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Naturdenkmal: Bonns älteste Hainbuche vor dem Schaumburger Hof gerettet

Naturdenkmal : Bonns älteste Hainbuche vor dem Schaumburger Hof gerettet

Sie ist eine alte Dame, die Hainbuche vor dem Schaumburger Hof. 300 Jahre ist sie alt und von den Jahrhunderten gezeichnet. Sie kränkelt, doch eine Fällung ist abgewendet. Die Stadt hat ihr eine Behandlung verschrieben.

Die steinalte Dame hat schon viel Wasser den Rhein runterlaufen sehen. Jetzt kränkelt sie. So stark, dass die Stadt ihr eine Behandlung verordnet. Doch im Alter von mehr als 300 Jahren ist auch manches Zipperlein zu erwarten. Bei der Hainbuche, Carpinus betulus, auf der Terrasse des Schaumburger Hofs handelt es sich um das älteste Exemplar seiner Art der Stadt, wie es Pächter Karl-Heinz Burkat versichert – ein Naturdenkmal, das es zu erhalten gilt.

Die prächtige grüne Krone, unter der Engländer gerade zu Mittag essen, lässt kaum vermuten, dass die Buche nicht mehr gut im Saft steht. Doch längst halten Stützen sie aufrecht, mit dicken Schrauben befestigte Stahlseile die Äste im Zaum. „Der Baum verbreitet eine gemütliche Atmosphäre“, sagt Burkat, viele Gäste würden ihn darauf und auch die mehr als 250 Jahre alten Linden im Biergarten ansprechen. Die waren selbst Heinriche Heine aufgefallen, der von Paris aus in einem Gedicht von dem Lokal schwärmte. Die Zeilen stehen an der Fassade des Hofs (siehe Text „Heinrich Heine am Rhein“).

Das Naturdenkmal hat keinen Namen, nur eine Nummer: 63.2. „Der Baum weist einen Stammumfang von über 200 Zentimetern auf, wobei der Stamm drehwüchsig ist, und besitzt eine hochgewölbte und rundliche Krone. Der ursprüngliche Schnitt des Baumes war ein Kopfbaumschnitt“, teilt die Stadt in einer Mitteilung an den Naturschutzbeirat mit. Bei der jüngsten Kronenpflege sei aufgefallen, dass die Buche abgängig sei. Mit anderen Worten: Sie ist sehr krank. Diese Vitaliätsstufe vier kommt vor der fünften und letzten – abgestorben.

Fällung oder eine deutliche Kroneneinkürzung

Damit im Biergarten und auf der Promenade niemandem etwas passiert, war schon häufiger der Baumchirurg am Rhein, um 63.2. mit Kronenankern, Betonfüllungen und Holzstützen am Leben zu erhalten. In den 70er und 80er Jahren war das laut Stadt gängige Praxis. Die daraus entstandenen morschen Stellen, Rindennekrosen und Pilzinfektionen hat sich vor 15 Jahren ein städtischer Baumsachverständiger angeschaut und sagte voraus, dass es dem Patienten in den folgenden 20 Jahren immer schlechter gehen würde. Der mittlere Stamm und einzelne Seitenpartien sterben nun schon ab.

Die Stadt kommt zu dem Ergebnis, dass eine Fällung oder eine deutliche Kroneneinkürzung nötig sind, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Je mehr Laub die Buche trägt, desto wichtiger sei es zu handeln, weil die Äste immer schwerer würden. In Absprache mit dem Eigentümer wird nun die Krone auf vier bis sieben Meter gestutzt. Sie soll dabei ihre Kontur behalten. Mit ihren Baumhöhlen bietet die Buche als Habitatbaum übrigens Fledermäusen, Vögeln, Insekten, Flechten und Pilzen einen wertvollen Lebensraum und macht sich so im hohen Alter noch nützlich.

Die Entfernung, Zerstörung oder Veränderung von Naturdenkmalen ist übrigens verboten. Man darf keine Zweige abbrechen oder das Wurzelwerk verletzen – es sei denn, es handelt sich um Pflegemaßnahmen. Normalerweise werde Hainbuchen rund 150 Jahre alt. Ein besonders altes Exemplar steht an der Dorfkirche in Rheinberg-Orsoy – es wurde um 1560 gepflanzt.