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Kinder lernen Tischmanieren: Benimm ist in

Kinder lernen Tischmanieren : Benimm ist in

Wie isst man Salat richtig? Darf man Brot schneiden? Und wie benimmt man sich eigentlich in einem Sterne-Restaurant? Catrin Belmessieri gibt Antworten. Und bringt Kindern Tischmanieren, Stil und Etikette bei

Da wäre Luca beinahe die Serviette runtergefallen. "Kein Problem, du legst sie einfach wieder auf deinen Schoß", sagt Catrin Belmessieri. Die Veranstaltungskauffrau war 16 Jahre lang bei der Messe Düsseldorf fürs Protokoll zuständig. "Da, wo Minister und auch mal Könige gespeist haben", blickt sie zurück.

Jetzt bringt sie an einem fein gedeckten Mittagstisch auf dem Heiderhof dem Nachwuchs Stil und Etikette bei. Dem zehnjährigen Luca Weißbeck und seinen Freunden serviert sie als Vorspeise einen Salat. Und zwar vorsichtig, jeglichen Körperkontakt meidend. Die vier Kinder warten gespannt, wann es losgehen kann.

Die Mutter habe diesen Kurs für sie gebucht, berichtet Lucas Bruder Felix, nachdem man sich guten Appetit gewünscht hat. "Aber wir wollten das auch: sicher sein, sich nächstes Mal in einem feinen Restaurant richtig zu benehmen", sagt der Zwölfjährige und setzt mit der Gabel an. Den Salat auf keinen Fall zu schneiden, sondern zu piksen, hat Belmessieri sie zuvor gelehrt. "Und wenn der Salat nicht will?", fragt die neunjährige Luisa Kurpiers.

Dann möge sie ihn doch ein wenig mit Brot in Position schieben, erklärt die Benimm-Lehrerin. "Aber das Brot nicht schneiden, sondern brechen", erinnert Luisas großer Bruder Julian an die erste Lektion dieses Mittags. Erfolgreich drückt Luisa mit einem Bröckchen gegen das widerspenstige Salatblatt. "Geschafft", strahlt von der anderen Tischseite auch ihr elfjähriger Bruder. Plötzlich klappt das mit der Vorspeise ganz wunderbar.

Zumal die Vier auch die Trinklektion verinnerlicht haben. "Das Glas nicht am Stiel, nicht am Sockel und auf keinen Fall oben anfassen, sonst bleiben Fingerabdrücke", sagt Felix. Seine Finger umspannen nur die Wölbung. Mit kleinen Filmsequenzen präsentiert Belmessieri zwischen den Gängen weitere Benimm-Regeln und hat ein lustiges Quiz vorbereitet. Da wird etwa erwartet, dass man immer zuerst seinem Tischnachbarn etwas anbietet und sich dann erst selbst bedient.

"Diese Vier können schon vieles. Man merkt, dass die Eltern sich darum kümmern", lobt die Lehrerin. Andererseits sei es etwas anderes, wenn einmal nicht die Eltern am guten Benehmen feilten. "Als Mutter kann man ja 50 Mal am Tag etwas sagen, und das Kind tut es noch lange nicht", weiß Belmessieri aus eigener Erfahrung. Ihren Benimm-Kurs kann sie auf verschiedene Altersstufen zuschneiden. Sie kennt ihre Pappenheimer. Für eine Firma führte sie zahlreiche Bewerbungsgespräche. "Da sieht man, wie egal vielen Jugendlichen die elementarsten Regeln sind."

Was auf ihre heutigen Schüler keineswegs zutrifft. Diese Vier am überhaupt noch nicht bekleckerten Tisch schmatzen nicht, schlürfen nicht und rülpsen nicht. "Und wir popeln auch nicht in der Nase. Das wäre unappetitlich", sagt Luisa und kichert. Er fände es jetzt auch unmöglich, wenn einer in seinen Gameboy oder auf sein Handy starren würde, ergänzt Julian. Bei der nächsten Familienfeier wollen die Vier auf jeden Fall topfit sein. Wenn da nicht immer mal wieder Lucas Ellenbogen auf dem Tisch liegen würde. Erneut bekommt der Zehnjährige kurzzeitig DVDs unter die Arme geklemmt. "Ich glaube, jetzt kann ich's", sagt Luca. Und dann zeigt auch er, wie eine erstklassige Haltung über der Vorspeise auszusehen hat.

Info:
Kontakt zu Benimm-Kursen über Telefon 0228/92399510 oder www.belmessieri.de. Der vierstündige Kurs kostet inklusive Essen und Getränke 45 Euro. Geschwister erhalten Rabatt.