Marodes Kurfürstenbad: Alles schlimmer als angenommen

Marodes Kurfürstenbad : Alles schlimmer als angenommen

Der Zustand des Kurfürstenbades erweist sich auch für Experten als erschreckend. Niemand kann derzeit sagen, wann und ob es wieder öffnen wird.

Es waren entsetzte und ungläubige Blicke, die die Schilderungen von Wolfgang Ziegert am Mittwochabend bei den Kommunalpolitikern hervorriefen. Der Abteilungsleiter Bäder beim Städtischen Gebäudemanagement (SGB) war mit Elke Palm vom Sport- und Bäderamt zur Sitzung der Bezirksvertretung gekommen, um zu erklären, warum das Kurfürstenbad nicht wie geplant bis zu den Sommerferien von der Schwimmgemeinschaft Wachtberg Godesberg genutzt werden kann.

Der Tenor: Der Zustand des Hallenbades ist weit schlimmer als angenommen. Und wenn nicht investiert wird, kann das Bad nicht wieder eröffnet werden.

„Es war erschreckend, was wir bei der Begehung vorgefunden haben“, sagte Ziegert, der das Bad mit seinem Team am 24. Mai anderthalb Stunden unter die Lupe genommen hat. Die Elektroanlagen entsprächen keiner Norm, es fehlte teilweise an Isolierungen, die Gefahr von Stromschläge sei gegeben. Auch die Lüftung sei in einem desolaten Zustand.

„Die Luft muss eine einwandfreie Qualität haben.“ Was das bedeutet, ist in Richtlinien festgelegt. Ob die Luft in Ordnung ist, muss regelmäßig geprüft werden. „Im Kurfürstenbad brauchen wir diese Prüfung gar nicht durchzuführen“, stellte Ziegert fest. Die Kanäle seien oxidiert und teilweise nicht mehr vorhanden, da sie komplett weggerostet seien.

Bei der Heizung sehe es nicht viel besser aus. „Die Ventile können nur noch von Hand mit viel Kraftaufwand geregelt werden. Teilweise bekommt man sie nur noch auf und zu“, schilderte Ziegert. Und die Messsteuerregler für Lüftung und Heizung seien so marode und alt, dass es Ersatzteile nur noch über Ebay gegeben habe. Doch auch damit sei jetzt Schluss: „Es gibt gar keine Ersatzteile mehr.“

Man habe mit der SG Wago über eine Übernahme des Bades im Herbst verhandelt, sagte Palm. „Das ist noch nicht endverhandelt.“ Dann habe der Verein „kurzfristig angefragt, ob er das Bad bis zu den Sommerferien nutzen kann“.

Deswegen habe das SGB das Bad genau untersucht. „Wir haben alle gedacht, dass es keine großen Probleme gibt“, sagte Palm. Doch dann kam alles anders. Alternativ könne der Verein, der für Wettkämpfe trainieren muss, das Rüngsdorfer Bad nutzen.

Die Technik aus dem Bad stamme aus dem Jahr 1964, sagte Palm. In dem Gutachten von 2009 seien die Mängel aufgezeigt worden. Seit Jahren werde über ein Bäderkonzept diskutiert, es sei nie eine Entscheidung gefallen. Deswegen sei nicht in Bäder investiert worden, „die eventuell geschlossen werden müssen“.

Die Aussagen der Verwaltung lösten einen Sturm der Empörung in der Bezirksvertretung aus. Man habe gewusst, dass es schlimm um das Bad stehe. „Aber diese Dramatik war nicht bekannt. Es müssen alle Fakten auf den Tisch“, sagte Philipp Lerch (CDU). Man habe „das Totenglöckchen“ für das Bad geläutet, meinte Marcel Schmitt (Bürger Bund).

Er kritisierte den jahrelangen Investitionsstau und sah in dem Vorgang ein „grobes Organisationsversagen der Verwaltung“. Irgendjemand habe von den Mängeln wissen müssen – wenn schon nicht die Chefebene, dann doch die Mitarbeiter. Bärbel Richter (SPD) sprach von einer „katastrophalen Situation“, die dadurch entstehe, „dass die Ämter nicht miteinander reden“. Und Nicole Unterseh (Grüne) fügte hinzu: „Man muss froh sein, dass bisher nichts passiert ist.“

Außerdem warf das Gremium einige Fragen auf, die teilweise unbeantwortet blieben: Warum fällt erst jetzt auf, wie schlimm es um das Kurfürstenbad bestellt ist? Warum verhandelt die Stadt mit der SG Wago über eine Übernahme im Herbst und einen Probebetrieb bis zu den Sommerferien, wenn bekannt sein sollte, dass das Bad nicht mehr betriebssicher ist? Was ist mit dem Schulschwimmen?

Wie kann das Bad für die Öffentlichkeit erhalten bleiben? Und wie steht die Verwaltung zur Zusage des Oberbürgermeisters, das Kurfürstenbad so lange geöffnet zu halten, bis das geplante Kombibad errichtet worden ist? Und bleibt – vom Geld einmal abgesehen – überhaupt genügend Zeit, die Mängel zu beheben? Zur Sitzung des Rates am 30. Juni werde ein Sachstandsbericht mit Kostenprognose vorliegen, sagte Ziegert. Dann werde dargelegt, was zu tun sei, um das Kurfürstenbad „halbwegs sicher betreiben zu können“.