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Brief ans Innenministerium: Bad Godesbergerin will falsche Polizisten in die Falle locken

Brief ans Innenministerium : Bad Godesbergerin will falsche Polizisten in die Falle locken

Hiltrud Boldt-Fischer aus Bad Godesberg will Telefonbetrüger zur Strecke bringen, wartet aber vergeblich auf Hilfe. Polizei und Landeskriminalamt prüfen den Fall.

Schon länger hatte sich Hiltrud Boldt-Schiffer gewünscht, einmal falsche Polizisten an der Strippe zu haben. Dann, vor einigen Wochen, erfüllte sich ihre Hoffnung. Ein „Beamter“ rief bei der 74-Jährigen an, und warnte sie eindringlich vor zwei Verdächtigen, die angeblich in der Nähe ihrer Wohnung festgenommen worden waren. Alles ließe darauf schließen, dass sie in Kürze Opfer eines Verbrechens würde. „Er wollte natürlich, dass ich ihm meine vermeintlichen Wertsachen aushändige“, so die Bad Godesbergerin. Doch weit gefehlt.

„Ich war in meinem Element“, so die 74-Jährige. Sie habe sich dumm gestellt, einen „auf leicht gaga gemacht“. Und dem Betrüger genau beschrieben, wie viele Goldbarren welcher Größe sie angeblich in ihrem Keller bunkert. Auch eine Münzsammlung, die ebenfalls nicht existiert, brachte sie ins Spiel. Schließlich habe sie unter einem Vorwand den Hörer beiseite gelegt, ging in ein anderes Zimmer und rief per Handy die Polizei an.

Gespräch mit der Polizei verlief anders als gedacht

Doch die nötige Hilfe bekam sie nicht. „Unter der 110 ist zunächst zweimal die Feuerwehr ans Telefon gegangen“, berichtet Boldt-Fischer, die sich nicht erklären kann, wie es zu der Fehlschaltung kommen konnte. Schließlich versuchte sie es direkt bei der Ramersdorfer Wache. Und wurde auch dort enttäuscht. „Nachdem ich meinen Fall geschildert hatte, hat mir eine Mitarbeiterin geraten, aufzulegen und den Betrüger vorher darauf hinzuweisen, dass ich nur mit der echten Polizei spreche.“ Das aber kam für die 74-Jährige nicht infrage.

Doch auch ein Gespräch mit einem weiteren Polizisten verlief anders, als es sich Boldt-Fischer erhofft hatte. Derzeit habe man keine Kapazitäten, um einen Streifenwagen vorbeizuschicken, habe er gesagt, berichtet die Bad Godesbergerin. „Ich solle vielmehr versuchen, einen Übergabetermin für den nächsten Morgen um 11 Uhr zu vereinbaren.“ Derweil sei der Betrüger, so berichtet Boldt-Fischer, nervös geworden. Auch ihr Flehen „Bitte, lassen Sie mich nicht alleine“ habe nichts mehr geholfen. Er beendete das Gespräch. Und hat sich seitdem nicht mehr gemeldet.

„Das war meine Chance, aber ich konnte nichts machen“, ärgert sich die 74-Jährige. Und zwar so sehr, dass sie sich sowohl bei der Polizei als auch beim NRW-Innenministerium beschwert hat. Seitens der Bonner Behörde sei sie daraufhin für ihren Einsatz gelobt worden und habe Ratschläge im Umgang mit falschen Polizisten erhalten. Ähnlich gelagert sei der Inhalt eines Schreibens vom Innenministerium gewesen. „Am meisten ärgern mich die Tipps“, so Boldt-Fischer. Schließlich wisse sie, wie sie zu agieren habe.

Im Bonner Polizeipräsidium gibt man sich auf Anfrage des General-Anzeigers zugeknöpft, denn bei dem Fall handele es sich „um ein laufendes Beschwerdeverfahren“, erklärt ein Sprecher. Daher könne man sich aktuell noch nicht im Detail äußern. „Sollten im Rahmen der internen Aufarbeitung Missstände erkennbar sein, werden wir das entsprechend aufarbeiten.“

Das Schreiben von Hiltrud Boldt-Fischer an das Innenministerium sei am 9. März an die entsprechende Fachabteilung weitergeleitet worden, erläutert ein Ministeriumssprecher. Einen Tag später „erging eine Anweisung an das Landeskriminalamt mit der Bitte, zu diesem Sachverhalt an das Ministerium zu berichten“. Das habe man der 74-Jährigen am selben Tag mitgeteilt. Genauere Auskünfte habe man damals nicht geben können, auch aktuell sei das noch nicht möglich. Denn: „Wie mitgeteilt, wurde die Prüfung des Falles veranlasst. Der Bericht aus dem LKA zum Vorgang liegt noch nicht vor.“

Eine Standardantwort hat es laut Innenminsterium nicht gegeben

Eine Standardantwort habe Boldt-Fischer definitiv nicht erhalten. „Jeder Fall wird von uns betrachtet, geprüft und individuell beantwortet“, betont der Sprecher. In ihrem Brief habe die Bad Godesbergerin unter anderem um Auskunft darüber gebeten, „welche Maßnahmen – abgesehen von Prävention und Aufklärung – gegen dieses Kriminalitätsdelikt ergriffen werden“. Daher habe man in der Antwort erläutert, „dass seit dem 1. Januar 2019 in der Polizeilichen Kriminalstatistik Nordrhein-Westfalens Informationen zum Modus Operandi ‚Falsche Amtsträger’ erstmalig gesondert erfasst werden“. Darüber hinaus habe man ihr die Empfehlungen der Polizei (siehe Artikel „Empfehlungen der Polizei“) für diejenigen, die in eine solche Situation geraten, zur Information übermittelt.