Einnahmen sind für die Instandhaltung der Spielhütte

Spurensuche zwischen Bahn und Rheinufer

Elke Marin (4. v. re.) möchte Familien für Naturschutz und soziales Engagement sensibilisieren.

Elke Marin (4. v. re.) möchte Familien für Naturschutz und soziales Engagement sensibilisieren.

RÜNGSDORF. Wer mit Erlebnispädagogin Elke Marin in Rüngsdorf unterwegs ist, erfährt viel über Eulen und den Mond. Überhaupt öffnet Marin den menschen die Augen für die Natur in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Wo leben Eulen? Was fressen diese Nachtschwärmer? Und warum war der Vollmond am 31. Januar 2018 so besonders? Dies und noch viel mehr über Fauna und Flora zwischen Bahndamm und Rheinufer erfuhren fünf Familien auf der zweistündigen „Nachteulentour“ von Elke Marin. Die Umwelt- und Erlebnispädagogin schärfte den Blick für das Zusammenspiel in der Natur und präsentierte am Wegesrand immer wieder kleine Biotope wie den stehengelassenen Baumstumpf eines Vorgartens, der zum „El Dorado“ für Insekten geworden ist. Abstecher zur Landeskunde gab es auch. „Noch lange vor den Römern, Franken und Ubiern ging das Rheinbett, genauer gesagt ein alter Seitenarm, bis zum Spielplatz am Kapellenweg“, erklärte Marin zum Erstaunen nicht nur der kleinen Entdecker, die sich im Leuchtkegel ihrer Taschenlampen einen Weg durch die geheimnisvolle Nachtwelt bahnten.

Geduldig beantwortete die Führerin alle Fragen, „zauberte“ mit ihrem Fadenspiel eine Sternschnuppe und ließ die Kinder selbst herausfinden, warum auf der einen Erdhalbkugel Tag und auf der anderen Nacht ist. Auch wenn als „Lockmittel“ eine kleine weiße Plüschmaus und eine Keramikflöte zum Einsatz kamen, die den Ruf des Kauzes imitiert, ließ sich schlussendlich keine Eule blicken. Aber das störte niemanden, da es genügend andere spannende Dinge zu entdecken gab. So erfuhr man, dass Eulen gern in alten Astlöchern wohnen und Mäuse oder Regenwürmer fressen. Und dass der Vollmond am 31. Januar sowohl ein „Blauer“ als auch „Roter Mond“ war, da er zweimal innerhalb eines Monats auftrat und die erste totale Mondfinsternis in diesem Jahr war, die man allerdings nur in Asien bewundern konnte.

Seit 2011 bietet Elke Marin überwiegend ehrenamtlich Natur- und Landschaftsführungen sowie Freizeit- und Erlebnisangebote in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis an – seit 2016 unter dem Namen „Mach Mit & Mehr. Die zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin, die auch im Museum Koenig ehrenamtlich engagiert ist, will mit ihrer Arbeit das Umweltbewusstsein wecken. „Der Bezug zur Umwelt geht oft verloren“, meint sie und hofft, dass die Kinder ihre „Bildung durch die Hintertür“ behalten und als Erwachsene umsetzen. Und dass die Eltern ebenfalls sensibilisiert werden − auch für das soziale Engagement. So lässt Marin den Großteil ihrer gespendeten Toureinnahmen wohltätigen Zwecken der näheren Umgebung zugutekommen. Wie der Instandhaltung der Spielhütte auf dem Spielplatz am Kapellenweg, der in ihrer Nachbarschaft liegt.

Ganz bewusst bezieht sie diesen Ort in viele ihrer Touren mit ein. „Ich bin Spielplatz- und Spielhüttenpatin“, berichtet die Rüngsdorferin, die für Ordnung und Sauberkeit in der bei Kindern und Jugendlichen gleichermaßen beliebten Hütte sorgt. „Die Stadt kümmert sich um viele Spielplätze und kann sich diesem nicht so ganz widmen, wie wir uns das wünschen“, beklagt sie und hofft auf weitere Menschen, die bereit sind, ab und zu nach der Spielhütte zu sehen sowie Bücher, Spiele und Malkreide den Kindern zugänglich zu machen. Sie ist überzeugt, dass man an diesem Ort, der große Chancen für die „bunte Mischung“ der Nachbarschaft biete, langfristig auch etwas für die Heranwachsenden tun müsse. „Damit aus den Kindern, die wir heute gewinnen, nicht pubertierende Jugendliche werden, die wir morgen wieder verlieren“, so Marin. Ein erster Schritt sei, dass künftig nicht nur das Spielmobil der Stadt Bonn, sondern auch das One World Mobil von Caritas und Evangelischer Jugendhilfe Godesheim den Spielplatz anfahren werde.