Altstadtcenter: Angst vor der Abwärtsspirale

Altstadtcenter : Angst vor der Abwärtsspirale

Wie steht es um den Umbau der City-Terrassen? Nachdem in der Bevölkerung erste Scherze um das noch vor anderthalb Jahren so heiß diskutierte Projekt gerissen werden, wächst auch in der Kommunalpolitik das Interesse an dem Vorhaben. Weil auch der Stadtverwaltung nur vage Informationen vorliegen, soll nun der Vertreter der Eigentümerfirma Rede und Antwort stehen.

So soll Leif Steffen von der Essex GmbH, in Bad Godesberg von der einen oder anderen Informationsveranstaltung zum Thema bekannt, in die Aprilsitzung der Bezirksvertretung eingeladen werden, um dort zum Stadt der Dinge Auskunft zu geben. Bekanntlich plant die Essex GmbH - eigentlich - den Umbau des Altstadtcenters.

So soll die Supermarktfläche im Erdgeschoss zu Lasten der Freitreppe für Fußgänger erweitert und zum Michaelshof hin mit einem gläsernen Quaderbau versehen werden. Nachdem das Vorhaben über Monate in Bad Godesberg die Gemüter erhitzt, Nachbarn beschäftigt und Politik und Verwaltung manchen planerischen Klimmzug abverlangt hatte, wurde es plötzlich ganz still um die Sache.

Erste Gerüchte um finanzielle oder urheberrechtliche Schwierigkeiten, die sich bei dem Projekt ergeben haben sollten, bestätigten sich in Gesprächen mit den Verantwortlichen indes nicht. Vielmehr erklärte Architekt Helmut Rübsamen im Gespräch mit dem General-Anzeiger den stockenden Beginn mit der aktuellen Marktlage in der Baubranche.

So erwarteten einerseits die Banken, dass das Projekt von einem Generalunternehmer betreut wird. Ein solcher sei derzeit aber, zumal für ein solch anspruchsvolles Vorhaben, schwer zu gewinnen. Auch in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung war dieser Umstand zur Sprache gekommen.

Wie Vertreter des Liegenschaftsamtes in der Bezirksvertretung mitteilten, arbeite die Eigentümerfirma weiterhin an einer Umsetzung der Pläne, allerdings stünden der Realisierung "noch einige Unwägbarkeiten im Wege".

Der für das Gesamtvorhaben erforderliche Grundstücktausch zwischen Stadt und Eigentümer sei in Form eines unterschriftreifen Vertrags zwar vorbereitet, bislang jedoch noch nicht notariell beurkundet worden, weshalb auch noch keine Baugenehmigung erteilt werden konnte.

Bei Teilen der Politik wächst angesichts der Hängepartie der Unmut. Offen kritisiert den Eigentümer etwa der Bürger Bund Bonn, der das Projekt von Beginn an mit Skepsis begleitet hatte: "Der Investor hat immer bekundet, er wolle etwas für Bad Godesberg tun, aber das Gegenteil ist der Fall: Die City-Terrassen verfallen immer mehr", schimpft Ratsmitglied Marcel Schmitt.

Wie er fürchten inzwischen auch Vertreter anderer Fraktionen, dass die ungeklärte Situation potenzielle Mieter der Geschäfte im Altstadtcenter und ringsum von einem Engagement in Godesberg abschrecken. Dies wiederum, so die Sorge, verfestige den Leerstand von Ladenlokalen und trage auf diese Weise zu einer Abwärtsspirale für die Innenstadt bei.

Das Altstadtcenter:

Das Altstadtcenter, geplant von dem bekannten Architekten Gottfried Böhm, war eines der zentralen Projekte im Zuge der Godesberger Altstadtsanierung, die 1965 begann, bis 1991 dauerte und mehr als 90 Millionen Mark kostete. Obwohl der Stadtrat des damals noch selbstständigen Bad Godesberg einstimmig hinter dem Vorhaben stand, wurden die Godesberger mit dem Ergebnis nie warm. Offene Proteste hatte es in der Planungsphase jedoch ebenfalls nicht gegeben.

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