Schließung: Aus für den internationalen Kindergarten

Schließung : Aus für den internationalen Kindergarten

Nach jahrelangem Hin und Her wird der Internationale Montessori-Kindergarten aufgelöst. Betreiberin Concetta Beilharz musste Ende Juni vergangenen Jahres aus dem Kindergartengebäude in der ehemaligen Amerikanischen Siedlung in Plittersdorf ausziehen, nachdem die Vebowag ihren Mietvertrag gekündigt hatte. Für das neue Domizil der privaten Kita an der Zitelmannstraße bekam sie keine dauerhafte Betriebserlaubnis.

Am Wochenende war Ausverkauf: Bei einem Flohmarkt konnten sich die Besucher Spielzeug und Einrichtungsgegenstände sichern. Damit ist die Montessori International Children's Cultural Academy (MICCA), wie der ehemalige amerikanische Kindergarten offiziell hieß, Geschichte.

Bereits im August 2015 hatte die Betreiberin der englischsprachigen Einrichtung angekündigt, sie stehe vor dem finanziellen Ruin. Schon damals gab es Probleme mit der Eröffnung am neuen Standort (der GA berichtete). Eigentlich sollten im ehemaligen Kanadischen Konsulat in der Zitelmannstraße bis zu 80 Kinder betreut werden. „Hätten wir einen Monat länger Zeit bekommen, wären alle Forderungen erfüllt worden“, sagte Concetta Beilharz.

Bei der seit Monaten andauernden Auseinandersetzung mit dem Landesjugendamt ging es unter anderem um das Personal. „Ich hätte alle Auflagen erfüllt, aber in mein pädagogisches Konzept wollte ich mir nicht hereinreden lassen. Daher wurde ich als beratungsresistent tituliert“, so Beilharz, die nach mehr als 30 Jahren in die USA zurückkehren will. Sie spricht von „einer persönlichen Kampagne, die mich finanziell und emotional zerstört hat“.

Der Flohmarkt am Wochenende, bei dem das Inventar an junge Familien verkauft wurde, war der Schlusspunkt. Am Mittwoch wird die Immobilie übergeben.

Die Annahme, die Stadt könne ein Interesse daran haben, eine gewerbliche Tageseinrichtung in den Ruin zu treiben, entbehre jeder Grundlage, teilte das Presseamt auf GA-Anfrage mit. Entscheidungen der Jugendämter orientierten sich immer am Kindeswohl. Das gelte auch für die Tageseinrichtungen für Kinder.

„Vor diesem Hintergrund dürfen Tageseinrichtungen für Kinder nur mit einer gültigen Betriebserlaubnis des Landesjugendamtes betrieben werden. Zur Erlangung einer Betriebserlaubnis sind unter anderem fachliche und quantitative Standards an das Personal, an die Räumlichkeiten sowie an Hygienebestimmungen zu erfüllen“, so das Presseamt. Könnten diese und andere Voraussetzungen nicht oder nicht vollständig erfüllt werden, könne eine Betriebserlaubnis zur Sicherung des Kindeswohls nicht erteilt werden.

Im alten Kindergarten an der Kennedyallee wurden zuletzt 50 Mädchen und Jungen aus 40 Nationen betreut. Auf die Frage, ob diese Plätze jetzt fehlen, verwies die Stadt Bonn auf das „plurale Angebot von mehr als 200 Tageseinrichtungen für Kinder, darunter auch eine Reihe gewerblicher Einrichtungen“. Eine breite Palette von Angeboten sei wichtig, damit Eltern für ihre Kinder die passende Einrichtung finden könnten. „Unter den Bonner Tageseinrichtungen befinden sich auch weitere Einrichtungen mit internationalem Angebot“, so die Stadt.

Das alte Kindergartengebäude in der Amerikanischen Siedlung, das der Vebowag gehört, steht weiter leer. Die Vebowag hatte Pläne vorgelegt, das Gebäude abzureißen, um an gleicher Stelle einen neuen, modernen Kindergarten zu errichten. Das hatte eine Denkmalschutzdebatte entfacht.

Als Betreiberin eines neu errichteten Kindergartens war Concetta Beilharz nie im Gespräch. Obwohl es zwischenzeitlich Vermittlungsversuche der Bezirksbürgermeisterin gab, war das Verhältnis zu Vebowag und Stadt nicht zu kitten.

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