Waldweihnacht in Friesdorf: Bob Dylans Worte erklingen vor dem Schloss

Waldweihnacht in Friesdorf : Bob Dylans Worte erklingen vor dem Schloss

Mehr als 200 Gläubige folgen der Einladung der Thomas-Kirchengemeinde zur Waldweihnacht. Es gibt schon eine regelrechte Fangemeinde.

Auch plötzlich einsetzender Regen verbunden mit heftigen Böen konnte den Anhängern der Waldweihnacht nichts anhaben. Mehr als 200 Besucher widerstanden am Annaberger Schloss den Unbillen des Wetters. Die evangelische Thomas-Kirchengemeinde aus Friesdorf mit Pfarrer Siegfried Eckert hatte zur Open-Air-Andacht am zweiten Weihnachtstag eingeladen.

Noch bei der Mikrofonprobe eine halbe Stunde vor Beginn scherzte Eckert mit den ersten Besuchern, ob sie sich auch Sonnencreme mitgebracht hätten. Denn zu diesem Zeitpunkt herrschte noch eitel Sonnenschein. Doch pünktlich zu Beginn mussten die vorsorglich mitgebrachten Regenschirme aufgespannt werden.

Überhaupt schienen die Besucher dem Wetterbericht gut zugehört zu haben, denn sie waren praktisch gekleidet. Kein Sonntagsstaat, sondern regenfeste Kleidung und wetterfestes Schuhwerk war allgemein angesagt.

„Das sind hier oben nicht unsere klassischen Kirchenbesucher“, meinte Küster Daniel Müller. „Hierher kommen ganz andere Leute als in den Gottesdienst. Es hat sich in den vergangenen Jahren eine eigene Fangemeinde herausgebildet“, ergänzte er.

Seit acht Jahren findet die Waldweihnacht, die nicht nur von evangelischen Gläubigen besucht wird, auf dem Schlosshof statt. Die Andacht stand unter dem Motto „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Pfarrer Eckert kam gar nicht umhin, die Ereignisse von Berlin voranzustellen. „Wie kann man danach Weihnachten feiern und “O du Fröhliche„ singen“, fragte er rhetorisch.

Sich jetzt zurückzuziehen und nur noch in Sack und Asche zu gehen, das wäre keine Lösung, meinte er und empfahl: „Feiern wir, aber immer eingedenk, in welchen Zeiten wir leben.“ Und dabei vergaß er auch die Schicksale der Flüchtlinge nicht.

Vielleicht für den einen oder anderen Besucher überraschend ging er auf den Literaturnobelpreisträger Bob Dylan ein. Er zitierte dessen Lied „Blowing in the wind“ auf Deutsch und setzte den Text einem Gebet gleich. Danach wurde das Lied von der gesamten Gemeinde im Originaltext gesungen, wie alle Lieder begleitet vom evangelischen Posaunenchor.

Im Anschluss waren alle Gäste in die festlichen Innenräume des Schlosses zu Punsch, Glühwein und Plätzchen eingeladen.