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Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“: Bonnerin begleitet Schwerkranke bis zum Lebensende

Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“ : Bonnerin begleitet Schwerkranke bis zum Lebensende

Maria Maul ist als ambulante Palliativschwester für die Bürgerstiftung Rheinviertel im Einsatz. Jährlich begleitet sie etwa 40 bis 50 Schwerstkranke in Bad Godesberg bis zu ihrem Tod.

Mit der eigenen Sterblichkeit setzt sich wohl niemand gern auseinander. Selbst in Zeiten einer Conora-Pandemie verdrängen viele den Gedanken, dass sie infiziert werden und die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen könnte. Doch es gibt Menschen, die werden quasi täglich mit dem Tod konfrontiert. So wie Maria Maul. Die 57-Jährige ist – genau wie ihre Kollegin Claudia Reifenberg – für die Bürgerstiftung Rheinviertel als ambulante Palliativschwester im Einsatz, begleitet jährlich 40 bis 50 Schwerstkranke, Sterbende und auch deren Angehörige bis zum Schluss.

Besteht keine Chance auf Heilung und der Patient verspürt das Bedürfnis, zu Hause zu versterben, „dann kommen wir ins Spiel“, sagt Maul, die mit ihrem Mann in der Nähe der Waldau wohnt. Zeitnah werde ein Termin verabredet, um die Gesamtsituation kennenzulernen. „So können wir sehen, was gebraucht und was gewünscht wird. Und was eben nicht“, erklärt die Bonnerin.

Es gilt, unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. So pflegen die Palliativschwestern intensiven Kontakt zu Wohlfahrtsorganisationen und medizinischen Einrichtungen, stehen in Kontakt mit Seelsorgern und helfen, wann immer sie gebraucht werden – egal ob Schmerzen gelindert, ein Rollstuhl beschafft oder ein Rezept abgeholt werden muss. Und das rund um die Uhr, unabhängig von Religion und Konfession. Einzige Bedingung: Der Betroffene muss in Bad Godesberg wohnen.

In der Betreuung, so Maul, verfügen die Palliativschwestern über einen großen Luxus: „Wir haben Zeit.“ Angesiedelt bei der Caritas, wird das Angebot nämlich von der Bürgerstiftung Rheinviertel refinanziert. So können sich die beiden ausschließlich den Aufgaben des ambulanten Palliativdienstes widmen. Und müssen weder auf die Uhr noch auf die Abrechnung der Krankenkasse blicken. Im Gegensatz zu einigen Pflegediensten, deren zwangsläufiger Zeitdruck die nahe, individuelle Betreuung oftmals erschwert.

So kommt es zu vielen persönlichen Geschichten. Da war die Patientin, mit der Maul regelmäßig ein Marienlied gesungen hat. Oder die Frau, die sich in der Nacht meldete, „weil sie so fror“. Ein schwarzer Tee mit viel Zucker und Rum sorgte für Abhilfe. „Sie hat mir erzählt, dass ihre Mutter den immer zubereitet hat, wenn sie aus dem Luftschutzbunker kamen“, erinnert sich die 57-Jährige, die – genau wie Reifenberg – vor ihrem Wechsel 2015 nach Bad Godesberg in der Onkologie der Uniklinik tätig war und den ambulanten Palliativdienst für Kinder mit aufgebaut hat. Die Veränderung hat sie übrigens nie bereut. Auch wenn die 24-Stunden-Rufbereitschaft das Privatleben der zweifachen Mutter und Großmutter einschränkt, Chorproben und Schwimmen ab und zu verschoben werden müssen.

Deutlich verändert hat sich ihr Tun in der Coronakrise nicht, sagt Maul. Einfluss aber hat sie schon. „Ich trage immer einen Mundschutz und Handschuhe, wenn ich bei den Patienten bin.“ Behandlungen mit Ölen oder ähnlichem, die sie normalerweise durchführt, „überlasse ich wenn es geht den Angehörigen“. Außerdem werden Fragen nach Möglichkeit telefonisch geklärt. Insgesamt herrsche Verständnis. Dass Besuche minimiert würden, „ist für viele schwer, aber nachvollziehbar“.

Schwierig sei es für diejenigen, die zu Behandlungen ins Krankenhaus müssten. „Die Angehörigen dürfen nicht mehr mitgehen“, so Maul. Die Folge: „Die Patienten haben schon Angst.“ Das spiegele sich unter anderem in den Gesprächen wider. Sie versuche, die Situation ernst zu nehmen, „aber keine Panik aufkommen zu lassen“. Auch die Zusammenarbeit, der Austausch mit niedergelassenen Ärzten ist schwieriger. „Früher ist man schnell in die Praxis gegangen, das ist nicht mehr möglich.“