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Wo bleiben die Bäume?: Bad Godesberger ärgern sich über leere Beete

Wo bleiben die Bäume? : Bad Godesberger ärgern sich über leere Beete

Anwohner in der Truchseß- und der Weißenburgstraße kritisieren, dass die Baumbeete im Norden seit Jahren verwaist sind. Die Lücken sollten eigentlich schon längst gefüllt sein.

Wer in der Truchseß- und der Weißenburgstraße unterwegs ist, kann sie nicht übersehen: die leeren Baumbeete, die seit geraumer Zeit das Straßenbild prägen. Zwischen 2013 und 2018 wurden die Gehölze gefällt, eigentlich sollten die Lücken längst wieder gefüllt sein. Doch aus dem Plan der Stadt, die neuen Bäume bis Ende März zu pflanzen, wird wegen Problemen bei der Ausschreibung nichts. Sehr zum Ärger der Anwohner.

„Wie kann es sein, dass in anderen Ortsteilen mehr als hundert neue Bäume gepflanzt werden, aber in Bad Godesberg-Nord müssen wir auf 20 Stück warten“, so Goswin Praetorius, der in der Truchseßstraße wohnt. Er spielt auf eine Maßnahme an, die die Stadt im September vorgestellt hat. Wie berichtet, werden bis Ende März im Stadtbezirk bis zu 195 neue Bäume gepflanzt, und zwar in Rüngsdorf, Schweinheim, Muffendorf, Heiderhof, Hochkreuz und im Villenviertel.

Auf die erste Beschwerde folgt ein reger Mailverkehr

Diese Bäume seien zwischen 2010 und 2016 gefällt worden, die in Truchseß- und Weißenburgstraße zwischen 2013 und 2018. Wieso also, fragt sich Praetorius, wird die Stadt zuerst in südlichen Ortsteilen aktiv. Wo doch die Bäume im Godesberger Norden zum Teil früher weichen mussten. „Das ist doch Klientelpolitik“, ärgert sich der Anwohner. Bad Godesberg-Nord werde schlichtweg übersehen, so Praetorius, der sich bereits vor rund einem Jahr an die Stadt gewendet hat. Was auf die erste Beschwerde folgte, war ein reger Mailverkehr, der dem GA vorliegt. Konsequenzen allerdings haben sich daraus bislang nicht ergeben.

Bei der Entscheidung, welche Baumbeete wann bepflanzt werden, „spielen mehrere Faktoren eine Rolle“, so Markus Schmitz vom städtischen Presseamt auf GA-Anfrage. Der Zeitpunkt richte sich nicht ausschließlich nach der Reihenfolge der Fällungen. „Dies wäre ebenso unwirtschaftlich wie unübersichtlich.“ Gibt es in einer Straße, einem Viertel viele verwaiste Baumbeete, „wird dort eher nachgepflanzt, als wenn nur ein oder wenige Standorte unbesetzt sind“, sagt Schmitz. Auch der Gesamtbedarf in einem Bezirk spiele eine Rolle. Bis eine Baumscheibe tatsächlich wieder befüllt wird, können laut Stadt zwei bis drei Jahre vergehen, vereinzelt dauert es noch länger. Das habe teils personelle, teils finanzielle Gründe. Nun wurden neue Mitarbeiter eingestellt, seit Januar ist das Team im Grünflächenamt komplett.

Anwohner sind unzufrieden mit der Situation

Für Bad Godesberg-Nord allerdings bringt das nichts. Denn dort kommen zusätzlich die Finanzen ins Spiel. Im Januar dieses Jahres hatte die Bezirksvertretung beschlossen, die Maßnahme auszuschreiben und bis Ende März umzusetzen. Auf die Ausschreibung hin allerdings habe man lediglich ein Angebot erhalten, so die Stadt. Dieses habe mit einem Endbetrag von 157 718,61 Euro rund 31,5 Prozent über den Schätzkosten gelegen. Einen Vergleich gebe es nicht. Daher könne das Angebot „nur als unangemessen und nicht wirtschaftlich deklariert werden“. Die Folge: Die Ausschreibung wird aufgehoben und wiederholt. Somit können die Bäume in Bad Godesberg.Nord – 14 in der Truchseß- und 20 in der Weißenburgstraße – voraussichtlich erst im November oder Dezember gepflanzt werden.

Unbefriedigend, meint Praetorius. Nach wie vor stelle er sich die Frage, warum personelle und finanzielle Gründe für den Norden, nicht aber für den Süden Bad Godesbergs gelten sollen. Unterstützung bekommt er aus der Weißenburgstraße. Ein Blick auf das Straßenbild lege andere Rückschlüsse nahe als den Verweis auf personelle Engpässe, so eine Anliegerin. Schade, wie sie findet. Denn: „Neben all den Problemen, die dieser kleine Stadtteil sicherlich hat, gibt es hier eine ganze Reihe engagierter Bürger, die sich dafür einsetzen, dass der Norden Godesbergs ein grüner, lebendiger, vielfältiger und auch lebenswerter Stadtteil ist.“