Wochenmarkt in der City aufmacht. Sätze wie diese sind häufiger zu hören.

Was den Andrang angeht, ist gegenüber am Blumenstand von Krise nichts zu spüren. Und doch ist alles anders als sonst, denn Sabine Wieler musste Primeln &. Co. neu anordnen. „Am Samstag hat sich gezeigt, dass die Leute zwischen den Blumengängen hin und her sind und nicht genug Abstand gehalten haben“, sagt Wieler vom Rolandswerther Betrieb Duas-Wieler. Sie hat im wahrsten Sinne des Wortes einen Platz an der Sonne. „Die Leute haben im Moment Bedenken, für Einkäufe geschlossene Räume zu betreten, deshalb haben wir viel Zulauf“, so die Händlerin. Wer dem Frühling nicht traut, findet viele frostresistente Pflanzen in den Rollwagen am Stand. 

Als nichts Besonderes empfindet – auch in Tagen wie diesen – Kundin Eva Kraft den Besuch auf dem Markt. „Das ist für mich ein ständiger Gang, den Großteil hab’ ich allerdings schon Samstag eingekauft.“ Sagt’s und macht sich auf zum Eierstand von Axel Bahn. Hier sind die Freilandeier, die der Muffendorfer aus dem Münsterland holt, schon um 10 Uhr ausverkauft. 80 Prozent sind Stammkunden, so wie die ältere Dame aus Friesdorf, der  Bahn schon einen 12er Karton Knickeier hinhält. Das, so klärt der Fachmann auf, seien Eier mit Fehlfarben oder Rissen. „Ich nehme die immer zum Kochen und Braten, sonst würden sie sicher weggeschmissen“, sagt die Friesdorferin.

Obst- und Gemüsehändler Bernd Müller arbeitet derweil mit seiner Spraydose die weiße Wartelinie um seinen großen Stand nach. „Das hat am Samstag schon richtig gut geklappt, heute bislang auch“, so sein Resümee. Wenn ihn auch die Weltsituation bedrückt, fürs Geschäft ist sie sozusagen gut. „Viele sind gerade mit ihren Kindern zu Hause, und die sind froh, dass sie bei uns was Frisches fürs Essen kriegen“, sagt der Ließemer. Von Artischocke bis Zucchini gibt es 200 Produkte, einige davon aus eigenem Anbau. Da der heimische Betrieb laufen muss, verkauft der Chef wegen der Ansteckungsgefahr heute nicht mit.

Das geht bei Heinrich Heuser nicht, ist der Blumenhändler doch sein eigener Herr – seit 45 Jahren schon. Mit seinen Kunden sei er gemeinsam alt geworden, da lässt der eine den anderen nicht im Stich. So sind Rosen und Tulpen weit vor dem Marktende um 13 Uhr weg. „Heute Morgen waren viele Väter mit ihren Kindern da“, hat der Friesdorfer beobachtet. Er profitiere davon, dass manche Läden geschlossen seien.

Ob am Brotwagen von Guido Thilmann aus Koblenz, dem Geflügelwagen von Florian Klein aus Hennef oder dem Obst- und Gemüsestand von Monika Henschke aus Lannesdorf: Corona hält die Kunden nicht vom Einkauf ab. Auch Isabella Grabowski und Tochter Ella (6) sind losgeradelt. Für beide ist es eine Art kleiner Ausflug vom unfreiwilligen Urlaub zu Hause. Bei Mama Isabella löst er dank des polnischen Angebots bei  Gerald Psik aus Leverkusen sogar Heimatgefühle aus: „Ich bin aus Schlesien und hier gibt es tollen Wurstaufschnitt.“