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Bonn: Ehemalige Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft erinnern sich

„So wie in Bonn, das war einmalig“ : Ehemalige Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft erinnern sich

Ehemalige Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Bad Godesberg erinnern sich gerne an die Zeit am Rhein. In ihrem Fazit sind sie sich einig: „So wie in Bonn, das gibt es nie mehr wieder. Das war einmalig.“

Nicht immer und nicht alles war perfekt, aber man hatte seinen Spaß und fühlte sich so wohl wie sonst nirgendwo. Das war das Fazit der rund 20 ehemaligen Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Bad Godesberg bei ihrem halbjährlichen Treffen im Viertel. Das Arbeitsklima und die Atmosphäre seien einmalig gewesen und nicht wiederholbar.

„Wir treffen uns zweimal im Jahr, seit 2000 die amerikanische Botschaft hier weggezogen ist“, sagte Mitorganisatorin Manuela Lömpke. Zusammen mit Ihrem Mann pflegt sie eine Liste mit rund 60 Ehemaligen, die sie nun schon zum 40. Mal mit Informationen zu Ort und Zeit des Treffens angeschrieben hatte. „Es kann nicht jeder immer dazukommen, aber wir sind meistens zwischen 20 und 40 Leute“, resümierte Norbert Engels, der fast immer dabei ist. Zusammen mit seinen ebenfalls vertretenen Kollegen Andrea Hauch und Gerhard Erfmann hatte er damals in der IT der Botschaft gearbeitet. „Da hatte man mit allen Abteilungen zu tun, weil jeder mit einem Computern arbeitete“, erinnerte er sich.

Immer Spaß bei der Arbeit

Mit seinen Kollegen habe er sich ein langgezogenes Büro geteilt, in dem man auf Rollenstühlen von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz gerollt sei. „Wir haben den Leuten keine Programme übergestülpt, sondern die Software genau auf deren Bedarf zugeschnitten“, berichtete Engels. Das Besondere an der Zeit sei gewesen, dass man immer Spaß bei der Arbeit hatte. „Es hat tatsächlich einmal eine Beschwerde bei unserer Chefin über uns gegeben. Da hatte uns ein Amerikaner lachen gehört“, erzählte Engels. Der Mann habe sich einfach nicht vorstellen können, dass man in einem guten Team arbeiten und gleichzeitig lachen kann, so der ehemalige IT-Mitarbeiter. „Ich will euch das Lachen ja nicht verbieten, aber lacht bitte ein bisschen leiser“, habe die Chefin damals gebeten, erinnerten sich die drei Kollegen – und lachten.

Seit 20 Jahren treffen sich die ehemaligen Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Bonn. Foto: Petra Reuter

Fast wie ein Staat in der Stadt verfügte die Botschaft seinerzeit über eigene Abteilungen für jedes Ministerium, es gab Werkstätten, Wohnraum innerhalb der amerikanischen Siedlung und natürlich den Neubau der Hochkommission, den man wegen der Hochwassergefahr auf Säulen platziert hatte. Tatsächlich sei man dort einmal bei Hochwasser mit dem Boot zu den Räumen in der ersten Etage gefahren, erzählte Architekt Harald Nethe, ebenfalls ein Ehemaliger.

Ein ausgeklügeltes System

Damals hatten sich die Amerikaner ein ausgeklügeltes System ausgedacht, um die Amerikanische Siedlung und die zur Botschaft gehörenden Gebäude schnell und effektiv aus dem Boden zu stampfen. „Es gab Bauelemente aus Holz, die hatten alle in etwa die Maße 1,25 mal 2,5 Meter“, so Nethe. „Das hatte den Vorteil, dass jeder Schreiner in Bonn solche Elemente problemlos herstellen konnte.“ Deshalb sei die Siedlung so schnell gewachsen. Später seien die Amerikaner für die Botschaften und für repräsentative Gebäude zu Stahl- und Glaskonstruktionen übergegangen, erinnerte er sich.

Auch erschreckende Momente habe es in der Botschaft gegeben, erzählten die Ehemaligen unisono. So an dem Abend, an dem die Botschaft im Schloss Deichmannsaue von Mitgliedern der Roten Armee Fraktion (RAF) beschossen wurde. „Ich dachte zuerst, dass sich die Marines einen Spaß erlauben oder dass das irgendeine Übung ist, als da die Munition an uns vorbeischoss“, sagte Engels. Wie ernst die Lage war, wurde jedoch schnell klar. „Eigentlich hatte ich bald nach Hause gehen wollen, aber daraus ist nichts geworden“, erinnerte sich Lömpke. Stundenlang blieben sicherheitshalber alle im Gebäude, bis die Situation geklärt war. „Erst weit nach Mitternacht konnte ich rausgehen“, so Lömpke. Bis dahin hatte sie Telefonate der Behörden und der Pressestellen gemanagt und war so auf dem aktuellen Stand. „Das war schon ziemlich aufregend.“

Trotz aller spannenden Geschehnisse und vielen herausfordernden Aufgaben habe die Stimmung im Team aber nie gelitten. „Wir haben nie versucht, uns gegenseitig auszustechen“, dachte Engels laut über einen möglichen Grund des guten Miteinanders nach. Es könne aber auch sein, dass es einfach die Mentalität des Rheinlandes gewesen sei, die das „Social life“ der Deutschen wie der Amerikaner so gut gefördert habe. Einig waren sie sich jedenfalls zusammen mit vielen amerikanischen Kollegen, die ebenso wie sie selbst noch heute sagen würden: „So wie in Bonn, das gibt es nie mehr wieder. Das war einmalig.“