Bad Godesberger Leitbild: Bundesbehörden wollen beim Leitbildprozess mitreden

Bad Godesberger Leitbild : Bundesbehörden wollen beim Leitbildprozess mitreden

Etwa ein Jahr ist Bad Godesberg nun schon auf der Suche nach einem Leitbild. Zwei ansässige Bundesbehörden sehen nicht alle Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter bei der Konzeption berücksichtigt.

Wie bewerten Sie den Standort Bad Godesberg für Ihre Behörden?

Hanns-Christoph Eiden: Direkt am Rhein gelegen haben wir einen außergewöhnlich schönen Standort. Bad Godesberg ist wichtig für uns, weil wir in der Bundesstadt Bonn hervorragend angebunden sind. Außerdem bietet der Stadtbezirk unseren Mitarbeitern ein angenehmes Umfeld zum Wohnen und Arbeiten.

Vor gut einem Jahr fiel der Startschuss für den Leitbildprozess. Wie messen Sie ihm bei?

Eiden: Als Bad Godesberger finde ich es enorm wichtig, dass wir uns Gedanken darüber machen, wo der Stadtbezirk gerade steht und wie er in Zukunft aussehen soll. Als Behörde melden wir uns in der Diskussion zu Wort und plädieren dafür, dass in dem Prozess auch unsere Mitarbeiter berücksichtigt werden.

Welche Bedürfnisse sind das?

Jürgen Füllmann: Ganz wichtig sind bezahlbarer Wohnraum, eine gute Verkehrsanbindung, eine bessere Taktung im öffentlichen Personennahverkehr, mehr Parkraum sowie genügend Plätze in Kindertagesstätten. Außerdem brauchen wir mehr Tagungsräume und Hotels, um unsere Gäste und Wissenschaftler bei Veranstaltungen unterbringen zu können.

Sehen Sie diese Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt?

Eiden: Bisher waren wir als Behörden nicht eingebunden. Wir haben selbst die Initiative ergriffen und uns im Dezember mit Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke und dem Landtagsabgeordneten Christos Katzidis getroffen. Wir haben deutlich gemacht, dass wir Teil des Stadtbezirks sind und dies auch bleiben. Deswegen sollten wir auch präsenter im Leitbild erscheinen.

Füllmann: Uns wurde bei diesem Treffen der Eindruck vermittelt, dass wir bedeutsam für Bad Godesberg sind. Immerhin ist es essenziell, dass Menschen hier ihren Lebensunterhalt verdienen, sonst gibt es für den Stadtbezirk keine Zukunft. Unsere Behörden werden weiter wachsen, teilweise entstehen mehrere hundert neue Stellen. Das wird die Situation verschärfen, wenn wir nicht rechtzeitig handeln und die Bedürfnisse der Mitarbeiter erfüllen.

Werden Sie auch selbst aktiv, um diese Bedürfnisse zu erfüllen?

Eiden: Wir können als Bundesbehörde nur bedingt aktiv werden. Die Daseinsvorsorge auf kommunaler Ebene liegt nicht in unserer Zuständigkeit.

Füllmann: Vorrangig wollen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Ausschließlich mit dem Gehalt können wir nicht mehr konkurrieren. Viel wichtiger ist es, dass auch Arbeitsumfeld und Wohnort attraktiv ausfallen.

Sind Sie optimistisch, dass das Leitbild Ihre Wünsche aufgreift?

Eiden: Ich bin Optimist. Wenn ich eine positive Rückmeldung erhalte, bin ich zunächst zuversichtlich. Es geht uns aber nicht nur darum, die Politik zu erreichen. Auch wie die Bad Godesberger uns wahrnehmen, ist uns wichtig. Uns liegt daran, dass sie uns als Teil des Stadtbezirks wertschätzen.

Wie werden Sie derzeit denn wahrgenommen?

Füllmann: Das ist wohl sehr von Gewohnheit geprägt. Die Bad Godesberger kennen uns seit Jahren, sie sind es gewohnt, dass Behörden und Ministerien hier angesiedelt sind. Vielleicht werden wir dadurch nur beiläufig zur Kenntnis genommen, obwohl wir zusammen mit den anderen Bundesbehörden mehrere Tausend Beschäftigte haben.

Gibt es Bereiche in Bad Godesberg, in denen kein Handlungsbedarf besteht?

Eiden: (nach langer Pause) Die Landschaft um uns herum muss man nicht verbessern. Wir sind alle gerne hier, es ist schön, hier zu leben. Darauf darf man sich aber nicht ausruhen. Die BLE ist wegen des Bonn-Berlin-Gesetzes hier. Das steht. Dennoch gibt es immer Aspekte, an denen man arbeiten muss. Die Welt verändert sich, Menschen werden mobiler. Dass die BLE als Arbeitgeber attraktiv, dass Bad Godesberg ein guter Ort zum Wohnen und Arbeiten bleibt, das ist eine Aufgabe. Wir wollen uns einbringen und gemeinsam mit der Kommune daran arbeiten.

Wie wollen Sie sich denn künftig in den Godesberger Leitbildprozess einbringen?

Eiden: Wir werden an dem Online-Verfahren teilnehmen und die Wortmeldungen der Behördenleitungen einbringen. Dann bin ich offen für die weitere Diskussionen. Ich denke, dass auch Wirtschaftsunternehmen mehr angesprochen werden müssen. Es ist wichtig, dass sich der Prozess erweitert und es Foren gibt, in denen wir gemeinsam nach Lösungen suchen.

Es ist klar, dass sich Wünsche nicht einfach erfüllen. Die Stadt ist ja nicht für alles zuständig. Beispiel Mobilität: Das ist auch Sache der Deutschen Bahn. Für uns und unsere Mitarbeiter ist es zum Beispiel wichtig, wie oft Züge am Mehlemer Bahnhof halten. Oder dass dieser barrierefrei wird. Wir wollen nichts abladen und sagen: Macht mal. Wir gehen gerne mit.

Haben Sie Kritikpunkte am Leitbildprozess?

Wie stellen Sie sich Bad Godesberg in zehn Jahren vor?

Eiden: Nach wie vor wird es eine sehr grüne Stadt sein. Außerdem wird Bad Godesberg lebendiger, weil wir hier eine Hochschule haben werden. Das ist wichtig für das Stadtbild. Und ich sehe eine Stadt, in der ich mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr einfach bewegen kann.

Füllmann: Ich sehe Bad Godesberg als Teil einer Bundesstadt, die etwas von dem bietet, was wir als Behörden brauchen. Stichwort Verkehr. Eine Stadt, die einen Bahnhof hat, der barrierefrei ist, in dem zum Beispiel der Aufzug funktioniert. Wir haben das bereits in Vorstellungsgesprächen festgestellt. Schwerbehinderte Bewerber sind am Bad Godesberger Bahnhof ausgestiegen und haben festgestellt, dass sie nicht mehr weiterkommen. Das ist ein Zustand, der nicht tragbar ist.

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