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Picken kehrt zurück: Balagon legt Amt in Bad Godesberg nach sechs Monaten nieder

Picken kehrt zurück : Balagon legt Amt in Bad Godesberg nach sechs Monaten nieder

Weil er zunehmend überlastet war, hat der leitende Pfarrer von Bad Godesberger, Edward Balagon, um seine Entpflichtung gebeten. Bis ein Nachfolger gefunden ist, kehrt Stadtdechant Wolfgang Picken als Pfarrverweser an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Es ist eine Nachricht, mit der wohl die wenigsten gerechnet hätten: Edward Balagon hat darum gebeten, mit sofortiger Wirkung als leitender Pfarrer von Bad Godesberg entpflichtet zu werden. Der Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, hat das Gesuch mit Wirkung zum 17. März angenommen. Bis ein Nachfolger gefunden wird, wird Balagons Vorgänger die Geschicke in Rhein-, Süd- und Burgviertel leiten. Stadtdechant Wolfgang Picken kehrt als Pfarrverweser an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Vor gut sechs Monaten, im September 2019, hatte Picken Balagon in sein Amt eingeführt. Hatte er seine Aufgabe noch „mit großer Neugier und Freude“ begonnen, habe er sich mit den Aufgaben des leitenden Pfarrers zunehmend überlastet gefühlt, so Balagon in einem Schreiben an die Gemeinden in Bad Godesberg. „Von Woche zu Woche sind meine Zweifel immer mehr geworden, ob die Funktion des leitenden Pfarrers das richtige für mich ist“, schreibt der 37-Jährige, der am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war.

Dennoch habe er nicht nach zwei, drei Monaten das Handtuch werfen wollen und habe versucht, an sich zu arbeiten. „Es traten jedoch gesundheitliche Aspekte hervor, die ich zunächst nicht wahrhaben wollte, die aber stärker wurden.“ Zum Schluss, so beschreibt Balagon, habe er nicht einmal mehr funktioniert. „Nach außen hin habe ich versucht, mir nichts anmerken zu lassen.“ Wobei bestimmt spürbar gewesen sei, „dass ich mich immer mehr zurückgezogen habe“. Die Entscheidung habe er sich nicht leicht gemacht, jedoch schien es keinen anderen Ausweg mehr für ihn zu geben.

Stadtdechant und Pfarrverweser, Wolfgang Picken: „Ich kann nicht der Pfarrer von vorher sein.“   Foto: Ronald Friese

 Der Erzbischof habe aus Sorge um Pfarrer Edward Balagon dessen Verzicht annehmen müssen, so der Personalchef des Erzbistums, Pfarrer Mike Kolb. Man wünsche ihm viel Kraft und Gottvertrauen in der kommenden Zeit, in der es für ihn ruhiger werden wird. „Der Kardinal wird ihn zur Wiederherstellung seiner Gesundheit bis auf weiteres beurlauben.“

Wann die Ungewissheit ein Ende hat, kann noch nicht gesagt werden, so Kolb. Aber: „Trotz der gegenwärtigen personellen Situation im Erzbistum Köln hat die Nachbesetzung der Stelle für uns hohe Priorität.“ Ziel sei es, in den kommenden Monaten, spätestens im Frühjahr 2021 eine Lösung zu finden. „Zeitnah werden wir die vakante Stelle im Amtsblatt veröffentlichen“, teilt Kolb mit. Auch werde man erneut zu den Gremien im Seelsorgebereich schriftlich Kontakt aufnehmen „und um eine Stellungnahme zur Nachbesetzung bitten“. Der Erzbischof verbinde mit der Ernennung Pickens zum Pfarrverweser die Hoffnung, „dass aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Vorgänger von Herrn Pfarrer Balagon die eingetretene Vakanz gut verlaufen wird“.

Der Schritt, dass Balagon um seine Entpflichtung gebeten habe, liege einige Wochen zurück, sagte Picken auf GA-Anfrage. Daher habe man Zeit gehabt, nach Lösungen zu suchen. Zunächst stand ein anderer Name oben auf der Pfarrverweserliste: der von Wolfgang Biedaßek, der dieses Amt in den Monaten zwischen Pickens Abschied und Balagons Einführung übernommen hatte. „Er hat aber abgewunken“, so Picken. Aus zwei Gründen: Zum einen wollte er weiterhin im Südviertel seelsorgerisch aktiv sein. Zum anderen, so beschreibt es der Stadtdechant, „wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Leitungsfunktionen nicht wahrgenommen.“ Soll heißen, dass der Pfarrverweser einiges wieder in die richtige Bahn lenken muss.

Dann fiel die Wahl auf Picken. Es sei ein komisches Gefühl gewesen, zum ersten Mal seit langer Zeit auf den Kirchplatz von Sankt Marien zu kommen, so der Stadtdechant. „Man kommt zurück in eine Aufgabe, von der man sich eigentlich gelöst hat.“ Eins sei klar: „Ich kann nicht der Pfarrer von vorher sein“, stellt Picken klar. Seelsorgerisch wird er nicht in Erscheinung treten, auch neue Impulse, neue Konzepte wird es von ihm nicht geben. „Ich versuche, den Status Quo aufrechtzuerhalten.“ Bedeutet das Stillstand? Nein, sagt Picken bestimmt. „Alles, was auf der Agenda steht, wird angepackt.“