Künstler aus Godesberg und Wachtberg: Arbeiten in Schwarz-Weiß im Haus an der Redoute

Künstler aus Godesberg und Wachtberg : Arbeiten in Schwarz-Weiß im Haus an der Redoute

Das Haus an der Redoute zeigt 64 ausgewählte Werke. Die Farbe weicht in der Fastenzeit. Die Ausstellung betont Endliches und Schmerz.

Godesberger und Wachtberger Künstler arbeiten in Schwarz-Weiß

Die traditionell nach Karneval startende Godesberger „Schwarz-Weiß“-Ausstellung steht dieses Jahr auf jeden Fall auf Abstraktion. Rein Figürliches in Malerei, Plastik und Fotografie ist seit Aschermittwoch in den edlen Räumlichkeiten des Hauses am Redoutenpark in der Minderheit vertreten. Wobei an den beiden riesigen Holzschnitten „Adam und Eva“ von Lisa Bille natürlich kaum ein Blick vorbei geht.

Sicher, die Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff und Ludwig Kirchner haben sie inspiriert, bestätigt Bille, die an der Universität Bonn die Technik Holzschnitt lehrt. „Ich wollte den Moment einfangen, in dem die Unschuld in die Scham übergeht“, sagt die Künstlerin dem GA. Kraftvoll sind die Konturen der beiden Nackten aus dem Holz herausgeschnitten. Nachdenklich biegt Eva nach dem Apfelbiss ihren Oberschenkel vor die Scham. „Feigenblätter wie so viele Künstler vor mir habe ich nicht gebraucht“, sagt Bille mit einem Lächeln.

Buchenholz aus dem Stadtwald

Gegenständliches ist auch noch bei Michael Tauchert zu finden. Seine Holzskulptur „Niobe mit Kind“ arbeitet mit sanfterem Schnitt als seine Kollegin die tragische Muttergestalt der griechischen Mythologie heraus, die alle ihre Kinder verlieren wird. „Das Buchenholz stammt aus dem Stadtwald“, erläutert Tauchert. Die „Vögel“ auf den kleinen Tuschbildern von Annika Leese erscheinen zart und wie schon im Abheben begriffen. Auch aus dem Holzklotz mit Bronze von Ernst Doll scheint sich erst nach und nach ein Totengesicht herauszuschälen.

Vergänglichkeit ist Thema, wenn auch Wolfgang Dauer seine Betonwürfel als verfallsanfällig in den Raum stellt. Auf Dietmar Simsheusers Fotografien sind die Menschen nur noch schemenhaft zu sehen. Sie lösen sich langsam auf.

Godesbergs Aschermittwochs-Ausstellung betont Endliches und Schmerz. Holger Figges Grafitbild „Kein Weg“ zeigt einen Pfad, der nicht gerade, sondern beschwerlich führen wird. Gabriela Gessendorfers Fotografie „Aussichtslos“ öffnet den Blick in einem Hochhaushof tunnelgleich in die einzige Lichtquelle hinein: zum Himmel über dem drohenden Wohnblock.

Wenig Lokalkolorit in den Werken

Thematisch ist die einst von Helmut Richter-Rangsdorf konzipierte Ausstellung, die farblich bewusst in Sack und Asche gehen muss, 2019 auch fast gar nicht von Lokalkolorit geprägt. Auf Johannes Steinhauers Fotografien ist mal gerade noch die Drachenfelsbahn zu orten, wie sie im Siebengebirge hochzuckelt. Aber ansonsten arbeiten die Künstler, die von der Jury um Jürgen Laue ausgewählt wurden, in diesem Jahr lieber Formen, Perspektiven, Spiegelungen und Schwarz-Weiß-Schattierungen heraus. Anja-Katrin Grimm malt mit Faserstiften Schwarzpunkte, die sich allmählich zu Formen wie Fingerabdrücken formieren.

Und dann sind da die Exponate, die dem Besucher sofort ein Lächeln entlocken. Neben der uralten Schreibmaschinentastatur von Heidi Hildebrand steht als Titel nur „Jerry Lewis“. Und sofort scheint man den Grimassen schneidenden Filmkomiker von einst virtuos auf der Maschine rattern zu hören. Und Cornelia Harss-Raibles Tuschzeichnung „Künstler unter sich“ nimmt zwinkernden Auges die eigene Innung auf die Schippe: Hinter Trophäen und Pokalen prosten sich die mit Federn geschmückten Ego-Shooter kräftig zu.

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