Feuerwehreinsatz in Bad Godesberg: Brennende Thujahecke löste Feuer in Schreinerei aus

Feuerwehreinsatz in Bad Godesberg : Brennende Thujahecke löste Feuer in Schreinerei aus

Ein Großaufgebot der Feuerwehr hat am Samstagnachmittag einen Brand nahe des Kinocenters Kinopolis in Bad Godesberg bekämpft. Das Feuer griff von einer Thujahecke auf das Gebäude über.

Nach einem Brand in einer Schreinerei in Bad Godesberg nahe des Kinocenters Kinopolis geht die Feuerwehr davon aus, dass das Feuer nicht im Gebäude ausgebrochen ist. „Es ist definitiv nicht im Werkstattbereich entstanden, sondern in einer angrenzenden Thujahecke an der Gasse zwischen Beethovenallee und Bürgerstraße“, sagte Einsatzleiter Albert Lehmann am Sonntagmittag auf Anfrage.

Ob Brandstiftung oder Fahrlässigkeit Auslöser waren, lasse sich noch nicht sagen. Wobei Lehmann eher auf Letzteres und damit eine vielleicht unachtsam weggeworfene Kippe tippt. „Es braucht nur zehn bis 15 Sekunden, dann gibt es wegen der Trockenheit im Innern der Hecke eine Durchzündung“, erklärte Lehmann. Begünstigend hinzu komme, dass die ätherischen Öle in der Pflanze wie Brandbeschleuniger wirkten. „Es hat also, wenn man so will, alles gepasst für das Brand: die Hecke, das alte Gebäude, das Lager mit dem trockenen Holz“, begründete der Einsatzleiter, was die Arbeit seiner 120 Feuerwehrleute erschwert habe.

Die ersten Schilderungen von Anrufern bei der Feuerwehr am Samstag um kurz nach 16 Uhr seien nicht dramatisch gewesen, sagt Einsatzleiter Albert Lehmann am Sonntag auf Nachfrage. „Als die Kollegen der Godesberger Wache beim Ausrücken die schwarze Rauchsäule sahen, haben sie sofort weitere Kräfte angefordert“, so Lehmann, der zu diesem Zeitpunkt noch beim Einsatz an der Quantiusstraße war.

Seit mehr als 120 Jahren erfüllt die als Familienbetrieb geführte Schreinerwerkstatt Ungerathen laut Homepage „kleine und große Träume aus Holz“. Um so tiefer sitzt der Schock bei den Betroffenen, was sich am Sonntag auf ihren Gesichtern ablesen lässt. Vor dem Haus haben sich Familienmitglieder versammelt, blättern in dicken Ordnern mit Versicherungsunterlagen. Schauen verzweifelt auf das, was von ihrem Lebenswerk übriggeblieben ist. Noch ist nicht der Zeitpunkt, Fragen zum Hier und Jetzt oder zur Zukunft zu stellen.

Das Feuer hatte am Samstag für einen Großeinsatz der Bonner Feuerwehr gesorgt. Mit einem massiven Löscheinsatz verhinderten die Einsatzkräfte eine Ausbreitung des Feuers auf benachbarte Gebäude.

Im Zusammenhang mit dem Brand gab die Feuerwehr Bonn über die Warnapp NINA für etwa eine Stunde auch eine amtliche Gefahrenmitteilung heraus und warnte vor möglichen Gesundheitsgefahren. Wegen des Brandrauchs und einer erheblichen Geruchsbelästigung wurden Menschen in der Bad Godesberger Innenstadt aufgefordert, sich in geschlossene Räume zu begeben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zudem sollten Lüftungs- und Klimaanlagen ausgeschaltet werden.

120 Feuerwehrkräfte im Einsatz

Die Bonner Feuerwehr war mit rund 120 Kräften ab etwa 16.15 Uhr in Bad Godesberg im Einsatz. An der Beethovenallee, direkt an einer öffentlichen Parkfläche hinter der Bahn und dem Kinocenter Kinopolis, war ein Feuer in unmittelbarer Nähe der Schreinerei Ungerathen ausgebrochen und hatte sich anschließend auf das Gebäude ausgebreitet.

Die ersten Einsatzkräfte versuchten demnach, zunächst über eine Drehleiter sowie im Innerein des Gebäudes das Feuer zu bekämpfen. Da sich die Flammen besonders schnell ausbreiteten, mussten die Kräfte das Gebäude schließlich verlassen.

Daraufhin wurden weitere Feuerwehrkräfte hinzugezogen - unter anderem aus den Feuerwachen 1 und 2 sowie sämtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Bad Godesberg und Bonn. Mit mehreren Einsatztrupps und drei Drehleitern bekämpften die Rettungskräfte schließlich das Feuer, das inzwischen das Lager und den Dachstuhl des angebauten Wohngebäudes erreicht hatte.

Wohnungen evakuiert

Da die Flammen drohten, auch noch auf benachbarte Wohnhäuser überzugreifen, mussten die angrenzenden Wohnungen evakuiert werden. Auch wegen der massiven Rauchentwicklung forderten die Einsatzleitung und die Polizei rund 30 Anwohner der direkt umliegenden Gebäude auf, ihre Wohnungen zu verlassen.

Ein Passant verletzte sich durch den Brand leicht. Mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung untersuchte ihn der Rettungsdienst an der Einsatzstelle. Er musste aber nicht im Krankenhaus behandelt werden.

Kurz nach 19 Uhr konnte die Einsatzleitung vermelden, dass die Löschmaßnahmen Erfolg zeigten und der Brand unter Kontrolle war. Die Nachlösch- und Aufräumarbeiten dauerten allerdings noch bis in die späten Abendstunden an. Der Sachschaden beläuft sich nach Angaben der Bonner Polizei auf rund 150.000 Euro.

Dichter Qualm am Einsatzort

Über dem Einsatzort stand über einen längeren Zeitraum eine größere Rauchwolke. Laut unserem Reporter vor Ort konnte man zwischenzeitlich in einem Teil der Straße kaum noch etwas sehen, so dicht war der Qualm. Immer wieder waren zudem Verpuffungen zu hören.

Die Einsatzleitung wurde von den beiden erfahrenen Führungskräften Heiko Basten und Albert Lehmann übernommen.

Die Polizei hatte das Gebiet in einem Umkreis von rund 500 Metern abgesperrt und versuchte, die zahlreichen Schaulustigen abzuhalten.

Komplette Feuerwehr von Bonn im Einsatz

Der Brandeinsatz in der Schreinerei forderte den Einsatz von rund 120 Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr, der Löscheinheiten Kessenich, Bad Godesberg, Lannesdorf, Mehlem, Geislar, Oberkassel und Röttgen der Freiwilligen Feuerwehr, des Einsatzführungsdienstes sowie des Pressedienstes. Eine Betreuungseinheit des Deutschen Roten Kreuzes übernahm die Versorgung der Einsatzkräfte mit Getränken und Verpflegung.

Laut Einsatzleiter Albert Lehmann waren zwischenzeitlich sämtliche diensthabenden Feuerwehrkräfte Bonns im Einsatz. Während sich die einen Feuerwehrleute um den Brand in Bad Godesberg kümmerten, musste die restliche Mannschaft der Feuerwache 1 eine entgleiste Straßenbahn in der Bonner Innenstadt bergen.

Polizei geht Zeugenhinweis nach

Ein 17 Jahre alter Zeuge erklärte am Sonntagmorgen gegenüber dem General-Anzeiger, dass er gestern gegen 15 Uhr verdächtige Beobachtungen auf dem kurzen Gehweg zwischen Beethovenallee und der Bürgerstraße gemacht haben will. Dieser Gehweg verläuft unmittelbar zwischen der Schreinerei, in der die Feuerwehr gestern über Stunden einen Großbrand löschen musste, und der Bahnlinie. Demnach hielten sich dort in dem Bereich zwei Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren auf.

Die Bonner Polizei will dem Zeugenhinweis nun nachgehen. Aber auch, weil das Feuer erst eineinhalb Stunden später ausbrach, ist ein Zusammenhang unklar und die Polizei sucht nach weiteren Zeugen, die am Samstagnachmittag - insbesondere in der Zeit zwischen 16 und 17 Uhr - an der Beethovenallee verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Um Hinweise wird unter der Rufnummer 0228/150 gebeten.

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