Rheinauenflohmarkt: Behinderter wundert sich: Auf einmal steht sein Auto nicht mehr an seinem Platz

Rheinauenflohmarkt : Behinderter wundert sich: Auf einmal steht sein Auto nicht mehr an seinem Platz

Das eigene Auto kann auch dann abgeschleppt werden, wenn man es rechtmäßig auf einem Behindertenparkplatz abgestellt hat. Diese leidvolle Erfahrung musste Jürgen Wahl am vergangenen Samstag machen.

Der 84-Jährige aus Wachtberg war morgens zum Flohmarkt in der Rheinaue gefahren, um seine Tochter an ihrem Stand zu besuchen. Gegen 8 Uhr parkte er seinen Wagen auf einem Behindertenparkplatz in der Nähe der Rheinaue - den Parkausweis gut sichtbar befestigt.

"Er ist stets oben an der Frontscheibe angebracht und sowohl von vorn wie durch das linke Türfenster lesbar", sagte Wahl. Außerdem hatte er sich davon überzeugt, dass dort mit entsprechender Berechtigung auch während des Flohmarkts geparkt werden durfte.

So ging er guten Gewissens zu seiner Tochter. Als er nach einer Weile etwas aus dem Auto holen wollte, war der Wagen weg, schildert Wahl. "Familienmitglieder und andere Passanten haben versucht herauszufinden, wo sich das Auto befindet." Denn einen Hinweis habe es nicht gegeben.

Schließlich fanden sie heraus, dass ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes veranlasst hatte, den Wagen abzuschleppen, und zwar ins Johanniterviertel. Dort befinde sich ein von der Abschleppfirma bewachter Platz, habe man ihm mitgeteilt.

Dort fand Wahl denn auch tatsächlich sein Fahrzeug, dass die Abschleppfirma auch sofort herausgab. Um Missverständnisse auszuräumen, schaute Wahl an seiner Scheibe nach. Und siehe da: "Der blaue Berechtigungsausweis befand sich unverändert an der selben Stelle", erzählt der 84-Jährige.

Er hatte sich nach dem Vorfall direkt an Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch gewendet. Denn nicht nur, dass der Wagen trotz Behindertenparkausweis abgeschleppt worden war: Ein Zeuge habe ihm außerdem berichtet, dass der städtische Mitarbeiter Fotos des Kennzeichens gemacht habe. Somit könnte es sein, dass er im Nachhinein noch zur Kasse gebeten werde, befürchtet der Wachtberger.

Nun wartet er auf eine Antwort - und ist auf jeden Fall ziemlich wütend. "Ich teile die Meinung aller Zeugen, dass das Abschleppen eine vollkommen unverständliche Haltung des/der Verantwortlichen war, verlange Aufklärung durch die Stadt Bonn und eine schriftliche Entschuldigung des Täters oder der Täterin", schreibt Jürgen Wahl in dem Brief an Nimptsch.

Er gehe davon aus, dass städtische Bedienstete sich vergewissern, ob auf einem Behindertenparkplatz legitim geparkt werde oder nicht, bevor sie "einfach alles abschleppen lassen, was da steht". Es sei unverschämt, "ein rechtmäßig auf einem Behindertenplatz parkendes Auto zu entfernen und dem Behinderten damit eine zusätzliche physische Belastung zuzumuten". Während versucht wurde, den Vorfall zu klären, habe er einen Schwächeanfall erlitten und zu seinem Zuhause in Wachtberg gebracht werden müssen.

"Die Mitarbeiter, die das Abschleppen veranlasst haben, haben den Ausweis nicht gesehen", sagte am Montag eine Sprecherin des städtischen Presseamts auf Anfrage des GA. Entweder sei er nicht da gewesen, oder man habe ihn übersehen. "Wenn das so ist, dann kann man sich nur entschuldigen und den Vorgang einstellen." Und: "Wenn der Ausweis gesehen worden wäre, dann wäre der Wagen auch nicht abgeschleppt worden", so die Sprecherin.

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