Erinnerung an Synagoge: Beschwerde über Zustand des Mahnmals in Mehlem

Erinnerung an Synagoge : Beschwerde über Zustand des Mahnmals in Mehlem

Brigitte Uhl, die Witwe des Initiators, beklagt den Zustand des jüdischen Mahnmals in Mehlem. Die Stadt will die Situation an der Meckenheimer Straße überprüfen.

Etwas unscheinbar hängt die graue Gedenktafel an der Mauer der École de Gaulle-Adenauer. Das, was nicht vergessen werden darf, wirkt etwas vergessen: Denn grünes Moos wächst um das Schild herum, das an die Synagoge erinnern soll, und nicht weit steht ein weißer Telefonkasten.

Eine würdige Gedenkstätte sieht in den Augen von Brigitte Uhl anders aus. Die Tafel an der Meckenheimer Straße sei ein Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes. 1989 habe er sich mit der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde in Mehlem für das Mahnmal eingesetzt. Das Engagement zur Erhaltung jüdischer Geschichte habe sich aus einem seit vielen Jahren geführten Dialog zwischen Christen und Juden entwickelt.

Reste der Metallverzierungen 2010 entdeckt

Der Wachtberger Harald Uhl sei auch sofort zur Stelle gewesen, als 2010 bei Bauarbeiten auf dem Grundstück der Französischen Schule verrostete Metallverzierungen gefunden wurden. Der Heimatforscher äußerte damals die Vermutung, dass es sich bei den Ausgrabungen um Verzierungen der zerstörten Synagoge handeln müsse (der General-Anzeiger berichtete). Seine Frau bewahrt sein Erbe.

Jedes Jahr gäbe es am 8. November eine Führung über den jüdischen Friedhof und eine Andacht bei der Gedenktafel. Letztes Jahr leitete die Führung Barbara Hausmanns von der VHS Voreifel. Beim Rundgang sei auch den anderen Teilnehmern der Zustand der Mauer aufgefallen. Die Mauer mache einen verwahrlosten Eindruck, sagt Uhl. Die Stadt Bonn müsse hier dringend etwas tun. Auf GA-Nachfrage teilte diese mit, dass das Grundstück der Französischen Schule, also auch die Mauer, städtisches Eigentum sei. Pflege- und Instandsetzungsarbeiten würden daher in ihren Verantwortungsbereich fallen. Das Städtische Gebäudemanagement werde den Zustand der Mauer prüfen.

Die Synagoge wurde 1939 zerstört

Der Vorsitzende des Godesberger Heimatvereins Martin Ammermüller wollte nicht über den Zustand der Gedenkstätte urteilen, da er schon lange nicht mehr dort gewesen sei. Allerdings wären nasse Kupfertafeln auch nicht gut lesbar. Der Heimatverein verwende ausschließlich Glastafeln, die nicht so pflegebedürftig wären.

Die Synagoge war in der Reichspogromnacht 1939 von Nationalsozialisten zerstört worden. Die Ruine soll daraufhin abgetragen worden sein. In einem Godesberger Heimatblatt von 1990 hat Hans Kleinpass ein Bild der Tafel festgehalten. Auf der 60 mal 80 Zentimeter großen Tafel aus Grauguss ist ein siebenarmiger Leuchter zu sehen – das Symbol des jüdischen Glaubens. Geschrieben steht dort: Zum Gedenken an alle durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft verfolgten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger und an die hier 1875 eingeweihte, am 10. November 1938 zerstörte Synagoge.

Mehr von GA BONN