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Geschichte der Königsberghilfe: Chronik eines rührigen Vereins

Geschichte der Königsberghilfe : Chronik eines rührigen Vereins

Von 1992 bis 2013 unterstützten viele Bonner Bedürftige in Kaliningrad. Der Initiator und ehemalige Pfarrer Robert Wachowsky hat alles aufgeschrieben.

Oft hängt das Gute vom Engagement Einzelner ab. So auch bei der seit über 21 Jahren aktiven Königsberghilfe. Deren Wirken hat jetzt der Initiator und Pfarrer in Ruhestand Robert Wachowsky in einer mehr als 250-seitigen Chronik dokumentiert. Ab sofort ist sie unter dem Titel "Königsberghilfe Bonn. 1992-2013" in der Heiland-Kirchengemeinde erhältlich. Beschwingt beschreibt Wachowsky darin, wie die ersten Fäden zwischen den Mehlemer Protestanten und den Glaubensschwestern und -brüdern im russischen Kaliningrad geknüpft wurden.

Er war mit der inzwischen verstorbenen Helga Funk, Oberin der auch am Waldkrankenhaus tätigen rheinischen Diakonieschwesternschaft, zu einem anderen Anlass mit den Kaliningrader Diakonissen zusammengetroffen. Plötzlich hätten Funk und deren Oberin Hannelore Skorzinski die Köpfe zusammengesteckt. In Kaliningrad würden die Schwestern unter primitivsten Bedingungen im Spital arbeiten. "Könnt Ihr nicht helfen?", habe Skorzinski gefragt, schreibt Wachowsky. Die Idee zur Königsberghilfe war geboren.

Unter den Godesberger Protestanten fanden sich auch jede Menge gebürtige Ostpreußen. Mit Herzblut machte sich ein stetig wachsender Arbeitskreis daran, den notleidenden Menschen in der russischen Großstadt zu helfen. Projektbezogen wollte man vorgehen. Und bald wanderten regelmäßig gespendete Krankenhausbetten, Matratzen und Bettwäsche sowie Lebensmittel zur Partnerorganisation. "Dann haben wir den Krankenschwestern Fort- und Weiterbildungen in unseren Evangelischen Kliniken ermöglicht", erinnert sich Wachowsky. Seit 2006 war die Königsberghilfe ein eingetragener Verein mit anerkannter Gemeinnützigkeit, dazu Mitglied im Diakonischen Werk.

Da hatten die Mehlemer schon längst begonnen, zusätzlich schwerstbehinderten Kindern und Waisenkindern in Kaliningrad mit Lebensmitteln, Kleidung, medizinischer und pädagogischer Unterstützung zu helfen. "Wir unterstützten Anlaufstellen und Vollheime für Waisenkinder. Wir unterstützten bedürftige Schwestern und Patienten im Gebietskrankenhaus und auch ein Alten- und Pflegeheim der Region um Gumbinnen/Gusev", zählt Wachowsky weitere Aktivitäten auf. "Unsere Hilfe ging an Bedürftige, unabhängig von ihrem Alter, ihrer Nationalität und ihrer Religionszugehörigkeit", betont er. All das hat er akribisch und liebevoll in der Chronik festgehalten.

Alle rund 50 Aktiven der fruchtbaren 21 Jahre finden sich darin wieder: etwa Friedrich Schmidt, der die Sachspendensammlungen leitete, sich um die komplizierten Zollformalitäten kümmerte und die Versandaktionen per Lastwagen oder Schiffscontainer auf die Beine stellte. Oder die zweite Vereinsvorsitzende Ingelore Meyer, die die Verbindung zum Diakonischen Werk wachhielt. Horst Schust war verantwortlich für die korrekte Verbuchung der Spenden, Johann Würz für die Übersetzung der Dokumente und den Schrift- und Telefonverkehr mit den russischen Partnern. Margret Wachowsky dokumentierte und überprüfte alle Vorgänge, Leonore Hänze war für das Werbematerial verantwortlich.

Warum die Königsberghilfe 2013 endete? "Alles hat seine Zeit", zitiert Wachowsky die Bibel. "Es gibt Zeit zum Handeln und Zeit für die Erinnerung." Die Königsberghilfe sei liquidiert. Spenden könnten jetzt an das Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche gehen.

Kontakt per E-Mail an robert@wachowsky.de