Flüchtlinge zeigen Gesicht: Ausstellung im Bonner Haus des Jugenddorfwerks sucht interkulturellen Dialog

Flüchtlinge zeigen Gesicht : Ausstellung im Bonner Haus des Jugenddorfwerks sucht interkulturellen Dialog

Glückliche Familienbilder im syrischen Homs, plötzlich erschreckende Fotos von brennenden Straßen, ein deutscher Pass als Sehnsuchtsobjekt und jede Menge arabisch-deutsche Vokabeln: "Das sind alles meine Bilder", sagte der 61-jährige Fisal im Bonner Haus des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD).

Sein Sohn, seine Enkel, alle vereint im Zufluchtsland Deutschland, sind in der CJD-Ausstellung "Gesicht zeigen!" im ehemaligen evangelischen Haus der Begegnung zu sehen. "Aber mein jüngster Sohn ist tot", sagte der 61-Jährige, dem die Schrecken des Syrienkriegs ins Gesicht geschrieben stehen.

Aber Fisal möchte darüber reden und hat sich deshalb für das Projekt zur Verfügung gestellt - allerdings wie alle ohne Nennung des Nachnamens.

Auch wenn man nicht mehr so heiße, sei man weiterhin "ein offenes Haus der Begegnung und künstlerischen Bildung, wo sich Menschen wie in der Ausstellung ein Bild voneinander machen", so Gotthard Fermor vom zweiten Aussteller Pädagogisch-Theologisches Institut (PTI) bei der Vernissage, die die syrische Konzertpianistin Naira Ghazarian musikalisch gestaltete.

Markus Besserer, Chef des CJD Verbunds NRW-Süd/Rheinland, stellte als neuer Hausherr die erste gemeinsame Ausstellung mit dem PTI ebenfalls vor. "Wir haben bei unserer Entstehung nach dem Zweiten Weltkrieg jungen Menschen wieder eine Heimat geboten", blickte er zurück.

Heute sehe er ähnliche Herausforderungen: eben den aktuellen Flüchtlinge wieder eine Chance zu geben. Dazu gebe die Fotoausstellung besten Gesprächsstoff. Und wirklich scharten sich bald zahlreiche Einheimische und eine ganze Reihe Flüchtlinge um die Bilder.

Die haben, wie die Projektleiter Helene Skladny und Sigurd Hebenstreit von der Evangelischen Hochschule Bochum schilderten, genau diesen "Fotodialog nach der Flucht" zum Ziel. In einem künstlerisch-praktischen Werkstattprojekt hätten sich Deutsche und zugezogene Nigerianer, Syrer, Afghanen, Iraker und Kurden zusammengetan, um nicht übereinander, sondern miteinander zu reden.

Bright, Ihab, Muhammed, Said, Resha und Fisal arbeiteten mit den Bochumer Studenten in Zweierteams zusammen. Die Aufgabe war, im Dialog ein Fotoporträt des geflüchteten Menschen zu erstellen. Ein Dutzend leere Bilderrahmen wurden für jeden Flüchtling ganz unterschiedlich gefüllt.

Und nun erzählt der Inhalt bewegende Geschichten von Glück und Schmerz, Freude und Grauen, Leben und Tod. Hebenstreit: "Es macht mich wütend, wenn ich vor diesen Fototafeln stehe und daran denke, wie bei uns inzwischen über Flüchtlinge geredet wird."

Die Ausstellung "Gesicht zeigen!" ist bis 1. März 2017 im CJD-Haus, Mandelbaumweg 2, zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9 bis 16.30 Uhr, Freitag von 9 bis 13.30 Uhr. Weitere Termine nach Absprache unter der Rufnummer 0228/9523200. Eintritt frei.