Entscheidung im Januar: Bürger demonstrieren für das Kleine Theater Bad Godesberg

Entscheidung im Januar : Bürger demonstrieren für das Kleine Theater Bad Godesberg

Godesberger befürchten die Schließung des Kleinen Theaters und haben dagegen protestiert. Die Stadt trifft im Januar die Entscheidung über die Zukunft des Kulturbetriebes.

Gerührt stand Walter Ullrich am kalten Montagabend vor seinem Kleinen Theater. „Dass die Godesberger einmal für den Erhalt meiner Arbeit demonstrieren würden, das hätte ich nicht gedacht“, sagte der 86-Jährige, während um ihn herum rund 50 Teilnehmer ihre Fackeln und Plakate hochreckten. Wie berichtet, muss sich bis Januar entscheiden, ob die Bürgergruppe um die Theatermacherin Bettina Montazem vom Eigentümer Stadt Planungssicherheit ab 2019 bekommt. Dann wird Ullrich, der das Haus seit 1969 zu einer vorzüglichen Theateradresse gemacht hat, in den Ruhestand gehen.

„Die Zeit drängt. Wir demonstrieren hier für eine positive Entscheidung der Stadt“, erklärte Initiator Holger Liczner, der die Aktion kurzfristig mit seiner Facebook-Gruppe „Du kommst aus Bad Godesberg, wenn...“ organisiert hatte. Er habe „eine schlechte Ahnung“, dass es zum derzeit angedachten Abriss der Stadthalle kommen könnte und damit auch das Ende des Kleinen Theaters besiegelt werde.

Angst vor Ausverkauf Bad Godesbergs

Das Haus habe sich einen treuen festen Stamm an Besuchern erarbeitet, und das Team um Montazem wolle nun auch junge Leute einbinden. „Das ist ein bewundernswerter Spagat. Hier wird eine Kultur der Vielfalt gepflegt, die wir unterstützen“, sagte Achim Haag für die Freunde der Kammerspiele. Ein kulturelles Kleinod wie das Theater Ullrichs dürfe nicht verscherbelt werden, meinten Peter Schmitz und Engelbert Buhren. „Auch unser Park muss erhalten bleiben“, forderte Karin Ulrich vor dem Hintergrund der Überlegung, für ein großes Zweispartenhaus die Stadthalle zu opfern (der GA berichtete). Hier gehe es doch ans Herz des Stadtteils, fürchteten Christina Santos und Ilse Maresch. Und Juppi Schaefer, Bezirksverordneter von „Die Godesberger“, ergänzte: „Godesberg wird wie ein Stiefkind Bonns behandelt.“ Es sei im Stadtteil durch den Wegfall von Kurfürstenbad und Rathaus schon arg düster geworden, stimmten Peter Schilling und Gisa Briesemeister zu.

Es sei noch ein schwerer Weg, die richtige Lösung für das Gesamtensemble gefährdeter Bauten zu finden, resümierte Joachim Schäfer vom Verein Bürger.Bad.Godesberg, der nebenan wieder Leben in die Trinkhalle an der Stadthalle gebracht hat. Es müsse eine langfristige weitere Nutzung des Kleinen Theaters besiegelt werden. „Denn mit seiner hohen Abonnentenzahl wirkt es auch heute als wichtiges belebendes Element im Kurpark“, so Schäfer.

Das Kleine Theater Bad Godesberg war am Dienstagabend Thema im Wirtschaftsausschuss und kommt im Januar – jeweils im nicht öffentlichen Teil – in den Kulturausschuss, die Bezirksvertretung Bad Godesberg und den Stadtrat, wo ein Beschluss gefasst werden soll. Das teilt die Verwaltung mit.

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