Kommentar zur Historie von Bad Godesberg: Bald ausgebadet?

Kommentar zur Historie von Bad Godesberg : Bald ausgebadet?

Seit 90 Jahren führt Godesberg den Titel Bad. Kurfürst Max Franz legte bereits Ende des 18. Jahrhunderts den Grundstein für das Badewesen.

Wie viel Bad steckt noch in Bad Godesberg, muss man angesichts des runden Geburtstags fragen. Vom großen Glanz des Kurorts zeugen heute vor allem die prächtigen Villen und die Bastei als repräsentativer Wasserbahnhof. Ansonsten sieht es trübe aus. Der Kurpark und die Kurfürstenquelle sind schon längst keine Touristenmagnete mehr. Jetzt steht auch noch die Schließung des maroden Kurfürstenbades im Raum.

Von ein paar wackeren Wassertrinkern, dem rührigen Heimatverein und den Lokalpolitikern abgesehen, scheint sich in Bonn kaum jemand für das Bad zu interessieren. Am Namen des Stadtbezirks wird zwar niemand rütteln wollen, doch es stellt sich die Frage, ob die historisch gewachsene Kurstadttradition die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Das mag auch daran liegen, dass Godesberg als Botschaftsstandort zuletzt wichtiger war. Inzwischen ist die Hauptstadtära aber ebenfalls ein historisches Kapitel und das Thema Gesundheit immerhin eine Säule des Strukturwandels nach dem Regierungsumzug.

Daraus macht die Stadt zu wenig. Sie überlässt den Kliniken und den privaten Vermittlern diverser Serviceleistungen, ihr Geschäft mit ausländischen Medizintouristen zu machen. Der Bau erster Boardinghouses als Unterkünfte für die Gäste aus dem arabischen Raum ist zwar ein erster Schritt. Die Bürger empfinden die aktuelle Situation im Kurbad aber vor allem als Belastung. Es muss viel mehr getan werden, damit die Akzeptanz dieses Wirtschaftszweiges wieder steigt.