Kindergarten an der Kennedyallee: Bürger wehren sich gegen Neubau

Kindergarten an der Kennedyallee : Bürger wehren sich gegen Neubau

Der amerikanische Journalist Don Jordan, der die Amerikanische Siedlung seit ihren Anfängen in den 1950er Jahren kennt, lief am Donnerstagabend in der voll besetzten Stimson Memorial Chapel bei einer Informationsveranstaltung zum Bau eines neuen Kindergartens an der Kennedyallee zu großer Form auf.

Jordan kritisierte scharf den Umgang der Stadt Bonn und der Vebowag (Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG) mit dem Denkmalschutz. Dem Kölner Architekten Mohammad Oreyzi, der kurz zuvor der Öffentlichkeit seine Entwürfe für den neuen Kindergarten präsentiert hatte, bescheinigte er: "Das ist ein schönes Gebäude, das sie entworfen haben - nur am falschen Platz." Jordan beschwor die "politisch-emotionalen Verbindungen", die mit diesem Areal zusammenhingen und bemühte sogar die Freiheitsstatue in New York: "An der Freiheitsstatue dürften Sie so etwas nicht hinsetzen. Ist Ihnen nicht bekannt, dass das hier alles unter Denkmalschutz steht?" Unter großem Beifall stellte er noch fest: "Die Profitbelange der Vebowag bewerten Sie offensichtlich höher als historische Tatsachen."

Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke, die zu der Veranstaltung eingeladen hatte, hatte fortan alle Mühe, in ihrer Rolle als Moderatorin die teils heftigen Emotionen mancher Bürger "runterzukochen". Zahlreiche Teilnehmer, unter ihnen auch Vertreter der Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung", pochten im Verlauf der Diskussion insbesondere auf einen Ratsbeschluss vom vergangenen Jahr, die Siedlung einschließlich der Grünflächen "unverändert zu erhalten". "Was Sie hier vorhaben, ist ein klarer Widerspruch zum Ratsbeschluss", meinte Rolf Fischer, Vorsitzender der Bürgerinitiative, in Richtung Michael Kleine-Hartlage, Geschäftsführer der Vebowag. Der ließ das Argument nicht gelten und sagte: "Das Gebäude des bestehenden Kindergartens ist nicht Teil der Denkmalliste. Wir verstoßen hier nicht gegen Gesetze." Kleine-Hartlage sagte, dass es sich um ein schwieriges Thema handele und man die Bürger "nicht überfahren" wolle. "Dass wir die Siedlung zubauen wollen, ist nicht so", betonte er.

Um Transparenz, offene Strukturen und die Berücksichtigung des historischen Kontextes ging es dem Architekten. Der Entwurf des eingeschossigen Komplexes nebst Staffelgeschossen in einer Höhe von 7,50 Meter konnte die Bürger allerdings nicht überzeugen. "Wir sind verwundert über die Vergrößerung der Baufläche", meinte Rolf Fischer. Kleine-Hartlage sah das anders: "Architektur braucht ihre Proportionen."

Neben Denkmalschutz und Bauvolumen sorgte auch die Frage nach dem künftigen Kindergartenbetreiber für teils heftige Diskussionen. Im Gespräch ist der Betreiber "Max and Mary", der bereits auf dem Venusberg und in der Kurfürstenallee Kitas betreibt. "Dann haben wir hier nur noch die Kinder von Wohlhabenden", so eine Bürgerin.

Michael Kleine-Hartlage stellte allerdings klar, dass die Betreiberfrage zurzeit noch offen sei. Klar ist: Der Abrissantrag für den alten Montessori-Kindergarten ist gestellt. Grünes Licht erwartet Kleine-Hartlage im Verlauf dieses Jahres. Bis dahin, so einigte man sich, soll ein Mediationsprozess zwischen den Bürgern und der Vebowag in Gang gesetzt werden. "Da muss dann aber Grundsätzliches auf den Tisch und nicht nur Detailfragen", gab sich Fischer kampfbereit.

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