Autos, Kissen und „Kuschelsteine“: Bildhauerin Karin Humberg eröffnet Skulpturenpark in Mehlem

Autos, Kissen und „Kuschelsteine“ : Bildhauerin Karin Humberg eröffnet Skulpturenpark in Mehlem

Mehlem. Gegenüber der ehemaligen US-amerikanischen Botschaft eröffnet am Samstag um 14 Uhr ein Skulpturenpark mit einer Vernissage: Karin Humberg, Bildhauerin und ehemalige künstlerische Mitarbeiterin der Alanus Hochschule, hat eine 2000 Quadratmeter große Fläche am Eingang des Areals an der Deichmannsaue 70 mit rund 60 ihrer meist großformatigen Steinskulpturen bestückt.

„Ich kann hier mein ganzes künstlerisches Schaffen der vergangenen 15 Jahre mitten in die Natur setzen“, sagt Humberg, die zur Vorstellung ihrer Kunst aus ihrer Werkstatt in einem ehemaligen Gärtnerhaus tritt. In den Regalen sind jede Menge Werkzeuge verstaut, die die Künstlerin für die Behandlung des schweren Materials braucht. Am Ofen wärmt sich indes Humbergs Hündin Paula, die bei jedem neuen Projekt ihres Frauchens mit dabei ist, sich aber an diesem ungemütlichen Winternachmittag lieber weiter in der Werkstatt versteckt.

Humberg steuert auf das mit Laub bedeckte Terrain an der Deichmannsaue zu, das über Jahre ungenutzt und völlig überwuchert war. Die dortige Flora wird von großen Laubbäumen bestimmt, an deren Stämmen sich Efeu hochwindet. In den vergangenen Wochen sorgten Bildhauerei-Studenten der Alanus für Ordnung. Sie rodeten, sägten, gruben Fundamente für die Werke der Künstlerin und verlegten Betonplatten, berichtet Humberg, die 2005 ihr Diplom an der Hochschule machte.

„Ohne die Hilfe meines Bildhauerkollegen Loïc Devaux als Projektleiter und der Studenten hätte ich das Ganze niemals realisieren können. So ist ein kleiner Traum von mir in Erfüllung gegangen“, sagt Humberg. Ihr künstlerischer Partner Devaux, der kurz zuvor zu der Vorstellung des Parks dazugekommen ist, steht neben ihr und lächelt.

Sie hätten beide den Park kuratiert, das heißt die Verteilung der Kunstwerke vorgenommen. „Manchmal haben wir etwas gestritten, uns dann aber immer geeinigt“, blickt Humberg zurück. Figürliche und abstrakte Kunst in der Natur zu platzieren, heiße, sie in einen neuen Zusammenhang zu bringen, Verbindungen zu schaffen und Kommunikationswege offen zu legen, fügt Devaux an.

Er zeigt hinüber auf ein großes steinernes Ensemble, dass drei Autos darstellen soll, von denen eines gerade einen Hügel hinab in einen Baum fährt. „Und mein Ampelmann steht daneben“, ergänzt Humberg und deutet auf eine von ihr gestaltete und stark abstrahierte Steinfigur. Dann stellt sie eine weitere Figur vor. „Das hier ist mein Mäuerchen aus norwegischem Labradorstein“, sagt sie und streicht über ihre „Kuschel-Rocks“, also „Kuschelsteine“ – so nennt sie zwei riesige Steine, die sich fast aneinander anzuschmiegen scheinen.

Nur einen Steinwurf entfernt steht die „Dusche“, in die Humberg Seife und Duschgel aus schneeweißem Marmor hineingestellt hat. „Das hier sind meine Kissen“, so Humberg zu einem weiteren Ensemble auf dem Blätterboden. Eine Brücke und Türme in den Formen von Kissen sind in einer Gruppe unter den Bäume arrangiert.

Dann erzählt die Bildhauerin, warum sie sich für Stein als das Material ihrer Wahl entschieden hat. „Stein bearbeitet sich so gut“, schwärmt Humberg. Schon als sie mit dem Alanus-Kurs von Professor Andreas Kienlin 2005 zum ersten Mal nach Norwegen gereist sei, habe sie ihre Leidenschaft für das harte Material entdeckt. Seither habe sie jedes Jahr zwei Monate intensiv damit vor Ort gearbeitet.

„Wenn ein Kunstwerk entsteht, will ich es fühlen und sehen. Ich will spüren, wie der Stein mitmacht und sich freut, unter meinen Händen bearbeitet zu werden“, sagt Humberg und führt weiter durch ihren Skulpturenpark. Der anliegende Gartengestalter sei übrigens erst zurückhaltend gewesen, als sie Ihren Teil des Grundstücks anmietete, erzählt sie. „Und dann hat er bei mir Skulpturen für seinen Garten bestellt.“ Regelmäßig öffentlich zugänglich ist der Skulpturenpark ab Frühjahr.

Mehr von GA BONN